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Karlsruhe Karlsruher Krankenhäuser unter Druck: Arbeit nimmt zu, Zahl der Pfleger ab

Die Karlsruher haben seit Februar eine Klinik weniger, die Hilfe im Notfall leisten kann. Der große Ansturm auf die anderen Kliniken blieb aber in Folge der Schließung aus. Das heißt aber nicht, dass der Druck in den Notaufnahmen gering ist. Arbeit gibt es genügend - nur Pflegekräfte nicht unbedingt.

Wer ein medizinisches Problem hat, geht zum Arzt. So klar, so simpel - zumindest im Prinzip. Doch dahinter steckt ein komplexes System an Ärzten und Krankenhäusern, die im Idealfall so aufgestellt sind, dass jeder Kranke versorgt werden kann. Weil die Kosten einer solchen Behandlung schnell in horrende Höhen getrieben werden können, sorgt das deutsche Gesundheitssystem für einen Großteil der Finanzierung.

Dass ein Krankenhaus dennoch in Schieflage geraten kann, zeigte das Beispiel der Paracelsus-Klinik in Karlsruhe-Durlach. Der Mutterkonzern mit Sitz in Osnabrück musste Insolvenz anmelden, das Karlsruher Haus wurde daraufhin geschlossen. Hier waren die finanziellen Probleme nach Unternehmens-Angaben besonders gravierend, auch weil das Vertrauen der Patienten nach einem Hygiene-Skandal im Jahr 2015 nicht mehr aufgebaut werden konnte.

Paracelsus-Klinik in Karlsruhe-Durlach
Die Paracelsus-Klinik in Karlsruhe-Durlach. | Bild: (Paracelsus-Klinik)

Zahl der Betten sank nur geringfügig

Seit Ende Februar ist die Klinik nun geschlossen. Damit bleiben den Karlsruhern nur noch drei Krankenhäuser: Das Städtische Klinikum, das Diakonissenkrankenhaus sowie die Vincentius-Kliniken. Letztere arbeiten seit geraumer Zeit als "ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe" zusammen. Weitere Planbetten kommen noch von der spezialisierten Helios Klinik für Herzchirurgie. Aber: Diese Kliniken machen den Großteil im Krankenhausbedarfsplan aus, der beschreibt, wie viele Betten in einer Region vorgehalten werden müssen.

 

Die Frage, ob die Schließung der Paracelsus-Klinik eine Auswirkung auf die Notaufnahmen der anderen Krankenhäuser in der Umgebung hat, können die Pressesprecher unisono keine eindeutige Antwort geben. Das liegt aber auch daran, dass die Schließung auch auf den Höhepunkt der Grippewelle traf. So waren die Notaufnahmen im März ohnehin einer deutlichen Zunahme an Patienten und Notfällen unterworfen.

St. Vincentius-Kliniken Karlsruhe - "Altes Vincentius" in der Südentstraße
(Symbolbild) | Bild: ka-news

Unklar, wie sich die Durlacher Patienten nun verteilen

"Die ViDia Christliche Kliniken verzeichnen in den letzten Tagen einen deutlich erhöhten Zulauf. Teilweise kommen doppelt so viele Patienten in die Notaufnahmen wie sonst, darunter merklich mehr Anfragen aus dem Pfinztal", so Melanie Barbei, Sprecherin der ViDia Kliniken, im März gegenüber ka-news. Ob hier ein Zusammenhang mit den Schließung der Paracelsus-Klinik besteht, müsse eine entsprechende Erhebung zeigen.

Ähnliche Angaben macht auch Oberarzt Harald Joachim Proske, medizinische Leitung der Zentralen Notaufnahme am Städtischen Klinikum: "Es wäre eine Illusion zu behaupten, es gäbe keine Auswirkungen. Sonst wäre die Paracelsus-Klinik auch überflüssig gewesen." Aber auch er kann keine Zahl nennen, wie viele Patienten mehr als sonst im Klinikum ankommen.

SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
Das Klinikum Karlsbad-Langensteinbach aus der Luft | Bild: ps

Weiter südlich von Durlach liegt das Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, dessen Sprecher Mischa Lange ebenfalls von einer deutlichen Zunahme der Patienten im März berichtet, "möglicherweise versorgen wir auch zusätzliche Patienten aus dem Durlacher Raum." Das sei aber nicht eindeutig zu unterscheiden.

Mehr Zeit für Dokumentation als für die Patienten nötig

Aber auch unabhängig von der Schließung der Paracelsus-Kliniken - eins eint alle Kliniken: Der Arbeitsaufwand steigt zunehmend. Dazu zählt unter anderem die immer umfangreicher werdende Dokumentationspflicht, die die Ärzte erfüllen müssen. "Während man administrative Aufgaben erfüllt, kann man natürlich kein Gespräch mit einem Patienten führen", betont Proske. Das sei Zeit, die für die Patienten fehlt. Er schätzt, dass er nur noch rund 40 Prozent seiner Arbeitszeit "am Patienten" ist.

Rettungswagen
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Gleichzeitig kommen aber immer mehr Patienten in die Notaufnahme, die theoretisch auch ein Fall für den Hausarzt wären. Auch das bestätigen die Kliniken und der Rettungsdienst im Gespräch mit ka-news einstimmig. Jeder Patient, der in ein Krankenhaus geht, muss auch gesichtet werden. Hier hat das Städtische Klinikum bereits reagiert: Es wurde eine ambulante Hausarztpraxis eingerichtet, die eben die betreffenden Fälle betreuen soll.

Mehr Personal wird benötigt - ist jedoch rar

Zeitmangel und viele Patienten - nicht nur das sorgt bei den Verantwortlichen für Sorgenfalten: Hinzu kommt, dass die Personalabteilungen oft nicht ausreichend viele und gute Pflegekräfte finden können. Das sorgte zuletzt bei der Paracelsus-Klinik für die Schließung der Notaufnahme und verursacht auch in anderen Krankenhäusern Engpässe. Die Auslastung der Betten auf den Intensivstationen sei durchweg sehr hoch - was auch zeitweise Abmeldungen beim Rettungsdienst zur Folge hat. Eine hohe Auslastung heißt aber nicht unbedingt, dass schlicht alle Betten belegt sind: Teilweise werden einige Betten der Stationen auch nicht belegt, weil das nötige Pflegepersonal fehlt.

"Wie die meisten deutschen Krankenhäuser müssen wir uns den Herausforderungen der Personalgewinnung stellen", so Mischa Lange für das Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. "Auch wir verspüren einen Druck bei der Nachbesetzung von Stellen, kommen aber bislang einigermaßen gut zurecht. Die Rahmenbedingungen gestalten sich seit nunmehr 15 Jahren zunehmend schlechter", ergänzt Melanie Barbei von den ViDia Kliniken. Oberarzt Proske vom Städtischen Klinikum formuliert in dieser Situation eine Forderung an die Politik: Die Rahmenbedingungen für die Pflegekräfte müssten sich ändern, um den Beruf attraktiver zu gestalten.

Eine Pflegerin steht neben einem Patienten
Eine Pflegerin steht neben einem Patienten. | Bild: Sebastian Kahnert/Archiv

Anreize müssen geschaffen werden

Mit ein Weg, den die Häuser einschlagen: Ausbildung direkt vor Ort, sich die Pflegekräfte also quasi selbst heranzüchten. Andere wiederum bieten Fortbildungen an, damit die Mitarbeiter sich stets weiterentwickeln können. Eine weitere Möglichkeit, um den Job des Pflegers attraktiver zu machen, sei aber beispielsweise auch an der Vergütung zu arbeiten, gibt Proske zu Bedenken.

Hier sieht er aber die Politik in der Verantwortung - vor allem was eben die Finanzierung der Kliniken angeht. "Kliniken stehen unter einem massiven wirtschaftlichen Druck", so Josef Hug, Pflegedirektor und Prokurist am Städtischen Klinikum. Tarifsteigerungen auf der einen Seite werden bislang auf der Erlösseite nicht ganz ausgeglichen. So gibt es Kalkulationen, wie lange ein Patient im Schnitt betreut wird. Wenn die Betten jedoch länger belegt sind, könne das auch mal zu einer Schieflage in der Klinikkasse führen. Was eine solche finanzielle Schieflage für Auswirkungen hat, kann ebenfalls am aktuellen Beispiel der Paracelsus-Kliniken gesehen werden. Alle befragten Kliniken gaben im Übrigen an, Personal von der "Para" übernommen zu haben - auch um den eigenen Bedarf zu decken.

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  •   Propagandahilfskraft
    (1162 Beiträge)

    19.04.2018 12:12 Uhr
    Plegekräfte sind nur Kostenfaktoren!
    Kostenfaktoren werden nur zu gerne eingespart. Natürlich kann man das den Patienten und/oder Angehörigen nicht so offen sagen. Also erklärt man die Folgen von Planstellenmangel und Lohndumping mit der bedrückenden und handgewrungenen Fachkräftemangel. In der Realität verlassen die Pflegekräfte den Beruf nach weit weniger als 10 Jahren, sollten aber fast 40 Jahre bis zur Rente schuften. Arbeitsverdichtung, Lohndumping und kurze Verweildauer im Beruf passen gemäß der Heilsversprechen des Kapitalismus gar nicht zu einem Fachkräftemangel oder dessen milde Form Fachkräfteengpass. Das sind im Rahmen der kapitalistischen Verwertungslogik Symptome eines Fachkräfteüberangebots oder gar einer Fachkräfteschwemme.

    Wer immer noch auf die Fake News, wie diese, über Fachkräftemangel, dessen Folgen und Vollbeschäftigung in diesem, unseren Wirtschaftswunderschland rein fällt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
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  •   Lars01
    (99 Beiträge)

    19.04.2018 11:06 Uhr
    Notaufnahme
    Ob es Auswirkungen auf die Notaufnahme hat? Im Städtischen hat ein von mir hingefahrener Bekannter 5 Stunden gewartet, bis seine Verletzungen behandelt wurden. Es geht aber noch besser, Freitag vor einer Woche über 9 Stunden in der Notaufnahme der Unfallklinik in Ludwigshafen verbracht, bis der Patient untersucht, erste Maßnahmen definiert und aufgenommen worden war (Ins Zimmer dann um 1:30 nachts).
    Die Krankenkassen nehmen immer mehr Geld, die Glaspaläste der der Zentralen werden immer größer und meines Erachtens die Anzahl der Vorstände und deren Gehälter steigt enorm. Nur an den Pflegern und Schwestern wird gespart. Die dürften von mir aus gerne deutlich mehr Geld verdienen.
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  •   deremka
    (18 Beiträge)

    19.04.2018 11:36 Uhr
    Hausgemachte Probleme
    Das Problem sind nicht nur die fehlenden Pflegekräfte. Früher war die Notaufnahme eines Krankenhauses die absolut letzte Instanz in die man geht bei einer Verletzung. Heute sitzen die Leute mit Lapalien rum und blockieren somit richtige Notfälle. Die überlasteten Hausärzte schicken die Leute ja auch lieber in die Klinik, so hat kann man noch mehr Patienten in der Praxis abfertigen. Mehr Hausärzte auf dem Land, könnten da evtl. auch helfen.
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  •   zozimura
    (1942 Beiträge)

    19.04.2018 09:30 Uhr
    Selbstgemachte Probleme
    Früher, also vor der Fallpauschale, lagen die Patienten solange auf Station, bis ein neuer das Bett belegte, da jeder Tag Kohle brachte. Dann kam die Fallpauschale und die Klinikbosse jubelten und laberten etwas von Synergie und verschlankten Strukturen. Es wurde also am Menschen, vulgo Pfleger, gespart. Und jetzt stellen alle fest, das es ohne Pfleger nicht geht. Ja sowas aber auch. Mein persöhnliche Beobachtung ist, das in Krankenhäusern der Papierkrieg massiv zunimmt, aber die Abläufe keinerlei irgendwie geartete Struktur haben. Ach ja, für einen Verwaltungsdirketor mit Stabsstelle, der nur heiße Luft produziert, kann man locker 10 bis 20 PflegerInnen einstellen. Nur mal so am Rande..
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  •   VielVorNixDahinter
    (110 Beiträge)

    19.04.2018 11:49 Uhr
    Das geht noch weiter
    Inzwischen werden die "alten Hasen" unter den Pflegekräften angewiesen, sie sollen den Praktikanten gegenüber nicht negativ über die Arbeitsbedingungen reden, damit sie nicht abgeschreckt werden.

    Man merkt also inzwischen in den höheren Etagen, das der Personalmist seine Früchte trägt und möchte sie nun gern kaschieren. Deshalb werden Maulkörbe erlassen. Damit die armen NovizInnen, gebrieft von den Pampers-Verhältnissen in der Sachsenklinik (Serie: "In aller Freundschaft"), nicht vor Schreck vom Hocker fallen, wenn sie mit der Realität einer Pflegestation konfrontiert werden.
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