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Karlsruhe Karlsruhe: Bei jeder vierten Kontrolle Schußwaffen ungesichert

Eine Anwältin erschoss im September mit einer Sportwaffe drei Menschen in Lörrach. Dem Vater des Amokschützen von Winnenden wird vorgeworfen, durch unsachgemäße Aufbewahrung von Waffen und Munition, den Amoklauf ermöglicht zu haben. Auch in Karlsruhe werden bei jeder vierten Waffenkontrolle Unregelmäßigkeiten festgestellt.

"Bei jeder vierten Waffenkontrolle waren die Schußwaffen nicht ordnungsgemäß verwahrt", so Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts (OA) der Stadt Karlsruhe gegenüber ka-news. Seit August kontrollieren zwei städtische Waffenkontrolleure Waffenbesitzer in Karlsruhe.

Fast 4.000 Waffenbesitzer haben keinen Nachweis erbracht

Die Kontrolleure des OA haben bereits 88 Waffenbesitzer aufgesucht, allerdings nur etwa die Hälfte auch angetroffen. Bei 43 Kontrollen wurden schließlich zehn Verstöße gegen die Aufbewahrungsvorschriften festgestellt, teilte Weiße mit. Entweder seien die Schußwaffen nicht ordnungsgemäß verwahrt worden oder es war kein zertifizierter Tresor vorhanden.

Das OA hatte bereits im vorigen Jahr - damals noch unter dem Namen "Bürgerservice und Sicherheit" (BuS) - alle Karlsruher Waffenbesitzer angeschrieben und einen Nachweis über die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition angefordert. Als so ein Nachweis kann ein Kaufbeleg über einen Waffenschrank dienen. Waffenbesitzer, die bisher noch nicht die sichere Aufbewahrung ihrer Waffen nachgewiesen haben, bekommen seit August unangemeldet Besuch vom OA.

Von den etwa 5.000 Karlsruher Waffenbesitzern haben rund 3.800 diesen Nachweis bisher nicht erbracht. Viel Arbeit also für die zwei Kontrolleure, die vor Dienstantritt vom OA in Waffenkunde geschult wurden. Es sei fast unmöglich alle Waffenbesitzer zeitnah zu kontrollieren, räumt Weiße ein. Aber man gehe nach Dringlichkeit vor und würde zuerst Waffenbesitzer aufsuchen, die noch keinen Nachweis erbracht hätten. Die Zeit werde zeigen, ob das Personal ausreiche. Die Entscheidung über eine Aufstockung des Personals liege allerdings nicht beim OA. Erfreulich jedenfalls sei, dass seit den tragischen Ereignissen von Winnenden etwa 500 Karlsruher Waffenbesitzer ihre Waffen freiwillig abgeben hätten.

Gemeinderat stimmte im Juli für die Schaffung der Stellen

Ein Bußgeld- oder Strafverfahren wurde noch gegen keinen der Waffenbesitzer eröffnet. Die Waffenbesitzer, die ihre Waffen nicht ordnungsgemäß sichern, würden aufgefordert einen entsprechenden Tresor innerhalb weniger Tage anzuschaffen und dies der Behörde nachzuweisen, sonst würden die Waffen beschlagnahmt, so der Leiter des OA.

Vor dem Hintergrund der tragischen Ereignisse von Winnenden hat der Gesetzgeber zum 17. Juli 2009 das Waffenrecht geändert. Das Waffenrecht sieht die Kontrolle der ordnungsgemäßen Aufbewahrung von Schusswaffen vor. Eine Kontrolle soll regelmäßig alle drei Jahre stattfinden. Der Karlsruher Gemeinderat stimmte im Juli dieses Jahres mit großer Mehrheit für die Schaffung zweier Personalstellen für die Durchführung waffenrechtlicher Kontrollen durch das OA.

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Kommentare (11)
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  • unbekannt
    (181 Beiträge)

    12.10.2010 10:05 Uhr
    5000 Bekannte Waffenbesitzer
    und wieviel "unbekannte" ?

    Wenn ich so manchen Kommentar hier lese, hoffe ich das DIESE Menschen keine Waffen besitzen.
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  • unbekannt
    (123 Beiträge)

    12.10.2010 16:09 Uhr
    und das ich...
    zwinkern
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  •   zozimura
    (1981 Beiträge)

    12.10.2010 08:44 Uhr
    Hmmmm
    Kampfhunde, die eine Verfehlung begehen, werden eingeschläfert. Und was ist mit den Zweibeinern? Jede Wette: 10 Waffennichtrichtigwegschließer einschläfern und es herrscht Ruhe und Sicherheit. grinsen
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    12.10.2010 10:06 Uhr
    Waffen und Kampfhunde
    In beiden Fällen ist immer der Halter das Problem dahinter:
    Entweder Du tötest jeweils die Besitzer oder die Waffe, das wäre konzequent.
    Wenn Du schon dabei bist kannst Du mit alkoholisierten Autofahrern, Rasern, Dränglern, Handy-am-Ohr-fahrern, ... weiter machen zwinkern
    Natürlich wieder: Auto oder Besitzer - ganz nach Schema.
    Bitte sofort beim Auto anfangen, da werden mehr Menschen 'einfach so' durch Leichtfertigkeit oder Aggresion getötet als durch alle anderen unnatürliche Ursachen zusammen.

    Disclaimer: Verantwortungsvoller Umgang sollte bei Waffen muss selbstverständlich sein, da sind wir alle einer Meinung, aber bei Autos... da sehen es sehr viele plötzlich ganz anders....
    Nur so als Denkanstoß....bevor Du die Todesspritze rausholst.
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  •   zozimura
    (1981 Beiträge)

    12.10.2010 11:12 Uhr
    Verantwortungsvoller Umgang?!?
    Pfffft. Und jetzt noch die Nummer: Waffen in verantwortungsvollen Händen dienen dem Schutz von Heim und Familie vor Einbruch und Überfall. Pfffft.
    Mal ehrlich: Wann wurde zuletzt in Deutschland ein Einbrecher über den Haufen geschossen? Eben. Abgeknallt werde immer nur die, die nicht einbrechen.
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    12.10.2010 11:44 Uhr
    Verantwortung?
    Verantwortungsvoller Umgang heist auch: "einen Einbrecher NICHT einfach, wie von Dir gefordert(?), "über den Haufen zu schießen".
    Wäre bei legalem Besitz und vorschriftsmäßiger Aufbewahrung auch schwierig zu realisieren.

    Eine Sportwaffe ist übrigens genauso wenig fürs "rumballern" konstruiert und optimiert, wie ein Sportwagen zur Leibesertüchtigung der Insassen zwinkern

    Zu Deinem "wer knallt wen ab":
    ist nun mal ein Problem, dass Verbrecher meist keine legalen Waffen besitzen und diese vorschriftsmäßig handhaben.

    Die Welt ist nun mal leider nicht so wenig komplex wie Aktionismus zum Wählerstimmen erhaschen.
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  •   Smartraver
    (7579 Beiträge)

    12.10.2010 13:28 Uhr
    Das würde ich so...
    unterschreiben.
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  •   Smartraver
    (7579 Beiträge)

    12.10.2010 09:03 Uhr
    Die Waffen und die Waffenbesitzkarte...
    SOFORT und für immer eingezogen plus 1000 Euro Bußgeld würden es auch tun denk ich.
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    12.10.2010 08:20 Uhr
    Bischen oberflächlich plaktativ
    was war in den Fällen genauer faul:

    Formell kann ein Tresor nicht zertifiziert sein (Baujahr), jedoch von der Bauart die geforderten Anforderungen weit überbieten.
    Formell ist eine Aufbewahrung von Waffen darin nicht ordnungsgemäß, selbst wenn sich de facto sicherer als vorgeschrieben ist.
    Richtig (ich würde es kopfschüttelnd tun) ist dann einen unsichereren Tresor zu kaufen, Dokumente in den "stabileren", Waffen in den zertifizierten....

    Das soll kein Fehlverhalten entschuldigen, sondern nur den BUSgeld Aufmacher jeder 4.... hinterfragen!
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    12.10.2010 06:54 Uhr
    Sinn
    Da scheinen die Kontrollen also doch Sinn zu machen.
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