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Karlsruhe Justizminister in Karlsruhe: "Jeder inhaftierte Sexual-Verbrecher kostet pro Tag 110 Euro"

Bei einem Besuch der "Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS)" würdigte Baden-Württembergs Justizminister Rainer Stickelberger die Arbeit der Initiative und äußerte sich zum Umgang mit (Sexual-) Straftätern im Land. Insbesondere hob er die Wichtigkeit der engen Zusammenarbeit des Landes mit dem Verein hervor - nur so könne eine Verbesserung der Organisationsstruktur erreicht werden.

Die Initiave BIOS betreut sowohl Opfer als auch Täter sexueller Gewaltverbrechen. Dabei gehe es neben der Therapie für bereits straffällig gewordene Täter ebenso um die Prävention solcher Delikte. Erster Vorsitzender der Initiative Klaus Michael Böhm erläuterte, der Umfang der Betreuung belaufe sich auf etwa 400 laufende Therapien. Darunter seien ungefähr 70 Prozent "abgestrafte" Täter, der Rest sei in präventiver Behandlung.

In den Räumlichkeiten der "forensischen Ambulanz Baden", in denen ausschließlich die Opferbetreuung stattfindet, würdigte Justizminister Stickelberger die Arbeit der Initiatve und hob deren Wichtigkeit hervor: "Im Strafvollzug ist eine Aufarbeitung der Straftat meist nicht möglich, umso wichtiger ist eine professionelle Betreuung der Täter außerhalb der Haft."

"Täter haben oft besonders schwere Schicksale"

Besonders hob er hervor, dass BIOS nicht punktuell sondern "in die Fläche" wirke, also über mehrere Stützpunkte im Land verteilt. Generell gehe es bei Straftätern nach der Haft oft darum, soziale Strukturen wiederherzustellen. "Betroffene haben häufig besonders schwere Schicksale, da reicht eine Betreuung in der Haft alleine nicht aus", sagte Stickelberger.

Auch der Tatprävention misst der Justizminister einen hohen Wert bei. Ziel sei es selbstverständlich nicht, Menschen zu inhaftieren. Vielmehr sei es erstrebenswert, jede einzelne Straftat zu verhindern. Aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nannte er die hohen Kosten für das Land durch eine Haft: So würde jeder Hafttag etwa 110 Euro kosten, im Jugendbereich meist noch mehr. "Wenn man durch gezielte Therapie oder Prävention solche Delikte verhindern kann, ist das gut angelegtes Geld", sagt Stickelberger.

Böhm äußerte sich konkret zum Finanzvolumen der Initiave BIOS, auch wenn ein fixierter Wert schwer zu nennen sei:  "Wir haben etwa 400 Behandlungen jährlich. Ungefährer Kostenpunkt pro Behandlung sind 6.000 Euro. Dadurch kann man etwa ein Finanzvolumen zwischen 200.000 und 300.000 Euro beziffern." Die Initiatve habe aktuell acht Festangestellte, hinzu kämen 40 freie Mitarbeiter.

Der Minister indes hob die besondere Herangehensweise des Vereins hervor: "Neben den Tätern hat BIOS auch die Opfer im Blick. Diese Beidseitigkeit ist besonders wichtig", sagte er. Mit Blick auf die Täter ergänzte er: "Behandlungsvollzug ist immer besser als Strafvollzug." Zum Personal sowohl in den Haftanstalten als auch im therapeutischen Bereich sagte er, dies sei besonders geschult und auf die einzelnen Profile der Täter eingestellt.

"Es ist nicht alles vermeidbar"

Angesprochen auf verschiedene Straftaten gegenüber Justizbeamten erläuterte Stickelberger ein 2012 eingeführtes Sicherheitskonzept. Dies sei "pyramidal" aufgebaut, also mit vorgegebenen Standards "von oben" und individuellen Anpassung an der Basis, zum Beispiel einzelnen Gerichten. Innerhalb der Gebäude werde höchste Sicherheit für die in der Justiz Beschäftigen zu gewährleistet, weshalb beispielsweise vermehrt mit Schleusensystemen an den Eingängen gearbeitet werde. Es sei jedoch auch klar, dass nicht alles vermieden werden könne, insbesondere dann nicht, wenn es sich vor den Gebäuden ereignet.

Zur Veröffentlichung der Evaluation zur Arbeit der "Neustart gGmbH", an die unter anderem die gesetzlichen Aufgaben der Bewährungs- und Gerichtshilfen vergeben sind, äußerte sich Stickelberger wie folgt: "Die Daten liegen vor und werden ausgewertet. Dem Landtag wurde eine Darlegung bis zum 30. März versprochen. Bis dahin werden die Daten dann auch veröffentlicht sein."

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Kommentare (102)
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  • unbekannt
    (1170 Beiträge)

    27.01.2014 10:28 Uhr
    Kastration!
    Vielleicht wäre es für alle Besser "Das Gerät" Abzuschneiden. Die Kinder sind wieder sicher. Der Angklagte hat keinen druck mehr es entstehen keine weiteren Kosten und er wird auch damit nicht mehr Strafällig. grinsen
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  • unbekannt
    (1536 Beiträge)

    27.01.2014 10:45 Uhr
    So
    etwa?

    http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Bartsch
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  • unbekannt
    (1536 Beiträge)

    27.01.2014 10:46 Uhr
    Menno,
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Bartsch
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  •   Smartraver
    (7568 Beiträge)

    26.01.2014 22:02 Uhr
    Off Topic
    Wo ist denn der Artikel über die möglichen unsicheren Stadtteile hin?
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  • unbekannt
    (599 Beiträge)

    26.01.2014 19:48 Uhr
    "Täter haben oft besonders schwere Schicksale"
    Den Opfern hilft kaum jemand! Für jeden noch so abartigen wird es immer diese Ausrede geben!!
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  •   Icy
    (118 Beiträge)

    26.01.2014 20:52 Uhr
    Zugegeben
    das ist in dem Artikel mehr am Rande erwähnt, aber genau das macht BIOS - Opfern sofort und unbürokratisch helfen!

    Bei einem Fachvortrag eines Obstfachmannes über Äpfel darf man schließlich auch nicht erwarten dass der Referent auch ausgiebig auf das Thema Birnen eingeht.
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  • unbekannt
    (507 Beiträge)

    26.01.2014 15:28 Uhr
    Grausam ,unmenschlich
    und ungerecht ist das bewusste/gewollte Töten eines unschuldigen Menschen durch Killer /Massenmörder/Terroristen usw..Im übrigen hält in den USA die Todesstrafe das Präkariat an der Kandare. Wieso SOLLTE das Leben des Täters höher eingeschätzt werden als das des Opfers?
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  • unbekannt
    (507 Beiträge)

    26.01.2014 15:29 Uhr
    Sorry,
    sollte unter Axel
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  •   ordnungshueter
    (175 Beiträge)

    26.01.2014 10:38 Uhr
    @hetfield
    Zitat von hetfield Messer durch de Hals und gut ist.

    wuerden sie das noetigenfalls auch selber bei sich im vorgarten machen?
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    26.01.2014 14:40 Uhr
    Isch
    'abe gar keine Vorgarten. Aber ja, warum nicht?
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