Jürgen Wenzel: Neuer Stadtrat

Zur Politik gekommen ist Jürgen Wenzel "durch die schlechte Wahlwerbung der ödp". Am Dienstag, 28. Juli, wird er als Stadtrat der Freien Wähler in den Gemeinderat einziehen. Wenzel ist der Ansicht, dass Politik "vor der Haustüre" gemacht werden muss, dies widerspricht seiner Ansicht nach dem Parteienwesen, denn "Parteien diktieren von oben".

Während seiner Zeit bei der Ökologisch-demokratischen Partei (ödp) - Wenzel war sogar kurze Zeit Kreisvorsitzender - merkte er, "dass Parteien nicht mein Ding sind". Daraufhin gründete er 1999 den Aktionskreis Mehr Demokratie in Karlsruhe und verabschiedete sich aus dem Parteiensystem. Dennoch beschreibt er das ödp-Parteiprogramm auch heute noch als "damals sehr vorbildlich".

Wenzel erklärt, wie es dazu kam, dass die damaligen "Bürger für Karlsruhe" (BüKa) dennoch gemeinsam mit seiner alten Partei für die Kommunalwahl 2004 kandidierten: Enttäuscht vom Bürgerbeteiligungsverfahren zur U-Strab entschlossen sich Aktive des Bürgerbegehrens, eine Liste für die Wahl aufzustellen. "20 Leute sitzen zusammen und haben keine Ahnung", beschreibt Wenzel die damalige Situation. Daher holten sie die ödp ins Boot.

Mit Erfolg: Nach der Wahl konnten ödp und BüKa einen Sitz für sich verbuchen. Doch das Glück war nicht von Dauer: "Als Dr. Seckel aus gesundheitlichen Gründen ausschied, rückte Michael Kunz nach." Kunz aber habe "entgegen aller Abmachungen dann für den Masterplan 2015 gestimmt". Um dem Vorwurf, Wahlbetrug begangen zu haben, zuvorzukommen, entzogen die BüKa-Mitglieder ihm das Vertrauen; Kunz wechselte zur ödp, später zur Karlsruher Liste (KAL). "Als Einzelkandidat hatte er keine andere Wahl", kommentiert Wenzel, der aber auch offen zugibt: "Wir wollen ehrliche Politik machen, aber dieser Schritt war schmerzlich" - schließlich verlor die BüKa ihren Sitz.

Mit Blick auf den zurückliegenden Wahlkampf erinnert sich Wenzel: "Die Leute haben uns diesen Schritt positiv angerechnet." Zur Wahl 2009 trat die Liste um Spitzenkandidat Jürgen Wenzel unter dem Nahmen Freie Wähler/Bürger für Karlsruher (FW/BüKa) an. Sie konnten 5,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen und stellen somit künftig zwei Stadträte - wovon einer Wenzel ist.

Ende Juni wagte die politische Gruppe einen Neuanfang: Fortan wollen sie nur noch als "Freie Wähler" auftreten und die "BüKa" hinter sich lassen. Wenzel, der in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt wurde, nennt dies "einen symbolischen Neuanfang", denn "an der BüKa hängt zu viel Vergangenheit". Die Freien Wähler wollen mit dem Ruf abschließen "immer gegen alles zu sein". Dieser Eindruck sei falsch, bekräftigt Wenzel.

Um diesen Eindruck zu widerlegen führt Wenzel ein Beispiel an: "Wir sind nicht gegen den Tunnel, sondern für den Erhalt unserer schönen Stadt." Auch am Beispiel "Stadion" verdeutlicht der Vorsitzende seine Politik: Viele Fragen seien noch offen und er hätte gerne die Bürger befragt, "wenn alle Fakten da sind". In diesem Zusammenhang erklärt Wenzel, dass er "das auch in Karlsruhe vermisst: Es wird nicht offen geredet, sondern gemunkelt". Transparenz aber sei "eine ganz wichtige Sache".

Das Volk als Souverän werde zu wenig befragt, außerdem sollten Parteien helfen, die "Wünsche der Bürger umzusetzen", so Wenzel. Sie - die Freien Wähler - "wollen nun aktiv mitgestalten". Er stellt sich den Weg so vor: "Die Bürger wenden sich an uns, und wir tragen ihre Anliegen in den Gemeinderat" - quasi Stadträte als Dienstleister. Denn: "An wen können sich die Leute sonst noch wenden?"

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.

männlich, lebensfroh und kreativ

Was ist Ihre größte Stärke?
Geduld

Was ist Ihre größte Schwäche?
zuviel Geduld

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich wollte immer Comiczeichner werden. Doch musste ich feststellen, dass man davon allein leider keine Familie ernähren kann

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Für mein bereits fertig gestelltes Kinderbuch einen Verlag finden

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
mein Dialekt

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
auf meinen Kugelschreiben, weil mir ständig neue Ideen durch den Kopf gehen die ich sofort auf Papier bringen muss

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
nein, nein ich würde niemanden auf den Mond schießen. Alle jene die es verdient hätten sollen lieber hier bleiben und sich vor Ort das Desaster ansehen für das sie verantwortlich sind

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Meine Frau – denn ist es fast unglaublich, dass es jemanden gibt der es bereits über ein Vierteljahrhundert mit mir aushält

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Ich bin leidenschaftlicher Kinogänger und stehe auf Klassik. Mars – Der Kriegsbringer von Gustav Holst das Titelthema von "Star Wars" hat es mir angetan und in der jüngeren Vergangenheit die Comicverfilmung "Watchmen"

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
ich bin Vielleser – drei Bücher sind bei mir derzeit aktuell: R. Scott Reiss "Black Monday", Dalai Lame "Das Herz aller Religionen ist eins" und den derzeitigen Entwurf "über eine Verfassung für Europa"

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Hauskatze – schlafen, fressen, schlafen, putzen und eine Familie als ständiges Personal zur Erfüllung aller Wünsche.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
mit meiner Frau damit ich endlich verstehe wie sie es mit mir aushält

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
ich bin beruflich viel unterwegs und kenne daher die meisten Metropolen Europas. Hierzu bildet Karlsruhe genau den richtigen Kontrast. Karlsruhe ist überschaubar. Ein Blick vom Turmberg zum Rhein genügt und unsere Stadt offenbart sich in seiner „fast“ unverbrauchten Schönheit, eingebettet im Grünen. Die Stadt strahlt eine Gemütlichkeit aus und die Menschen sind herzlich. Möge Karlsruhe seinen Charme niemals verlieren.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
ich würde sofort aufhören aus Karlsruhe mit Gewalt eine Metropole zu machen. Daher würde sofort den irrsinnigen Plan der Kaiserstraßenuntertunnelung stoppen. Für mich ist die U-Strab der größtmögliche Finanzielle und Verkehrspolitische GAU den ich mir vorstellen kann. Die Gelder die wir da ausgeben benötigen wir dringend woanders. Statt unserer Stadt zum Geburtstag eine gigantische Baustelle zu schenken würde ich dafür die Kriegsstraße komplett, vom Schlachthofareal bis zum Weinbrennerplatz umbauen und die trennende Wirkung aufheben. So dass die Südstadt und die Südweststadt näher an die Innenstadt rücken und wir Karlsruher zusätzliches Grün ins Herzen unserer City bekommen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
neben den Stadtgründer eindeutig Weinbrenner und Tulla. Karlsruhe wäre nicht das was es ist hätte es diese drei nicht geben.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
ich kann mir gar nicht vorstellen länger als ein paar Monate fort von Deutschland zu sein. Ich bin ein Kind dieser Stadt. Ich glaube nichts könnte mich derzeit abhalten hier zu leben.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Dem Volk, denn alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Leider redet man den Menschen unseres Landes immer wieder das Gegenteil ein. Mehr direkte Mitbestimmung würde ich mir wünschen so wie es die Schweiz praktiziert.

Wie und wo möchten Sie sterben?
diese Entscheidung überlasse ich höheren Mächten

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
ich hoffe das es noch eine Weile dauert bis darüber entschieden werden muss. Doch wie ich mich kenne werde ich wohl wiedergeboren und muss aus meinen Fehlern lernen

(ram)

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