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Karlsruhe Jagd auf Plagiate: Kein Generalverdacht am KIT

Erst CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, dann Silvana Koch-Mehrin von der FDP: Plagiatsjäger machen im Internet nach wie vor Jagd auf unechte Doktorarbeiten. Eine Karlsruher Hochschulgruppe fordert jetzt die elektronische Abgabe aller Dissertationen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Betrüger sollen so besser enttarnt werden. Das KIT hält das nicht für notwendig. Studenten würden so unter Generalverdacht gestellt.

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten Karlsruhe (RCDS) fordert in einer Pressemitteilung die Universitäten in Deutschland auf, Verdachtsfällen auf bewusste Täuschungen und Plagiaten konsequent nachzugehen. Die Hochschulgruppe verlangt schärfere Kontrollen bei neu verfassten Doktorarbeiten.

Für Doktorarbeiten am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fordert der RCDS die elektronische Abgabe der Schrift und der zu Grunde liegenden Daten um eine Überprüfung zu erleichtern. "Es muss gelingen, das hohe Ansehen des Doktortitels zu erhalten und zu stärken", so Bernhard Gürich, Vorsitzender des RCDS.

Kein Generalverdacht gegen Studenten

Der Beauftragte für Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis am KIT, Professor Heinz Kalt, erteilt einer massenhaften Überprüfung aller Doktorarbeiten eine Absage. "Das würde bedeuten, dass wir unsere Studenten unter Generalverdacht stellen", so Kalt gegenüber ka-news. Die Universität gehe in erster Linie davon aus, dass ein Student nicht plagiere und pfusche.

Zudem lägen die meisten Dissertation bereits in elektronischer Form vor. Das sei am KIT aber keine Pflicht. Die Promotionsordung verlange lediglich die Veröffentlichung der Arbeit. Mindestens ein Exemplar müsse daher für die Öffentlichkeit in der Bibliothek zugänglich sein. Ob elektronisch oder nicht, dass könne jeder Professor halten wie er wolle, erklärt Kalt.

Kaum Betrug am KIT

Auch müsse unterschieden werden, ob es sich um eine Doktorarbeit oder eine Hausarbeit handle, betont der Professor. So könne es zwar sein, dass in den ersten Semestern Studenten hier und da abschreiben würden. In den höheren Semestern würden die Kontrollmechanismen aber höher. Obwohl das Abschreiben durch das Internet einfacher geworden sei, weiß Kalt nur von einer handvoll Betrugsversuche am KIT in den vergangenen Jahren.

Kalt sieht die Gefahr einer Täuschung vor allem bei den Geistes- und Sozialwissenschaften. Eben überall dort, wo Literatur-Studien betrieben und viele Autoren zitiert würden. Da am KIT hauptsächlich naturwissenschaftliche Studiengänge angeboten werden und der zentrale Teil dieser Arbeiten auf eigenständige Versuche und Laborarbeiten basiere, sei es so gut wie aussichtslos mit einem Plagiat am KIT den Doktortitel zu erreichen. "Ich halte ein Plagiat bei einer Promotion am KIT fast nicht für möglich", so Kalt.

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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    05.07.2011 17:58 Uhr
    Wenn
    stimmt, was der Herr vom KIT sagt, nämlich dass er Plagiate am KIT für beinahe ausgeschlossen hält...was spricht dann dagegen die gefordert die Promovierenden zu verpflichten ihre Arbeit elektronisch einzureichen? Bei (natur-) wissenschaftlichten Untersuchungen dazu noch die gesammelten, untersuchten Daten, auf denen die Analyse basiert. So würde mehr transparenz geschaffen, und die Ergebnisse können auch von anderen Wissenschaftlern leichter nachvollzogen werden. Was hat das mit Generalverdacht zu tun? Einfach zu sagen, dass es Plagiate bei uns nicht gibt, aber wir das auch nicht wirklich Überprüfen wollen, ist doch naiv...
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  • unbekannt
    (1673 Beiträge)

    13.06.2011 19:00 Uhr
    "autoren"
    für mich weiterhin das problem. diejenigen, die sich mit unlauteren mitteln einen akademischen grad erschleichen wird es immer geben aber sie fallen zu 90% aus charakterlichen gründen in eine kategorie - blender. dass diese nun eben auffliegen (promi oder nicht) liegt eben am technischen fortschritt.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    13.06.2011 22:39 Uhr
    Und es
    liegt ebenfalls am technischen Fortschritt, dass die Versuchung zu betrügen heutzutage grösser sein könnte als früher. Man kommt ja viel leichter an alles ran. Das soll aber natürlich keine Entschuldigung sein.
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  •   andip
    (9299 Beiträge)

    14.06.2011 12:05 Uhr
    Stimmt
    Früher musste man sich in die Bibliothek setzen und sich die Bücher,aus denen man abschreiben wollte,erst zusammen suchen und dann auch noch lesen um eine passende Stelle zu finden.
    Da war es wirklich einfacher,sich selber was auszudenken. zwinkern
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  • unbekannt
    (89 Beiträge)

    13.06.2011 12:13 Uhr
    Ist übrigens kein Titel ...
    ... sondern ein Grad. Nur zur Vollstängkeit.
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  • unbekannt
    (89 Beiträge)

    13.06.2011 12:01 Uhr
    So ein Käse von Leuten ohne Ahnung
    Seit mehrer Jahren nun ändert sich das Promotionsgebahren dahin, dass Authoren als Kern ihrer Dissertation bereits vorveröffentlichte Papiere beschreiben. Früher wurde nur die Dissertation als Veröffentlichung betrachtet (d.h., nach früherer Auffassung ist eine Dissertation nicht wissenschaffend, wenn darin bereits veröffentlichte in Papieren veröffentlichte Idee enthalten sind.
    Man hat aber erkannt, dass der neue (und im Angelsächsischen längst etablierte) Mechanismus nur Vorteile erbringt. So werden die Papier in einem (doppelten) Blindverfahren kontrolliert (der Author wird nicht genannte und die (d.h., mehrer) Prüfer auch nicht). Ergbenisse können daher veröffentlich werden, sobald sie verfügbar sind und die Qualität ist besser gesichert (natürlich in Abhängigkeit davon, wo (d.h., bei welcher Konferenz) das Papier eingereicht wird).
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    14.06.2011 11:06 Uhr
    double blind?
    Das ist nun längst nicht die Regel. Aber einfach-blind in der Tat, ja.
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  • unbekannt
    (4000 Beiträge)

    13.06.2011 12:13 Uhr
    Manchmal sieht man sofort,
    dass ein Text kein Plagiat sein kann! zwinkern
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  • unbekannt
    (89 Beiträge)

    13.06.2011 12:22 Uhr
    Verlustbehaftete Kompression
    f(Deutsche Sprache)
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  • unbekannt
    (1673 Beiträge)

    13.06.2011 10:30 Uhr
    ich weiss nicht ...
    wie es in deutschland abgeht ... im angelsächsischen raum unterschreibt man bei der dissertation eine erklärung, darin bestätigt der autor, dass die arbeit sein werk ist und nicht schon vorher für einen anederen akdemischen grad genutzt wurde und dass die arbeit anederer korrekt zitiert wird. unterschreibt man das wider besseren wissens hat man gewaltiges problem wenn es rauskommt. somit liegt das problem beim autor ... man kann nicht alle anwärter unter generalverdacht stellen, die mehrheit hält sich an die regeln. das problem in deutschland ist fast schon so schlimm wie in österreich, wo mit titlen und akademischen graden gleich gesselschaftliche anerkennung einher geht. mit dem akademischen grad soll ja etwas erreicht werden den popanz den anedere daraus machen ist ne andere sache.
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