84  

Karlsruhe Jäger in Karlsruhe: "Tiere töten macht nur 10 Prozent unseres Berufs aus"

Beim Jagen von Wildschweinen kam es Ende August zu einem tödlichen Jagdunfall im Main-Tauber-Kreis. Ein 74 Jahre alter Mann hatte seinen 44-jährigen Jagdpartner erschossen. Wie es genau zu dem tragischen Unfall kommen konnte, ist noch unklar. Die Jagd wurde angesetzt, weil es dort zu viele Wildschweine gab. Auch in Karlsruhe werden die Klagen über die Verwüstungen von Schwarzkitteln lauter - doch wer darf wann die Vierbeiner aufs Korn nehmen? Und welche Sicherheitsvorkehrungen müssen dabei beachtet werden?

Nach tödlichen Unfällen beginnt die Suche nach dem Warum -  bei Jagdunfällen wie jüngst im Main-Tauber-Kreis  endet diese Frage oftmals in der Sinnhaftigkeit der Tätigkeit an sich. Während die einen mit den Wildschäden wie umgepflügten Sportplätzen zu kämpfen haben, ist das Abschießen von Wild vielen Tierschützern ein Dorn im Auge. Tiere töten als blutiges Hobby - ein Vorurteil mit dem sich viele Jäger auseinandersetzen müssen.

"Es gibt keine Hobbyjäger"

Dabei lässt sich Jagd nicht nur auf das Totschießen reduzieren. "Das sind keine zehn Prozent unserer Tätigkeit", so Hauck. Auch dem Begriff "Hobbyjäger" stehe man in Jagdkreisen ablehnend gegenüber. "Es gibt heutzutage kaum noch Berufsjäger, das ist eine verschwindende Anzahl. Ich wüsste beispielsweise nicht, dass wir im Landkreis einen haben."

Berufsjäger werden noch im Alpenraum oder zur Unterhaltung von Jagdflächen eingesetzt, die die Besitzer selbst nur selten pflegen können oder wollen. Vielfach werde der Beruf des Försters mit einem Jäger gleichgesetzt. "Es gibt aber auch Förster, die nicht jagen", erklärt Hauck.

Für den Fuchs auf dem Spielplatz ist die Stadt zuständig

Zur Jagd verpachtet werden nur Flächen außerhalb der Stadt. Bei sogenannten befriedeten Flächen ist die Ortspolizeibehörde zuständig, im Falle der Stadt Karlsruhe das Ordnungsamt. Sieht dieses die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch Wildtiere gefährdet, beauftragt sie einen Jäger.

Salopp gesagt: Geht es darum einen Fuchs auf dem Spielplatz tot zuschießen, ist die Stadt zuständig. In erster Linie ist jedoch ein Besitzer selbst für sein Grundstück verantwortlich. "Wenn ich nicht möchte, dass ein Wildschwein meinen Garten umgräbt, muss ich einen entsprechenden Schutz, beispielsweise einen Zaun anbringen", so Jäger Hauck.

Im Wald - sprich im unbefriedeten Gelände - sieht die Sache schon wieder anders aus. Hier bestimmt der Jagdleiter, in der Regel der Jagdpächter, wann gejagt wird und vor allem wer jagen darf. Treffen sich die Jäger zu Gesellschaftsjagden wie es beim tödlichen Jagdunfall der Fall war, ist der Jagdleiter für die richtige Einweisung über die Besonderheiten des Jagdreviers verantwortlich: Wo verlaufen Wege, wo sind die Hochsitze, wie wird die Jagd ablaufen. Bei Versäumnissen, die zu einem Unfall führen, trägt er eine Mitschuld. Ansonsten gilt: Jeder ist für seinen Schuss selbst verantwortlich.

Eine Jagd muss gut organisiert sein

"Sicherheit bei der Jagd ist das oberste Gebot", so lautet die Vorgabe vom Landesjagdverbands Baden-Württemberg. Dazu gehören des Weiteren Sicherheitsvorkehrungen wie Warnwesten. Zudem muss jedem Jagdbeteiligten klar sein: Waldbesucher können jederzeit auftauchen. Mit der Aufstellung von Schildern, die auf eine gerade stattfindende Jagd hinweisen, ist es nicht getan - denn "viele Spaziergänger ignorieren diese Warnschilder einfach", weiß Kreisjägermeister Thomas Hauck.

Der Vorstand der Jägervereinigung Karlsruhe organisiert selbst Jagden: "Jeder Jagdbeteiligte ist mit einer orangefarbenen Weste gekennzeichnet - sowohl Treiber als auch Jäger." Darüber hinaus gibt es vorgegebene Schussfelder und Positionen der Teilnehmer. Reduziert wird das Restrisiko durch das Nutzen von Hochsitzen: Dann ist ein sicherer Kugelfang gegeben - wie es im Jägerjargon heißt. Bedeutet: Wird das Ziel verfehlt, trifft die Kugel den Boden.

Geschosse fliegen bis zu drei Kilometer weit

Und die Geschosse sind nicht zu unterschätzen: "Bei einem ungünstigen Winkel, kann das Geschoss zwei bis drei Kilometer weit fliegen", so Hauck, "stehen die Leute erhöht, schießen sie automatisch in den Boden." Im Jahr gibt es laut Haucks Einschätzung maximal zwei Unfälle dieser Art im Jahr. "Jeder Unfall ist einer zu viel. Es darf nichts passieren." Dennoch stünde man im Vergleich zu anderen Freizeitaktivitäten gut da.

"Das Risiko ist im Vergleich zu anderen Betätigungen wie Autofahren, Bergsteigen oder sogar Hausputz um ein Vielfaches geringer", bestätigt auch der Landesjagdverband. "Toi, toi, toi - in Verbindung mit Schusswaffen sind Unfälle äußerst selten", sagt Jäger Hauck. Häufiger seien leichte Verletzungen wie verknackste Knöchel.

Mehr zum Thema

Sauerei in der Stadt: Hat Karlsruhe eine Wildschweinplage?

Besuch von Mister Wildschwein: Wildtier-Plage in Karlsruhe nimmt zu

Ratten, Marder, Füchse: GfK fragt nach Wildtieren in der Karlsruher City

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (84)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   fritzi
    (933 Beiträge)

    03.09.2014 22:13 Uhr
    und ka-news verdient an jedem klick und post ...
    wegen ein paar Schwarzkittel die sowieso zu viel sind für unsere knappe Landschaft ... unfassbar
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   aufigehts
    (66 Beiträge)

    03.09.2014 09:41 Uhr
    Du meine Güte...
    erst kommt die PETA-Wurst aus der Pelle und lässt ihren geistigen Dünnschiss hier ab und dann werden alle Jäger zu Terminatoren deklariert.
    Und Marlon: Welcher Kleinigkeit bedarf es denn, dass eine legale zu einer illegalen Waffe wird? Eventuell sollten Sie Ihr Augenmerk mal auf die geschätzten 15 - 20 Mio illegalen Schusswaffen legen die in Deutschland unterwegs sind. Da fallen dann die paar Jäger und Sportschützen auch nicht mehr ins Gewicht...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dramutie
    (1531 Beiträge)

    03.09.2014 13:41 Uhr
    hasta la vista, baby - sau tot
    *rofl*
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (2354 Beiträge)

    03.09.2014 11:39 Uhr
    Viele Möglichkeiten
    Wenn der Opa stirbt, dem die Waffe gehört, wenn die Waffe aus versehen im Sperrmüll landet, wenn ein Einbrecher sie mitnimmt, wenn die Waffengesetze verschärft werden, wenn man sie irgendwo vergisst oder verliert, wenn man sie unter der Hand weiterverkauft.

    Du glaubst nicht, wie viele Dinge verloren, vergessen oder geklaut werden.

    Jede illegale Waffe war irgendwann eine legale.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   aufigehts
    (66 Beiträge)

    03.09.2014 13:43 Uhr
    So einfach ist es nun eben nicht...
    ...wenn der Opa stirbt, dann weiß das Ordnungsamt das und überprüft den Erben. Klar, im Sperrmüll. Wirft ja auch jeder mal eben seine legal erworbene Waffe weg. Gibt nur mächtig Ärger seitens der Behörden zwinkern..Weiterverkaufen geht aber auch da muss das Amt in Kenntnis gesetzt werden, also nicht unter der Hand. Ich empfehle mal die Lektüre des deutschen Waffengesetzes...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (793 Beiträge)

    03.09.2014 20:50 Uhr
    das mit
    dem ordnungsamt kann dauern, bei uns lag die automatic jahrelang in ihrem lappen bis die das geblickt haben. und als mein opa 1998 gestorben ist war seine wbk auch schon 25 jahre abgelaufen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    02.09.2014 23:10 Uhr
    Justin,
    der Klon von Marlon. Sieht man ja wohl schon am Nick.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    02.09.2014 23:28 Uhr
    Und in
    Selbstgespräche mit MH_2109.

    Sind hier eigentlich nur noch Schizos unterwegs?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dramutie
    (1531 Beiträge)

    03.09.2014 13:39 Uhr
    so gesehen waren die 5 euronen eintrittsgeld
    ins ka-news-forum damals durchaus eine sinnvolle maßnahme. das hat die spacken ein wenig ausgebremst - und es gab eine nachvollziehbare kontoverbindung für unsere freunde und helfer in den bunten autos.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Justin
    (30 Beiträge)

    02.09.2014 20:13 Uhr
    Aber Vorsicht
    keine Gruppe von Menschen kann so leicht Ehefrauen oder Jagdkollegen erschießen und hoffen, dass es als Unfall durchgeht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 (9 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.