Karlsruhe Interview zur Diamorphin-Abgabe: "Wird der Staat jetzt zum Dealer?"

Heute könnte ein wichtiger Tag für Karlsruhe sein: Um 17.20 Uhr wird im Bundestag namentlich über einen Gesetzentwurf zur kontrollierten Diamorphin-Abgabe an Schwerstabhängige abgestimmt. Findet der Antrag eine Mehrheit, müssen Krankenkassen für die Kosten der Therapie aufkommen. ka-news hat mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Patrick Meinhardt über die Diamorphin-Behandlung gesprochen.

ka-news: Herr Meinhardt zum Stichwort „Heroin auf Krankenschein“ - wird der Staat jetzt zum Dealer?
Meinhardt: Das mit Sicherheit nicht. Der Gesetzentwurf sieht einen sehr engen Rahmen vor, was die therapeutische Begleitung, die Vorgeschichte und die psychosoziale Betreuung angeht. Es geht darum, Menschen zur Seite zu stehen, die nur durch die Diamorphin-Abgabe per Krankenschein wieder zurück ins Leben kommen können.

ka-news: Viele, vor allem konservative Politiker, haben offenkundig mit der Diamorphin-Abgabe ein Problem. Verstehen Sie diese ablehnende Haltung?
Meinhardt: Nein, wirklich nicht, die Studienergebnisse sind so eindeutig, da kann man nichts hinein interpretieren. Seit Jahren wird in einigen Großstädten der Modellversuch durchgeführt und dort ist die Beschaffungskriminalität gesunken.

ka-news: Was für eine Ideologie verbirgt sich Ihrer Meinung nach hinter dieser Ablehnung?
Meinhardt: Ich bin mir sicher, dass es bei dem einen oder anderen die Frage ist, wofür die Krankenkassen aufkommen müssen oder ob das nicht die Steuerzahler machen müssen.

ka-news: Im Karlsruher Gemeinderat herrscht fraktionsübergreifend Einigkeit was die Fortführung des Projektes betrifft. Warum klappt das im Bund nicht?
Meinhardt: In allen Großstädten, in denen es das Projekt gibt, sind die konservativen Politiker dafür. Und ich hoffe sehr, dass es heute zum Schwur der Menschlichkeit kommt.

ka-news: Wie schätzen Sie die Chance ein, dass der Antrag heute Nachmittag eine Mehrheit findet?
Meinhardt: Heute würde ich, unter den jetzigen Voraussetzungen, sagen, dass bei einer offenen Abstimmung eine Mehrheit zu Stande kommt. Und ich hoffe, dass es zu keiner Blockade kommt. Doch es musste im Vorfeld sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, und das muss es auch jetzt noch.

ka-news: Herr Meinhardt, vielen Dank für das Gespräch.

(Interview: Ramona Deeg)

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