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Karlsruhe Integration in den Kinderschuhen: Zehn Jahre muslimischer Kindergarten

Unter "Spatzennest", "Waldfrösche" und "Grünschnäbel" fällt "Halima" aus dem Rahmen der typischen Kindergartennamen. Genauso ungewöhnlich ist die Institution dahinter. Der unabhängige muslimische Kindergarten in der Karlsruher Südstadt wurde vor zehn Jahren von einer Elterninitiative gegründet. Das Ziel: Gemeinschaft statt Grüppchenbildung.

Der "Halima-Kindergarten" ist der einzige Kindergarten in Karlsruhe, der von Muslimen gegründete wurde. Unter den 24 Kindern sind derzeit vier mit der deutschen Muttersprache. Der Rest stammt hauptsächlich aus türkischen Familien. Der Tag im Integrationskindergarten beginnt multikulti: Das Aufwärmlied im Morgenkreis gibt es in drei Ausführungen: "Wir klatschen in die Hände" wird auf deutsch, türkisch und arabisch gesungen.

Sprachförderung für Kinder

Grundsätzlich wird im Kindergarten nur deutsch gesprochen. Doch manche Kinder können am Anfang kein Wort. Nurhan Bingöl ist in der Ausbildung zur Erzieherin und absolviert ihr Anerkennungsjahr im "Halima Kindergarten". Die Muslima, die in Deutschland geboren wurde, gibt Sprachförderung für die Kinder. In zwei Gruppen, nach Alter und Können getrennt, werden spielerisch Wortschatzübungen gemacht, Grammatik und Satzstrukturen geübt. Zuschüsse von der Stadt gibt es hierfür keine, "obwohl wir es bitter nötig hätten", sagt eine Erzieherin.

"Wir raten den Eltern mit ihren Kindern zuhause in der Muttersprache zu reden. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das Lernen einer Zweitsprache wesentlich leichter fällt, wenn die Muttersprache beherrscht wird", sagt Nurhan Bingöl. Außerdem sei das Deutsch der Eltern manchmal fehlerhaft, dann sei es besser die Kinder lernten es korrekt im Kindergarten.

Parallelgesellschaft in der Puppenecke

Sandra Degenhart ist im Vorstand der Elterninitiative des unabhängigen muslimischen Kindergartens, den ihre beiden Töchter besuchen. "Anfangs war es eine Notlösung, aber dann sind wir bewusst hier geblieben", erzählt sie. Religion spiele für sie eine wichtige Rolle, für ihren Mann, einen katholischen Theologen, ebenfalls. "Hier wird auf Werte geachtet und es herrscht ein Gemeinschaftssinn", sagt Degenhart. In städtischen Kindergärten sei es oft so, dass ausländische Kinder in Grüppchen zusammen blieben, nicht integriert würden - die Ausländer eben. Die Parallelgesellschaft in der Puppenecke - das soll im Halima-Kindergarten verhindert werden.

"Andere Leute sind manchmal irritiert, wenn sie von dem muslimischen Kindergarten hören", erzählt Degenhart. "Besonders nach dem 11. September haben viele dicht gemacht." Dabei habe man nur Angst vor dem Fremden und Unbekannten, das würde sich ändern, sobald man die Menschen dahinter kennenlerne. "Die meisten Muslime hier wollen nur ihre Religion leben, sie planen doch keine Terroranschläge!"

Mutter-Kind-Frühstück statt Elternabend

Der Elternabend wurde aufgrund mangelnder Präsenz bald abgeschafft. Dafür gibt es jetzt einmal monatlich das Mutter-Kind-Frühstück, bei dem so gut wie alle Mütter auftauchen. Mesut Palanci, der ebenfalls im Vorsitz des Kindergartens aktiv ist, hat dafür eine Erklärung: "Der Kindergarten ist oft Sache der Mütter und viele gehen abends nicht mehr aus dem Haus." Er wurde zwar in der Türkei geboren, bezeichnet sich aber als "alten Durlacher". Mit zwei Jahren kam er nach Deutschland und war dabei, als der Halima Kindergarten noch in den Kinderschuhen steckte.

Bei der Idee eines muslimischen Kindergartens reagierten Stadtverwaltung und Stadtjugendausschuss vor zehn Jahren misstrauisch. "Man wollte schon ganz genau wissen, was wir da vorhatten", erzählt Palanci. Es habe Fragen gegeben, wie: "Schlagen sie da die Kinder?", "Werden die gezwungen, Kopftücher zu tragen?" Harald Denecken, der damalige Sozialbürgermeister, weihte den muslimischen Kindergarten als seine erste Amtshandlung ein.

"Dass wir, wenn wir Erwachsen sind, noch immer Freunde sind"

"Wir lehren den Kindern doch nicht die Scharia hier", sagt Degenhart. Die islamische Religion werde spielerisch erklärt, mit Geschichten, Liedern und Aktionen. Ebenso würden den Kindern die christlichen Bräuche näher gebracht, zum Beispiel Ostern und die Adventszeit. "Das soll gegenseitigen Respekt und Toleranz füreinander schaffen", sagt Degenhart. "Das ist das Schöne an Kindern, die sind noch ganz offen und unvoreingenommen."

Anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums stellt sich der muslimische Kindergarten am Samstag, 17. Oktober, vor. Im Festsaal des Studentenhauses, Adenauerring 7, wird ab 14 Uhr getanzt und gesungen. Infostände und Plakate werden über den muslimischen Kindergarten informieren. Alles unter dem Motto: "Dass wir, wenn wir Erwachsen sind, noch immer Freunde sind."

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Kommentare (49)
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  • unbekannt
    (947 Beiträge)

    18.10.2009 11:26 Uhr
    @Tirana
    ... nervt nur!
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  • unbekannt
    (220 Beiträge)

    17.10.2009 23:12 Uhr
    @daisy
    daisy würde einen Tippfehler wohl nichtmal als solchen erkennen, wenn er riesiges Schild mit der Aufschrift "Achtung Tippfehler" trüge.

    about_schmidt hat schon recht, daisys Bildung läßt wirklich zu wünschen übrig.
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  • unbekannt
    (947 Beiträge)

    17.10.2009 19:41 Uhr
    about_schmidt
    sagt doch tatsächlich:
    //...gepaart mit meiner Bildung, bei der die PISA-Forscher Deutschland den Bildungs-Bankrott erklären müssten, würden Sie dich mal testen. //
    Gott bewahre! Ich und Ihre Bildung! Das wäre schlichtweg diskriminierend!
    Aber wenigsten sehen Sie selbst ein, daß die Pisa-Forscher -sollte Ihre Bildung der Maßstab sein- den Bildungsbankrott erklären müssten.
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  •   dibecker
    (569 Beiträge)

    17.10.2009 19:40 Uhr
    Ist doch nett,
    wenn sich alles vermischt , man nichts mehr differenzieren kann und alles gut wird.
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  • unbekannt
    (1981 Beiträge)

    17.10.2009 19:25 Uhr
    daisy
    du bist offenbar wirklich ein Fall für den Psychiater. tiefe Verfolgungs- und Fremdenangst gepaart mit meiner Bildung, bei der die PISA-Forscher Deutschland den Bildungs-Bankrott erklären müssten, würden Sie dich mal testen.

    Und du bist auch noch gläubig... vermutlich glaubst du nur an die Hölle für dich, zu Recht
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  • unbekannt
    (1981 Beiträge)

    17.10.2009 19:21 Uhr
    lesen
    und das auch zu verstehen ist nicht gerade deine Stärke, fistel.

    Rassen gibt es nicht, weil das ein biologische Kategorie ist, die beim Menschen nicht vorkommt.
    Rassismus ist dagegen ein sozial geprägter Begriff, der historisch bedingt verwendet wird. Das es beim Menschen keine Rassen gibt, wissen wir wissenschaftlich genau aus der Genetik seit mitte der 90er Jahre (http://www.spektrumverlag.de/artikel/822329)

    Dummköpfe hält das aber trotzdem nicht davon ungenaue und unkorrekte Bemerkungen loszulassen, die offenbar nur zum Hass gegen andere aufstacheln sollen. Und dann tust du auch noch so, als wenn du Ahnung hättest. Bei mir würde es nicht mal für ne 5- reichen, wenn ich dir Noten geben könnte, weil deine merkwürdigen Fantasien nun mal keine realen Fakten sind. scheinbar kannst du das aber nicht unterscheiden
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  • unbekannt
    (947 Beiträge)

    17.10.2009 19:17 Uhr
    @Felix
    und genau diese, die uns überfallen, verprügeln, ins Koma schlagen bzw. zu Tode treten, die unsere ganze Familie, angefangen bei der Mutter********wollen, unsere Mädchen Schlampen nennen, Polizisten als Hurensöhne betiteln.... genau diese Rassisten, haben bei uns in Deutschland nichts verloren.
    Ach so... hab' ich jetzt was verwechselt?
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  • unbekannt
    (466 Beiträge)

    17.10.2009 18:49 Uhr
    Hallo kasparhauser,
    sei froh das du in den usa bist. Europa ist in jeder hinsicht ein sinkendes Schiff. 2011 bin ich auch in Amerika. Dass Islamkritiker in D. als Rassisten bezeichnet werden finde ich eh lustig um nicht zu sagen grenzdebil,denn der Islam hat ja rein gar nichts mit einer Nationalität oder Ethnie zu tun, denn er ist eine politisch-religiöse Ideologie.Es zeigt eigentlich nur wie intellektuell schlicht die Personen gestrickt sind,die Islamkritikern "Rassismus" vorwerfen.Interessant daran ist dann aber natürlich, dass sie durch die pauschalen Verurteilungen von Islamkritikern den Islamisten und somit waschechten Faschisten helfen und sich deren kranke, rassistische und gewaltverherrlichende Ideologie zu eigen machen.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    17.10.2009 18:45 Uhr
    Wie kanns denn
    Rassisten geben wenns keine Rassen gibt? Bitte Zeichnung, aber sauber.
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  • unbekannt
    (291 Beiträge)

    17.10.2009 18:08 Uhr
    @kasparhauser
    Rassen gibt es beim Menschen nicht!

    Rassisten gibt es aber zu genüge, und sie machen anderen Menschen das leben schwer. Da ist es egal, ob jemand eine gute Ausbildung hat oder gar studiert hat, er wird diskriminiert, verprügelt, gejagt usw.
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