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Karlsruhe Integration im Klassenzimmer: Ethik-Unterricht für alle!

Kultusminister Andreas Storch will das Angebot von Islamischem Religionsunterricht in Baden-Württemberg ausbauen. Dadurch soll die Fanatisierung von muslimischen Jugendlichen verhindert werden, getreu dem Motto: Wissen beugt vor. Katholisch, Evangelisch, Islam ... - wäre es nicht viel eher endlich Zeit für einen glaubensunabhängigen Ethik-Unterricht für alle Schüler?

Gerne erinnert man sich an den Religionsunterricht in der Grundschule. Ausmalbilder, Gleichnis-Theater spielen, Weihnachtsdeko basteln. Kniffliger wurde es in der Mittelstufe: Statt einer Note für das am schönsten gestaltete Arbeitsheft, wurde nun bewertet, wie schnell man Bibelstellen finden konnte.

Integration fängt an, wo Differenzierung aufhört

In Abiturzeiten folgten schließlich Debatten über Abtreibung, die Gefahr von Rockmusik und Kirchensteuer - die restlichen 90 Prozent der Unterrichtszeit prägten Spielfilme, die im entferntesten etwas mit Theologie und Geschichte zu tun hatten. Natürlich - es liegt immer am Lehrer. Doch so ganz klar wurde mir der Sinn des Religionsunterrichts nie. Noch immer muss ich bei Trivial Pursuit in der jeweiligen Kategorie auf Ratespielchen umsteigen, wenn es um die Reihenfolge der vier Evangelien geht.

Das Fach Religion - für viele Schüler noch heute ein Sinnbild für "heimlich Hausaufgaben machen", "chillen" und "ein bisschen in der Bibel blättern." Ob konfessionslos, erzkatholisch - oder anderer religiöser Herkunft. Das unabhängige Alternativfach Ethik ist auch heute noch oft erst ab der Sekundarstufe und nicht an allen Schulen wählbar.

Dabei ist es angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung, angesichts zunehmender Migration und auch angesichts der anhaltenden Kirchenflucht, nicht Zeit, über eine grundsätzliche Reform des Unterrichtsangebots nachzudenken? Wäre es nicht sinnvoller, die Religionsfächer zu bündeln und Schüler gemeinsam und auf gleicher Ebene über Moral, Wertvorstellungen, kulturelle Traditionen und soziale Verantwortung aufzuklären? Sachliche Debatten beispielsweise über Jugendkulturen in der Mittelstufe, Diskussionen über philosophische Gesellschaftstheorien in der Oberstufe inklusive.

Das wäre ein wichtiger Schritt in Sachen Integration. Schließlich ist es ein wichtiges Ziel, Kinder - egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund - schon in der Schulzeit das Gefühl von Zusammengehörigkeit zu vermitteln. Die religiöse Splittung schon im Schulalltag ist kontraproduktiv und nicht zukunftsträchtig.

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  •   NiklasHorstmann
    (20 Beiträge)

    08.01.2015 14:44 Uhr
    Wo der Pfeffer wächst?
    "Die größten Anbauländer von Pfeffer sind Vietnam, Indonesien, Indien, Brasilien und Malaysia" (Quelle: Wikipedia). Allesamt kulturreiche Länder, die man mal besuchen sollte. Aber was sollen denn alle Deutschen muslimischen Glaubens dort?
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    08.01.2015 17:43 Uhr
    Herr Horstmann .... Satire ! Ich bin begeistert !!!!
    Das meine ich jetzt wirklich ernsthaft ... keine Partei-Floskeln wie ich das letzte Mal bei Ihnen moniert habe. Stattdessen feine bittersüße Satire. Gefällt mir !!!
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  •   NiklasHorstmann
    (20 Beiträge)

    08.01.2015 18:58 Uhr
    Ethikunterricht verpflichtend, Religionsunterricht freiwillig.
    Der Religionsunterricht ist durch Artikel 7 Absatz 3 Grundgesetz – übrigens als einziges Schulfach überhaupt – gesichert. Schülerinnen und Schüler, die an freiwilligem Religionsunterricht teilnehmen wollen, sollen dies also auch tun können. Und zwar für alle Konfessionen. Jedoch darf er aufgrund eines mangelnden Alternativangebots keine de-facto-Pflicht darstellen. Das Gegenteil ist richtig: Der Unterricht in Ethik und Philosophie kann Werte über die Grenzen einzelner Religionen hinweg darlegen und Kinder dazu ermutigen, sich mit ethischen Grundsätzen, Recht und Moral sowie Religionen vorurteilsfrei auseinanderzusetzen. Deshalb sollte er verpflichtend sein.
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    09.01.2015 07:42 Uhr
    Worte wie aus meinem Mund
    Herr Horstman, Herr Horstmann .... ich werde noch zu einem Fan von Ihnen. Das ist jetzt schon das zweite Mal innerhalb 24 Stunden, dass ich Sie in einem ganz anderen Licht zu sehen bekomme. Hey... ich bekomme mal wieder Hoffnung in die Politik. Wer hätt denn damit gerechnet?
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  •   NiklasHorstmann
    (20 Beiträge)

    08.01.2015 18:51 Uhr
    Danke.
    Lob und Kritik nehme ich beides an – danke. Im Übrigen finden Sie in mir einen eindeutigen Unterstützer für den verpflichtenden Ethikunterricht und einen freiwilligen Religionsunterricht. Heute gilt de facto das Gegenteil. Ich selber musste in NRW bis Klasse acht warten, um mich um Religionsunterricht abmelden zu können, da es vorher keinen Ethikunterricht (in NRW heißt das Schulfach Philosophie) gab.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (213 Beiträge)

    08.01.2015 15:21 Uhr
    Pfeffer
    Moscheen bauen
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  •   Bubble
    (231 Beiträge)

    08.01.2015 12:09 Uhr
    Dahin,
    Dahin, wo Sie sich heimisch fühlen und leben möchten und aber auch mit allen Rechten und Pflichten, die in diesem Land herrschen!
    Und bei uns gibt es kein Ehrenmord, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, es wird niemand Zwangsverheiratet oder Versprochen, es gilt die Meinungsfreiheit usw.
    Und wer meint, dass wir alle nur Nazis sind, soll sich bitte in seiner Heimat von seiner Diktatur weiter unterdrücken lassen!
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  •   ALFPFIN
    (7788 Beiträge)

    08.01.2015 09:49 Uhr
    Kann Islam-Unterricht vor Fanatismus schützen.
    Das hängt wohl auch von den Lehrern ab. Wie bei den christlichen Religionen ist es ja auch eine Auslegungssache, also fließt auch die persönliche Einstellung des Lehrers oder Pfarrers mit ein. Man sieht es ja in der aktuellen Situation, dass die verschiedenen Richtungen der islamischen "Bewegungen" ganz unterschiedliche Ansichten und Auslegungen des Korans vertreten.

    Ich selbst habe einen Religionsunterricht durch einen Pfarrer "genossen" (ev.), der gnadenlos den Katechismus ausgelegte,
    jeder Anflug von liberaler Einstellung war nicht zu erkennen. Wenn wir die Einstellung dieses Pfarrers in unser Leben mitgenommen hätten, hätten wir jeden Menschen, mit liberaler Einstellung zutiefst verachten müssen.

    Ich denke so kann es auch Kindern und jungen Menschen beim Islamunterricht gehen und wenn dann noch ein sehr konservatives Elternhaus dahintersteht, ist eine Verführung zum Radikalismus wohl nicht aufzuhalten.
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  •   Rechtsausleger
    (1434 Beiträge)

    08.01.2015 09:25 Uhr
    Religionsunterricht
    gehört aus der Schule verbannt. Statt dessen ein gut aufgebauter Ethikunterricht für alle als Pflichtfach.

    Religiösität ist nichts, was durch einen säkularen Staat gefördert werden darf. Wir sind gerade dabei, die Kirchen an die Leine zu legen (wogegen die sich natürlich zur Wehr setzen), da brauchen wir uns nicht noch den Islam aufzuhalsen.

    Völlig daneben, dass die SPD, die doch eine moderne Partei sein will, mit einem Islamunterricht so vorprescht. Sie will eben als "Partei der Migranten" das diesbezügliche Profil schärfen und tut unserer Gesellschaft damit alles andere als ein Gefallen.

    Wenn wirklich jemand Islamunterricht haben will, dann bitte privat und der Freizeit.

    Dieses Argument, dass in anderem Fall so viele extremistische Scharfmacher die Kinder indoktrinieren, mag richtig sein. Da muss man an anderer Stelle ansetzten, dort, wo die Wurzel dieses gesellschaftlichen Problemes sitzt. Nämlich bei den entsprechenden Moscheen und Gemeinden.
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  •   Hardy_spricht
    (751 Beiträge)

    08.01.2015 13:07 Uhr
    auch hier: voll auf die 12
    Ich stimme Dir zu 100% zu.
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