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Karlsruhe Initiative "Stoppt das Millionengrab": Bau der U-Bahn eine Katastrophe

Seit einiger Zeit ist die Untertunnelung der Kaiserstraße in aller Munde. Die Bürgerinitiative "Stoppt das Millionengrab" will dieses Vorhaben mit Hilfe einer Unterschriftensammlung verhindern. 20.000 Stimmen werden benötigt, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Verschiedene Vertreter der an der Bürgerinitiative beteiligten Gruppierungen, Vereine und Einzelpersonen legten der Öffentlichkeit einige Argumente dar.

"Der Bau dieser U-Bahn wäre eine finanzielle Katastrophe für Karlsruhe", waren sich alle Vertreter einig. Dieser Tage hatte Bürgermeisterin Margret Mergen vom "Flair der Zukunft" dank Kombilösung gesprochen. Diese Vision teilt Peter Theilacker, Stadtapotheker und Mitglied der Bürgerinitiative, nicht. Er befürchtet Umsatzeinbußen und Kundenverluste durch die U-Bahn: "Die Menschen fahren von A nach B, ohne spontane Einkäufe zu tätigen". Auch Annette Sych, Einzelhändlerin und Mitglied der Initiative, schließt sich dieser Ansicht an: "Karlsruhe tut sich damit nichts Gutes." Einzelhändler könnten diese Kundeneinbußen nicht kompensieren, sie wären gegenüber großen Handelsketten benachteiligt.

Explosion der Kosten

Geworben wurde 2002 mit einem städtischen Anteil an den Baukosten (heute 588 Millionen Euro) von 15 Prozent. Der wurde damals mit 79,5 Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen rechnet man mit 170 Millionen Euro Eigenanteil. Dieser Kostenzuwachs wird durch Erhöhung der Fahrpreise sowie der Strom-, Gas- und Wasserkosten auf den Steuerzahler übertragen werden. Rechtsanwalt Arno Stengel, ebenfalls engagiertes Mitglied der Initiative, geht sogar von noch höheren Kosten aus. Das habe man ja beim Bau des Wildparkstadions und der Karlsruher Messe bereits erlebt. 300 Millionen Euro hält er für realistisch - allerdings nur, wenn die U-Bahn bis 2019 fertig wird. Alles, was bis dahin noch nicht fertiggestellt ist, muss die Stadt ohne Unterstützung des Bunds allein zahlen.

Auch ein Vertreter der Linken, Niko Fostiropoulus, sprach sich gegen den Bau der U-Bahn aus: " Die Stadt hat selbst bestätigt, dass der Bau von einem Kilometer U-Bahn zehn Mal so teuer ist wie einen Kilometer Straßenbahn zu bauen." Weiterhin müsse man die Folgekosten bedenken, die beim Betrieb der U-Bahn anfallen würden. Karlsruhe würde sich wieder einmal überschätzen und sich mit Städten wie Paris und Berlin messen, während die Vorzüge der eigenen Stadt in den Hintergrund gerieten. Stattdessen wäre es sinnvoller, das Geld in den Bau neuer Kitas zu investieren.

Fünf vor zwölf - Zeit aktiv zu werden

Dem Gemeinderat habe noch nicht einmal ein Finanzierungsplan vorgelegen, als er über den Bau der U-Strab entschied, so Stengel. Deshalb müsse die "Masse der Menschen" aufgerüttelt werden, um sich gegen planlose "Augen zu und durch "-Maßnahmen zu wehren. Dem Anschein nach haben jedoch viele Bürger die Hoffnung schon aufgegeben, etwas verändern zu können. Da der Spatenstich auf Januar 2010 festgelegt ist, versucht die Initiative bis dahin möglichst viele Bürger für eine Unterschriftensammlung zu begeistern.

Bis Mitte Oktober haben alle Karlsruher die Möglichkeit an zahlreichen Infoständen sowie in einzelnen Geschäften und im Internet  auf www.stoppt-das-millionengrab.de ihre Stimme gegen den Bau abzugeben.

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  •  hat kein leider Bild
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    (929 Beiträge)

    02.09.2009 14:22 Uhr
    Notorisch unwirtschaftlich
    Und als letztes: Die KVV ist eine GmbH, und hat es in den vergangenen Jahren nicht einmal geschafft in die schwarzen Zahlen zu kommen. Laufend gestützt durch die Stadtwerke und andere städtische Schwestern. D.h. ich werde weiter für den Tunnel immer teurer heizen - wie blöd muss man als Karlsruher eigentlich sein, dieses Millionengrab zu unterstützen?
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    (929 Beiträge)

    02.09.2009 14:07 Uhr
    Extreme Geldverschwendung und Bürgerbevorrmundung...
    Herr Ludwig sollte sich lieber mal Gedanken machen, wie man evtl. den Bahnhof Durlach zu einer leistungsfähigen Regio/City-Drehscheibe machen könnte. Das wäre ein Ausweg aus der, durch eine unmögliche, selbst verschuldete Verkehrsplanung Verkehrskrise. Ludwig und KVV durften unkontolliert Überkapazitäten aufbauen (nicht bei bezahlten Fahrgästen, denn nach wie vor ist KVV ja defizitär), sondern bei der Streckenführung. Und nun muss der Karlsruher Bürger davor büssen.
    Nicht mit mir.
    Der andere wäre, dass man dem
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    (929 Beiträge)

    02.09.2009 13:57 Uhr
    Extreme Geldverschwendung und Bürgerbevorrmundung...
    Unzweifelhaft, dass die Ludwig-Straßenbahnen in den letzten zwei Jahrzehnten Karlsruhe Ruhm und Ehre gebracht haben.
    Aber: Wurde je ein Karlsruher gefragt, ob er die Überlastung des städtischen ÖPNVs durch den (über-)regionalen Eingangsverkehr überhaupt wollte? Dass Karlsruher Straßenbahnen mittlerweile durchs Pfinztal und bis nach Wörth fahren ist schön und erfüllt (im letzteren) einen Badner mit Stolz. Mir als Oststadtbürger bringt das NULL (in Worten "null, nema, niec"), mich zieht es weder unaufhaltsam ins Pfinztal oder nach Wörth.

    Und das muss ja auch mitten durch's "Wohnzimmer" sein. Wenn unsere Stadtoberen jetzt die durch das unsägliche "Ettlinger-Tor-Zentrum" sehenden Auges devastierte (auf Deutsch: verwüstete) Kaiserstraße wieder zu beleben zu versuchen, dann nicht mit meinem Geld! Im Mittel-Zentrum Karlsruhe (vulgo: Provinz-Hauptstadt) sollte "Stadtverkehr" Stadtverkehr bleiben.
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    (1401 Beiträge)

    31.08.2009 11:51 Uhr
    @tok "Fehler anderswo"
    Sind das in den Städten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Dortmund, Essen, Düsseldorf, Duisburg und Bochum Bahnen, die unterirdisch (z.T.?) Mittelbahnsteige haben? Meiner Ansicht nach machen Mittelbahnsteige einen absoluten Unterschied beim Umsteigen und sind nicht mit den U-Strab-Planungen in KA zu vergleichen.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.08.2009 12:26 Uhr
    "Fehler anderswo"
    Welches sind eigentlich die angesprochenen "Fehler anderswo", die nicht wiederholt werden sollen? Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Dortmund, Essen, Düsseldorf, Duisburg und Bochum haben allesamt teilweise unterirdisch verlaufende Bahnen. Diese Städte sind sehr unterschiedlich in ihrem Charakter und der zugeschriebenen Attraktivität. Gerade das Beispiel Düsseldorf zeigt, dass unterirdisch verlaufende Bahnen in keiner Weise zwingend eine geringere Attraktivität bedeuten. Im Gegenteil. Die Düsseldorfer Altstadt könnte nie und nimmer das sein, was sie ist, wenn sich Bahnen durch sie quälen würden.

    Von alleine allerdings ergibt die Attraktiität sich nicht. Düsseldorf hat da sicher bessere Voraussetzungen als Karlsruhe. Und daran muss Karlsruhe arbeiten. Mit der Verlagerung der Bahnen nach unten wird allerdings ein Hindernis bei Seite geräumt.
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    29.08.2009 12:17 Uhr
    Kaiserstraße
    Die Kaiserstraße Ost entwickelt sich tatsächlich zum Problem (mit Ausnahme des Kronenplatzes selbst). Mag sein, dass da schon die Aussicht auf die Baustelle potentielle Ladenmieter zurückschrecken lässt.

    Aber: Baustellenunanehmlichkeiten können niemals ein ausschlaggebendes Argument sein. Dass überhaupt darüber gesprochen wird zeugt schon von einer Weinerlichkeit und Verweichlichung einer verwöhnten Gesellschaft. Die Baustelle macht Unannehmlichkeiten, ja. Sie macht auch Probleme, ja. Darum sollte, nein, muss sich die Stadt kümmern, nicht nur aus moralischen Gründen, sondern schlicht aus Eigeninteresse, fertig. Wenn wir nicht mehr bauen, weil Baustellen laut sind und Lärm machen, können wir uns gleich komplett einsalzen. Dermaßen letztig hat sich vermutlich kein Philosoph den Letzten Menschen gedacht.
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    (947 Beiträge)

    29.08.2009 10:05 Uhr
    Während der Bauzeit
    ...gibt es zusätzliche Gross-Umbau-Stellen:
    Das Volksbankgebäude, ehem. Hammer und Helbling und Breuninger.
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    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    29.08.2009 07:13 Uhr
    @tok und hetfield
    Genau das ist das Problem - ich hatte deshalb mich letztes Jahr mit einem Ladenbesitzer auf der Kaiserstrasse (nähe Marktplatz) unterhalten - damals war da gerade eine längere Umbauaktion. Staub /Dreck und Lärm hatte ihm da schon die Umsätze verhagelt - wie das mit der Ustrab gehen soll, meinte er, weiss er beim besten Willen nicht.
    Zudem halte ich die genannte Bausumme für völlig unrealistisch - zuletzt wird der Steuerzahler für diese Fehlkalkulation eingreifen müssen. Und wenns sich noch als verkehrstechnischer Flop erweisen sollte, dann wars keiner und man wusst es ja nicht besser.Wirkliche Alternativkonzepte wurde ja nie ausführlich betrachtet, da alles ausser der Ludwig-Ideen Majestätsbeleidigung ist.
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    (25 Beiträge)

    28.08.2009 23:31 Uhr
    Kaiserstraße?
    Am Schlimmsten wäre wenn Modehaus höpf nach der Untertunnelung nicht mehr da wäre.Dieses unmoderne Zeug müßt ich mir dann woanders herholen.
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    (29986 Beiträge)

    28.08.2009 21:43 Uhr
    @tok
    Da bin ich auch gespannt wie die das machen. Die Kaiserstrasse kommt ja schon seit Jahren kontinuierlich immer mehr runter. Woran das Aufkommen an Bahnen sicher keine Schuld hat. Am Ende der Bauzeit wird nichts mehr da sein und das Zentrum wird sich verlagern (allerdings weiss ich gerade nicht wohin). Es wird schon eine Weile dauern die Menschen wieder in die Kaiserstrasse zu locken.
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