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Karlsruhe Hunde in Karlsruhe: Beißt der oder "will der nur spielen"?

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, heißt es sprichwörtlich. Was aber, wenn Bello und Wuff sich nicht besonders freundlich verhalten, auf fremde Menschen zuspringen oder nicht hören? In solchen Fällen haben vor allem ängstliche Menschen das Nachsehen - und dadurch leider auch die Aufmerksamkeit des Hundes. Da helfen weder die "Der macht nichts"-Aussagen von Hundehaltern, noch die Vorwürfe und panischen Reaktionen der Spaziergänger. ka-news hat sich darüber mit "Hundeprofis" unterhalten.

"Kampfhund", "Listenhund" oder "Rassenliste": Das Problem liegt nicht an der Rassenzugehörigkeit oder der Bezeichnung des Hundes, erklärt Udo Walz, Leiter der Polizeihundestaffel in Karlsruhe, auf Anfrage von ka-news. "Man kann nicht generell sagen, dass ein Hund gefährlich oder bösartig ist. Die in der 'Kampfhundeverordnung' aufgelisteten Hunde variieren ohnehin je nach Bundesland, je nachdem wie viele der Tiere dort gehalten werden."

Hunderassen sind keine Charaktergarantie

Grundsätzlich seien "Kampfhunde" immer sehr unterschiedlich. Ein Indiz für die Aufnahme in die Rassenliste sei die Beißkraft des Hundes. Sei diese besonders hoch, sei der Hund auch als potenziell gefährlich einzustufen, so Walz weiter. "Aber die verordnete Verhaltensprüfung bestehen diese Hunde zu 99 Prozent." Sollte diese Prüfung nicht bestanden werden, so ist es laut Verordnung nicht erlaubt den Hund zu halten.

Auch der TV-bekannte Hundetrainer Martin Rütter hält nicht viel von Rasselisten. Denn wer sich darauf verlasse "handelt ahnungslos, unprofessionell, oberflächlich und an der Realität vorbei", kommentiert er das Thema auf seiner Homepage. Die Zugehörigkeit zu einer Rasse sei kein ausschließliches Kriterium das Tier als Problemhund einzustufen, hier zählten viel mehr auch Erfahrung und Erziehung durch Mutterhündin, Züchter und Halter. Kein Hund sei schließlich bösartig geboren worden. "Die meisten Probleme sind erworben und menschgemacht."

Diesem Urteil schließt sich auch die "Hundebeauftragte" der Stadt Karlsruhe, Nora Hartmann-von-Nievenheim, an. "Man muss oft nur ans andere Ende der Leine schauen und weiß schon Bescheid", bedauert sie im Gespräch mit ka-news. Richtige und artgerechte Hundehaltung sei das A und O, so werde auch der vermeintlich brutalste "Kampfhund" zum treuen Spielgefährten.

"Ruhig stehen bleiben, den Hund nicht fixieren"

Was aber tun, wenn man als Nicht-Hundehalter in Schweiß ausbricht, sobald sich ein Hund nähert, angeleint oder nicht? "Ich empfehle in solchen Fällen immer, dass man ruhig stehen bleibt und den Hund auf keinen Fall mit dem Blick fixiert, das empfindet er unter Umständen als Bedrohung", rät Hundestaffelleiter Walz. "Suchen Sie lieber den Blick des Halters und signalisieren Sie ihm, dass Sie sich unwohl fühlen." Generell sehen sowohl Walz als auch Hartmann-von-Nievenheim den Halter in der Pflicht: "Als Hundebesitzer muss man dafür sorgen, dass der Hund zu jeder Zeit, ob angeleint oder nicht, unter Kontrolle ist. Es darf nicht sein, dass ich fremden Menschen meinen springenden und schnüffelnden Hund zumute", bekräftigt der Führer der Polizeihundestaffel. Für Sätze wie "Der spielt doch nur" hat er absolut kein Verständnis.

Trotz der Pflicht des Halters seien auch die Mitmenschen nicht immer ganz unschuldig. "Vor allem Kinder neigen zu impulsiven Handlungen und wollen den Hund streicheln oder mit ihm spielen, selbst wenn sie ihn gar nicht kennen", berichtet Hartmann-von-Nievenheim. In solchen Fällen sollten Eltern den Kindern entsprechenden Respekt vor dem Tier beibringen. "Nur keine Angst schüren, das wäre der falsche Weg." Oftmals seien es nicht einmal die Kinder selbst, die das Interesse des Hundes geweckt haben, sondern das Spielzeug, das die Kinder dabei haben. In solchen Fällen empfiehlt die Hundebeauftragte das Spielzeug einfach auf den Boden zu legen und abzuwarten. Auf diese Weise kann die Aufmerksamkeit vom Kind auf das Spielzeug abgelenkt werden. Verstecken hinter dem Rücken oder Hochhalten ermutige die Tiere bloß zum "Mitspielen".

Hundeführerschein: Eine mögliche Lösung?

Geradezu einstimmig plädieren Walz und Hartmann-von-Nievenheim für den sogenannten Hundeführerschein. "Vor allem für große Hunde wäre das ein Gewinn", erklärt Walz. Hartmann-von-Nievenheim betont auch die Vorteile eines solchen Führerscheins: Am besten solle man ihn ablegen noch bevor man sich einen Hund anschafft. Denn so könne man erste Regeln der Hundehaltung lernen, Pflege- und Erziehungshinweise bekommen und unter Umständen auch ermitteln, welcher Hund zu einem passt. Auch Walz bedauert, dass sich hier bisher noch nichts getan hat.

Ebenfalls habe sich seitens der Stadt für Hunde auch wenig getan, bemängelt die Hundebeauftragte. "Es gibt keine eingezäunten Hundewiesen, auf denen man den Hund wirklich einfach mal laufen lassen kann", berichtet sie. Dazu käme auch die Rücksichtslosigkeit mancher Radfahrer und Spaziergänger, die auch nicht immer Acht auf das laufende Tier geben. Insgesamt solle man hier gegenseitig viel mehr miteinander kommunizieren und Rücksicht nehmen. In Karlsruhe seien aktuell insgesamt etwa 7.400 Hunde gemeldet.

Laut Ordnungsamt Karlsruhe wurden seit Ende 2012 insgesamt 27 bissige Fälle gemeldet. 14 davon seien eine Hund gegen Mensch Situation gewesen, die restlichen 13 Hund gegen Hund. "Selbstverständlich werden wohl nicht alle Fälle gemeldet", erklärt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts.

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  •   silberahorn
    (10983 Beiträge)

    18.08.2013 20:18 Uhr
    Yoga
    für Hunde soll auch gut tun. grinsen
    Chihuahua muss nur noch einen Bart wachsen und sich tätowieren lassen, dann wird dess G`scherr wie der Herr.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    16.08.2013 20:44 Uhr
    Hundeführerschein
    Typisch Deutsch mal wieder... Wie ist das dann eigentlich, gibts da auch Punkte? z.B. fürs auf den Gehweh scheißen 2 Punkte in Flensburg oder ohne Leine 3 Punkte? Und was, das ist doch die Frage aller Fragen, machen Ausländer auf Durchreise die solch ein Dokument nicht vorlegen können?
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  •   sofawolf
    (60 Beiträge)

    17.08.2013 14:19 Uhr
    Weisst Du, was auch typisch Deutsch ist?
    Erst werden alle Hundehalter pauschal verunglimpft und sich über die "bösen Hundehalter" generell aufgeregt. Aber, au weia, jetzt gibt es doch tatsächlich jemanden, der die Hundehalter (zu Recht!) in die Pflicht nehmen will. Ups, jetzt könnte dem "typisch Deutschen" ja das Feindbild ja abhanden kommen. Also muss man jetzt den Bezeichnung und die Qualität der Prüfung in Frage stellen bzw. ins Lächerliche zu ziehen, ohne überhaupt zu wissen, um was es genau geht...
    Es ist doch eigentlich egal, wie die Prüfung heißt. "Hundeführerschein", "TeamTesz", "Sachkundenachweis" oder "4713"...Wichtig ist doch, dass die Hundehalter in einer theoretischen und praktischen Prüfung nachweisen, dass sie die entsprechende Sachkenntnis haben und im Alltag ihren Hund verantwortungsvoll und umsichtig führen!
    Dann erübrigt sich übrigens ganz automatisch auch Dein alberner "Punktekatalog"...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    17.08.2013 14:48 Uhr
    Typisch Deutsch
    Erstens hat niemand was "Gegen Hundehalter" im Allgemeinen sondern gegen die Arschgeigen, die ihren Rottweiler unangeleint über den Gehweg rennen lassen. Das ist aber eine Minderheit, dazu braucht man keine Repression gegenüber den zigmillionen anderen Hundebesitzern.

    So viel Eigeninitiative darf man den Menschen ja wohl noch zutrauen, daß sie sich über ihre Tiere informieren wenn sie welche haben.

    Hundeführerschein... Was kommt als nächstes? Katzenführerschein? Fahrradführerschein? Elternführerschein? "So benutze ich eine Rolltreppe richtig"-Führerschein? Man kann sich auch noch zu Tote regulieren!

    Aber nur folgerichtig in einem Land, wo an jedem Ufer "baden verboten" und auf jeder Verkehrsgrünfläche "betreten verboten" steht. Weil es könnte ja ein Depp von 10.000 was kaputt machen...
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    18.08.2013 19:45 Uhr
    So viel Eigeninitiative darf man den Menschen ja wohl noch zutrauen, daß sie sich über ihre Tiere...
    Definitiv ist das nicht so. Eigeninitiative an sich zu arbeiten darfst du bei denen, die negativ auffallen, nicht erwarten. Das mögen nur wenige sein, aber genau diese nerven ungemein.

    Was ist denn so schwer daran, seinen Hund, wenn man weiß dass er nicht gut erzogen ist und immer die Nachbarn anspringt, anschnüffelt und in die Wohnungen folgt, wenigstens im Haus an der Leine zu führen?

    Klasse, wenn der Hund aufdringlich wird, einem behindert und vom Herrchen weit und breit nichts zu sehen ist - direkt vor der eigenen Wohnungstür.

    Da überlege ich mir, mir eine Sammlung bösartiger Skorpione zuzulegen, welche regelmäßig ausbüchsen und überwiegend bei eben diesen Nachbarn unter der Fußmatte zu finden sind. Mach ich natürlich nicht wirklich, ich bin ja anständig.
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  •   sofawolf
    (60 Beiträge)

    17.08.2013 20:58 Uhr
    ...
    Zitat von frischluftschneise Erstens hat niemand was "Gegen Hundehalter" im Allgemeinen sondern gegen die Arschgeigen, die ihren Rottweiler unangeleint über den Gehweg rennen lassen

    Irgendwie scheinst Du die Diskussion nicht komplett verfolgt zu haben. Da ging es u.a. darum, dass man einen Hund, der einem zu nahe kommt, am besten gleich treten soll... traurig
    Zitat von frischluftschneise So viel Eigeninitiative darf man den Menschen ja wohl noch zutrauen, daß sie sich über ihre Tiere informieren wenn sie welche haben.

    Und genau DAS ist leider in einer Vielzahl der Fälle nicht der Fall. Als Hundehalterin erlebe ich tagtäglich, wie wenig viele Leute ihre Hunde einschätzen können, von Hunden anderer Leute ganz zu schweigen. Mimik, Körpersprache? Was ist das? Da wird in ellenlangen Erklärungen auf den Hund eingesabbelt, der das dann irgendwann nur noch als "Hintergrundrauschen" verbucht, weil er die "Wortsuppe" eh nicht versteht.
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  •   sofawolf
    (60 Beiträge)

    17.08.2013 21:06 Uhr
    ...
    Ich halte mich sicher nicht für oberschlau. Ich bin auch sehr naiv an meinen ersten Hund herangegangen. Dank dieser angstagrressiven, handscheuen Hündin habe ich dann aber angefangen, mich eingehender mit dem Ausdrucksverhalten des Hundes und Erziehung durch positive Verstärkung beschäftigt. Auch nach fast 20 Jahren Hundehaltung lerne ich mit jedem Hund dazu. Den von Dir so geschmähten Hundeführerschein habe ich FREIWILLIG gemacht und bin froh darüber, weil ich unter fachkundiger Anleitung auch wieder etwas dazu gelernt habe.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    18.08.2013 02:29 Uhr
    verschmähter Hundeführerschein
    Zugegeben, ich habe mir nicht alle 100 Kommentare durchgelesen, da mich das Thema nicht so sehr beschäftigt (Habe keinen Hund und werde auch nicht jeden Tag von welchen angefallen). Was mich stört ist dieser Regulierungswahn hinter allem und jedem.

    Fängt an mit Diskussionen über rote Fußgängerampeln über Veggie-Day hin zum Hundeführerschein. Ich sehe das eben liberal und gestehe den Menschen Eigenverantwortung zu. Um manche Regeln kommt man nicht rum, aber wenn das so weit greift, daß man für jeden Furz Führerscheine etc. braucht, das ist doch nicht erstrebenswert...

    Richtig, jeder sollte mir seinem Haustier ordnungsgemäß umgehen. Bei den allermeisten ist das auch so. Es fallen eben immer die schwarzen Schafe auf, das ist in allen Lebensbereichen so. Fahr 50 km Autobahn und Du merkst Dir den einen Idiot der Dich geschnitten hat, aber nicht die Tausend anderen die normal fuhren... so ist es überall... Für mein Geschmack gibts schon zu viele "Regeln"...
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  •   sofawolf
    (60 Beiträge)

    18.08.2013 07:57 Uhr
    Regullierungswahn...
    Die von Dir geschilderte Eigenverantwortung wäre der Idealzustand. Mir wäre es auch lieber, wenn jeder eigenverantwortlich und mit Rücksicht auf andere (damit meine ich Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen) handeln würde. Es ist oftmals eine kleine Gruppe von schwarzen Schafen, die quasi eine "Kollektivstrafe"bzw. den "Regulierungswahn" nach sich zieht.
    Man kann es natürlich auch übertreiben, wie z.B. den "Veggie-Day". Wenn ich will, kann ich sogar jeden Tag "Veggie-Day" haben...*schulterzuck*
    Was Hundeführerschein, Sachkundenachweis oder ähnliches angeht, sind andere Bundesländer schon deutlich weiter (und das auch nicht unbedingt im positiven Sinn). Niedersachsens Hundegesetz sieht sogar eine kostenpflichtige (!) Registrierung ALLER Hunde vor und einen Sachkundenachweis für alle Hundehalter, die sich erstmals nach dem 01.07.2011 einen Hund angeschafft haben.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    17.08.2013 15:03 Uhr
    Irgendwann...
    ...braucht man noch zum scheißen einen Führerschein! Da muß man dann im Baumarkt vor Kauf einer Kloschüssel ein amtliches Dokument vorlegen, in dem bescheinigt wird, daß man richtig mit Klospülung und Klobürste umgehen kann!

    Aufgebaut ist das in einen theoretischen Teil - Funktionsweise eines Klosets, verschiedene Klosorten (Tiefspüler, Flachspüler) und dessen Bedienung, im praktischen Teil wird das dann geübt und zum Schluß nimmt der Prüfer den letzten Klogang ab!

    Und wenn man dann auf ein öffentliches Klo geht muß man diesen Kloführerschein in so einen Automaten stecken, wie bei den Kippen! Erst dann gibts zutritt! Und danebenpissen gibts drei Punkte in Flensburg! Man man man...
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