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Karlsruhe Hunde-Töten in Karlsruher Partnerstadt: Tierschützer schlagen Alarm

Zirka 12.000 Straßenhunde streunen durch die Straßen der rumänischen Stadt Temeswar. Viele davon werden im Tierheim Danyflor getötet oder verenden dort unter unwürdigen Lebensverhältnissen. Das berichtet der Tierschutzverein Karlsruhe. Daher besuchten die Tierschützer kürzlich die Karlsruher Partnerstadt. Doch der Besuch im Mai 2012 geriet zur Farce. Die Tierschützer fordern jetzt die Stadt Karlsruhe auf, endlich zum Thema Straßenhunde Stellung zu beziehen.

"In Temeswar herrscht ein fürchterlicher Zustand für Straßenhunde", berichtete Heinke Salisch, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, bei einem Pressegespräch. Sie gehörte zu einer dreiköpfigen Delegation des Vereins, die im Mai nach Temeswar reiste.

"Reise war eine Farce"

Der Grund der zweiten Reise des Tierschutzvereins nach 2010 war eine erhoffte Kooperationsvereinbarung für ein Kastrationsprojekt zwischen der Stadt Temeswar und dem Tierschutzverein Karlsruhe. Denn die Population der Straßenhunde soll durch Kastration auf Dauer reduziert werden, so das Ziel des Karlsruher Vereins.

"Was sich vor Ort für die Delegation darbot, war eine Farce", kritisierte Salisch. Nach zahlreichen Gesprächen mit dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt, Gheorghe Ciuhandu, sei die Delegation um Tierheimleiter Michael Lock, Markus Richter und Karlheinz Wirag nach Temeswar gereist. "Unser Ansprechpartner vor Ort wusste dann aber nicht einmal, um was es geht", so Markus Richter. "Erst auf Umwegen sind wir zum Oberbürgermeister und in das Tierheim Danyflor gebracht worden." In Rumänien hätte die Delegation keine Anzeichen der  Kooperationsbereitschaft bermerkt, die noch bei einem Besuch in Karlsruhe angekündigt worden war.

Das Tierheim Danyflor sei ein privates Unternehmen, dass monatlich zwischen 25.000 und 30.000 Euro von der Stadt Temeswar erhalte, um sich dem Straßenhundproblem in Karlsruhes Partnerstadt anzunehmen. Das berichten die Tierschützer. Aufgabe des Unternehmens sei es, die Tiere einzufangen, sie aufzunehmen, medizinisch zu versorgen und weiter zu vermitteln, so Michael Lock. "In der Tat werden sie aber getötet - entsorgt sozusagen - wenn sie nach wenigen Tagen nicht abgeholt werden." Einige Hunde würden auch in Tierlager vermittelt, in denen sie unter unwürdigen Zuständen bei "Tiermessies" leben müssten.

Tierschutzverein mit Verhalten der Stadt Karlsruhe unzufrieden

Salisch wittert ein "lukratives Geschäft zwischen Stadt und Heim" und ein "Geschäft mit Hunden, auf die Kopfprämien ausgesetzt werden". Deshalb sei die Kooperationsvereinbarung mit der Partnerstadt so wichtig. "Temeswar soll die Gelder umlegen, die sie bereits in die Hand nehmen", fordert sie - und zwar in ein zuverlässiges Projekt, bei dem niemand das Geld in die eigene Tasche stecke. Der Karlsruher Tierschutzverein will das Kastrationsprojekt mit Wissen und Mitteln unterstützen und fordert im Gegenzug einen unabhängigen Tierarzt vor Ort. Nun sei nach den vergeblichen Gesprächen mit der rumänischen Stadt auch Karlsruhe gefordert. "Als Partnerstadt soll die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Fenrich den Tierschutz ansprechen und zum Thema machen", fordert Salisch.

Bisweilen ist der Tierschutzverein vom Verhalten Fenrichs und der Stadt enttäuscht. "Wir bekamen den Eindruck, dass die Stadt Karlsruhe die guten Beziehungen nicht durch ein leidiges Problem wie Straßenhunde stören will", sagte Salisch. Die Städtepartnerschaft an sich wird von den Tierfreunden allerdings nicht in Frage gestellt. Auch Michael Borner, Stadtrat der Grünen, teilt diesen Eindruck. Auf einer offiziellen Delegationsreise nach Temeswar bekam Borner den Eindruck, dass Probleme nicht angesprochen werden sollten. "Aber wenn man miteinander Freund ist, sollte man so etwas auch ansprechen dürfen", so Borner im Gespräch mit ka-news.

Straßenhunde: Zustände in "Danyflor" katastrophal

Auch Gisela Fischer, Stadträtin der SPD, sieht Karlsruhe in der Pflicht: "Wir müssen Temeswar helfen, EU-konform zu werden. Hier muss die Stadt Karlsruhe als Partner helfen." Ein EU-Gesetz besagt, dass Straßenhunde, und Tiere im allgemeinen, nicht getötet werden dürfen, wie es nach Informationen des Tierschutzvereines im Tierheim Danyflor aber geschehe. Borner bestätigte gegenüber ka-news, dass es Überlegungen der Grünen- und SPD-Gemeinderatsfraktionen gebe, den Tierschutz in einer Partnerschaftsvereinbarung zwischen Karlsruhe und Temeswar zu integrieren. Solche Vereinbarungen gebe es bereits beim Thema Energie und Wasser, kleinere Bereiche wie der Tierschutz dürften hier nicht fehlen, so Borner.

Die Zustände in der "Verwahranstalt Danyflor" seien katastrophal, berichtete die Delegation weiter. Pro Hund gebe es nur einen Quadratmeter Platz und keinen Auslauf. Bis zu sechs Hunde sollen in einem Zwinger untergebracht sein. Der Zustand der Vierbeiner sei katastrophal, viele seien krank oder unterernährt. Augenzeugen berichteten der Karlsruher Delegation sogar von Tötungen mittels eines Baseballschlägers. Nach Angaben der Firma Danyflor sind zwischen 2008 und 2010 knapp 3.000 eingefangen worden. 711 wurden eingeschläfert, 618 starben auf andere Weise, so die offizielle Bilanz Danyflors. Die anderen Tiere seien vermittelt worden, größtenteils wohl in Tierlager, befürchtet der Tierschutzverein Karlsruhe.

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    15.06.2012 15:19 Uhr
    Kann nicht finden
    wo das stehen soll:
    //Alle Hunde dieser Welt sind menschenmordende Bestien... //
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (446 Beiträge)

    15.06.2012 12:57 Uhr
    ...
    Da gibt es halt auch individuelle Schicksale, klar. Würde auch nie abstreiten, dass nicht schon mal ein Mensch von einem Streuner angefallen wurde.

    Aber wie gesagt, durch meine Aktivitäten als Tierrechtler und meine Erfahrungen vor Ort habe ich ein verdammt gutes Bild von den Hunden bekommen. Sie brauchen uns bzw. unseren "Müll" und verhalten sich dementsprechend.

    Ausserdem - und das glaubt mir selten jemand - gibt es _verdammt_ viele gutherzige Einwohner, die den Hunden helfen. Fast jede Hausfrau stellt ihren frischen Biomüll in Futterschalen vor die Tür (der dann auch ratz fatz leergefressen ist). Viele Menschen versuchen sich einzusetzen und investieren sogar für ihre Verhältnisse erhebliche Summen um den Tieren zu helfen. Davon hört man hier leider selten, aber dem ist so.

    Dennoch: es gibt natürlich negatives. Beißer, oder Menschen die zutreten, viele Tierquäler, verlassene Auffangstationen, Repressionen durch den Staat. Jede Seite zwei Medaillen, oder so...
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  •   80er
    (5908 Beiträge)

    15.06.2012 08:19 Uhr
    Oh Himmel.....
    ....soweit ich mich erinnere, ist es das erste Mal, das von Karlsruhe aus bestimmte Zustände in einer KarlsruherPartnerstadt kritisiert werden.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5582 Beiträge)

    15.06.2012 09:02 Uhr
    mit kretsche
    an der spitze wird halt alles anders! grinsen
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  •   80er
    (5908 Beiträge)

    15.06.2012 09:44 Uhr
    Ich krtisiere.....
    ....auch gar nicht, dass hier Kritik kommt. Die Frage ist, wie geht man damit um? Ich kenne einige Leute, die mit wirklich viel Herzblut gerade diese Städtepartnerschaft in KA begleiten. Die haben wirklich nicht gelernt, den Partner zu kritiseren. Und zwar so zu kritisieren, dass der Grundgedanke dieser Städtepartnerschaft nicht darunter leidet. Von daher muss man dem berechtigten Anliegen der ehemaligen Regierungspräsidentin irgendwie so rüberbringen, dass die Partnerstadt nicht verärgert wird. Also Diplomatie ist gefragt.
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  •   _da
    (118 Beiträge)

    15.06.2012 17:36 Uhr
    Mir fehlt eine Option...
    ...mit Bezug auf die neue EDEKA-Fleischfabrik in Karlsruhe.
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  •   Smartraver
    (7579 Beiträge)

    15.06.2012 08:04 Uhr
    Interessant wäre es zu wissen,...
    wieviele Menschen dort durch Straßenhunde angegriffen/angegangen werden.
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  •   dipfele
    (5863 Beiträge)

    15.06.2012 12:04 Uhr
    oder
    ... verhungern müssen!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    15.06.2012 08:11 Uhr
    Beziehungsweise
    warum gibts die überhaupt? Gibts doch bei uns auch nicht.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    15.06.2012 08:12 Uhr
    Hier
    leben sicher mehr Menschen als Hunde auf der Strasse.
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