Stuttgart/Karlsruhe Handschriften verschont?

Bleiben die Handschriften der Öffentlichkeit erhalten? (Foto: ka-news)
Die anhaltenden, zweieinhalb Wochen dauernden Proteste gegen den Ausverkauf der Handschriftensammlung in der Badischen Landesbibliothek haben offenbar Wirkung gezeigt. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) rudert zurück und sprach gestern in Stuttgart von seinem "Drei-Säulen-Modell", das den Erhalt badischer Kulturgüter ermöglichen soll. Bereits in der vergangenen Woche hat sich das Modell angedeutet (ka-news berichtete).

70 Millionen Euro sollten ursprünglich durch den Verkauf der badischen Handschriftensammlung zusammenkommen. Jene Summe sollte dem Haus Baden zugute kommen, die damit Schloss Salem sanieren und auch zukünftig erhalten wollten. Dieser Betrag ist nun erstmal vom Tisch. Man spricht mittlerweile in Stuttgart von 30 Millionen Euro. Auch soll dafür nun nicht mehr die Karlsruher Handschriftensammlung geopfert werden. Einzelne Stücke zu verkaufen, schloss er jedoch nicht aus. Es soll jedoch dann bei Ausnahmefällen bleiben. Genau jene Summe brauche die Adelsfamilie von Baden, um die Gläubigerbanken zu besänftigen. Jene könnten ansonsten vor Gericht ziehen und auf die Herausgabe von Privatbesitz der Familie klagen.

Spendengala in der dm-Arena geplant

Als eine der drei Säulen erhofft sich Ministerpräsident einen Geldregen von der Landesstiftung. Diese soll rund zehn Millionen Euro in den Topf werfen. Auf der kommenden Sitzung der Landesstiftung Baden-Württemberg werde er diesen Vorschlag unterbreiten. Ferner wolle man durch Spendenaufrufe an an Bevölkerung und Sponsoren einen Teil der Gelder zusammenbekommen. Auch wurden gestern die Leiter der Museen im Land von Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) zum Spenden aufgerufen: "Jeder, der eine Sammlung verwaltet, sollte sehen, ob er nicht einen Gegenstand veräußern kann." Die Schwerpunkte bei Kulturausgaben sollen zukünftig anders gesetzt werden.

Auch wird an eine große Spendengala gedacht, die in der dm-Arena in der Karlsruher Messe stattfinden soll. Oettinger werde Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich darum bitten, dafür die Messehalle kostenlos zur Verfügung zu stellen. Genaueres konnte Oettinger noch nicht bekanntgeben, er gab sich jedoch zuversichtlich, die 30 Millionen Euro bis zum März des kommenden Jahres zur Verfügung zu haben.

Landesvereinigung Baden in Europa will mit Museen sprechen

Heftiger Gegenwind aus Gesellschaft und Wissenschaft haben bei Oettinger Wirkung gezeigt (Archivfoto: ka-news)
Neben der Beschaffung des Geldes steht auch die Schaffung von Rechtssicherheit auf der Agenda des Ministerpräsidenten. Die derzeitigen Besitzverhältnisse einiger Kulturgüter, insbesondere die der Handschriftensammlung ist vollkommen unklar. So steht derzeit auch zur Debatte, wem die Türkensammlung gehört, die im Badischen Landesmuseum ausgestellt ist. Dazu Oettinger auf der gestrigen Pressekonferenz: "Die Revolution in Baden war zu liberal." Es sei nach der Badischen Revolution 1918 niemals klar geregelt worden, was der Adelsfamilie eigentlich an Besitz bleibe.

Bei der Opposition findet Oettingers neuerlicher Vorschlag wenig Anklang. SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt warf dem Ministerpräsident Aktionismus vor, bezeichnet die Pläne sogar als "naiv". Auch die Landesvereinigung Baden in Europa gibt sich mit dem "Drei-Säulen-Modell" nicht zufrieden. Sie stellt sich komplett dagegen, Kulturgut "zu verschleudern", wie sie erklärt. Die Mittel für das Haus Baden sollen komplett der Landesstiftung entnommen werden. Der Vorsitzender der Landesvereinigung Robert Mürb und seine Stellvertreterin, ehemalige Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle, planen, unverzüglich Kontakt zu Museumsleitern aufzunehmen, um mit ihnen zu vereinbaren, was zu tun sei, um deren Gut vor dem Ausverkauf zu bewahren.

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