Karlsruhe/Berlin Handschriften-Streit

Das nach heftiger Kritik an dem ursprünglich geplanten Handschriften-Verkauf von Ministerpräsident Günther Oettinger als Alternative vorgeschlagene "Drei-Säulen-Modell" (ka-news berichtete) sorgt weiter für Unmut. Nicht nur bei der oppositionellen SPD im Landtag - SPD-Fraktionschefin Ute Vogt sprach von einem "Irrweg" - stoßen die Pläne auf Widerstand. Auch der Deutsche Museumsbund in Berlin, der bundesweite Interessenverband aller Museen, übte jetzt scharfe Kritik an Oettingers Modell.

"Die Museen und Bibliotheken sind keine Rückhaltebecken, aus denen in Zeiten finanzieller Engpässe geschöpft werden kann", erklärte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer, zu den Plänen des Ministerpräsidenten. Dessen "Drei-Säulen-Modell" sieht vor, dass die Landesstiftung Baden-Württemberg, private Sponsoren sowie die Kultureinrichtungen des Landes jeweils zehn Millionen Euro, insgesamt also 30 Millionen Euro aufbringen sollen, die das Haus Baden zur Abwendung seiner Insolvenz benötigt. Nach Ansicht der Landesregierung könnten die Kultureinrichtungen durch Verkäufe aus ihren Sammlungsbeständen einen finanziellen Beitrag leisten.

"Jede verantwortungsvolle Museumsleitung wird sich einverstanden erklären, vorübergehend auf einen Zuschuss der Landesstiftung für den Erwerb weiterer Objekte zu verzichten", so Eissenhauer. Ein aktiver Verkauf sei jedoch keine akzeptable Lösung. "Die kulturpolitische Verantwortung einer Landesregierung besteht darin, das von Museen, Bibliotheken und Archiven bewahrte Kulturgut zu schützen. Es darf nicht sein, dass die Landesregierung von den Verkäufen der in der Landesbibliothek bewahrten Handschriften Abstand nimmt und das Problem auf andere Kultureinrichtungen abwälzt." Das in Bibliotheken, Museen und Archiven bewahrte Kulturgut sei keine Verpfändungsmasse, meint Eissenhauer. "Wer die Sammlungsbestände zur Sanierung eines Fürstenhauses heranzieht, leistet einen kulturpolitischen Offenbarungseid."

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