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Karlsruhe Grüne Lunge statt Sportplatz: Karlsruher Schrebergärtner gehen auf die Barrikaden

Holzhütte, Kinderschaukel, Brombeeren am Wegesrand: Die kleine grüne Welt der Schrebergärtner in der Südstadt könnte so schön sein - die Feierabendstunden im Beet wie Urlaub. Wäre da nicht die ungewisse Zukunft: Ein Großteil der Kleingärten soll schon bald der Sportanlage der ESG Frankonia weichen, das ist der Plan des Gemeinderats. Tennisbälle statt Tomaten: Die Parzellenpächter sind empört und taten ihren Unmut am Donnerstag kund. Gemeinsam mit den Freien Wählern wollen sie für die grüne Lunge kämpfen.

Bislang ist der Frankonia-Sportpark an der Durlacher Allee angesiedelt - 2015 soll der Verein in die Stuttgarter Straße ziehen. Wo sich heute noch rund 400 Schrebergärtner vom Stadtstress erholen, soll künftig ein Areal für Tennis, Kampfsport und Co. entstehen. Das ist die Empfehlung, die rund 20 Bürger als Ergebnis einer Konsensus-Konferenz im Januar dem Gemeinderat für das Bebauungsplanverfahren mit auf den Weg gaben.

Tennisbälle statt Tomaten: Karlsruher Kleingärtner gehen auf die Barrikaden

Die Idee ist, Teile des Bahndammes in die Gesamtfläche einzubeziehen, damit der Flächenverlust für die Kleingärtner möglichst gering ausfällt - die Parzellen sollen dann neu strukturiert und aufgeteilt werden. Expertengespräche, städtebauliche Planungen, Alternativvorschläge - aber: "Die Kleingärtner selbst werden nicht gefragt - sie hängen in der Luft", erklärt FW-Stadtrat Jürgen Wenzel, der sich selbst zu den Schrebergarten-Fans zählt.. Der Freie Wähler möchte sich nun vor der Stadtverwaltung für die Pächter einsetzen und will in einer offenen Anfrage wissen, nach welchem Verfahren die bestehenden Gartenparzellen aufgeteilt werden und nach welchen Kriterien entschieden wird, welcher Schrebergärtner seinen Garten nach der Neuordnung weiterhin in der Stuttgarter Straße betreiben darf und welcher nicht.

Die Stimmung in den Südstadt-Gärten ist schlecht. 3.000 Unterschriften habe man bereits gesammelt, um ein Machtwort gegen den Bebauungsplan zu sprechen. "Es wird über unsere Köpfe entschieden", klagt eine Kleingärtnerin - "seit Jahrzehnten ist das hier unser Ausgleich zur städtischen Enge - unsere Enkel kommen her, um Gurken und Bohnen anzupflanzen." Ein weiterer Vorwurf der Freien Wähler: Seit rund 30 Jahren habe man von städtischer Seite nicht mehr in das, einst für die Karlsruher Bahnarbeiter geschaffene, Gartenareal investiert.

"Neben den Gärtnern müssten auch seltene Tierarten umgesiedelt werden"

Seither hätten viele Pächter Unsummen in die Renovierung von Hütten und Gärten ausgegeben - "alles für die Katz' - von einer Entschädigung, im Falle einer Umsiedlung, war bislang noch nicht die Rede", so Hans-Peter Kunzmann, Ansprechpartner der Gartenanlage Stuttgarter Straße. Hirschkäfer und Eidechsen als unmittelbare "Nachbarn": Laut den Kleingärtnern habe sich in der grünen Südstadt-Lunge auch so manch seltene Tierart niedergelassen. Diese müssten bei einer Bebauung ebenfalls umgesiedelt werden und das bedürfe Zeit und Aufwand. Dass hier bald Tennisbälle umherfliegen sollen, stößt auch bei den Anwohnern bitter auf. Schließlich sei ein Sportpark mit etwa 1.600 Mitgliedern auch mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen in dem Bereich verbunden. Laut Wenzel wisse das Rathaus nichts von der Problematik vor Ort.

Den Kleingärtnern fehle es eigenen Aussagen nach an Rechtssicherheit und Mitsprache. "Wir Schrebergärtner haben in Karlsruhe keine Lobby, wir haben niemanden, an den wir uns mit unseren Sorgen wenden können - dabei ist das hier ein Mirko-Kosmos", so Kunzmann im Gespräch mit ka-news. Hier wollen die Freien Wähler ansetzen und sich als Sprachrohr der Pächter verstehen. "Schon Moritz Schreber warb für die Arbeit im Grünen als gesunden Ausgleich für die Stadtbevölkerung", blickt Kunzmann zurück. Viele Fragen bleiben weiterhin offen - noch habe sich die Stadt nicht an die Kleingärtner gewendet und sie über das weitere Vorgehen unterrichtet. Eins stehe jedoch fest: "Wir wollen für unsere grüne Oase kämpfen, komme was wolle", hierbei sind sich am Donnerstag alle Anwesenden einig.

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Kommentare (32)
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  • unbekannt
    (7 Beiträge)

    07.03.2014 14:35 Uhr
    Was ist das für ein dummer Vergleich
    Welcher Mieter investiert Geld in eine Mietwohnung, wenn er damit rechnen muss nach einem Jahr ausziehen zu müssen? Abgesehen davon, scheinen Sie sich im Mietrecht nicht auszukennen, die meisten Mietwohnungen sind bei Einzug bereits renoviert.
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  •   ottonormal
    (49 Beiträge)

    23.08.2013 20:54 Uhr
    Keine Ahnung haben die Freien Wähler
    Leider sind die sogenannten Stadträte der freien Wähler völlig ahnungslos .
    Das Gelände wurde bereits entschädigt, dort sollte ein Paketbahnhof gebaut werden.
    Die Kleingärtner waren auch beim Konsensverfahren anwesend und konnten ihre Argumente vorbringen
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  • unbekannt
    (7 Beiträge)

    07.03.2014 14:39 Uhr
    Das stimmt so nicht !!
    einige Pächter wurden entschädigt, aber vom damaligen Eigentümer, nicht von der Stadt, diese haben ihren Garten nicht mehr. Die jetzigen Gartenpächter wurden nicht entschädigt, sondern man hat sie jahrelang an der Nase rumgeführt. Soviel ich weiß, gehört die Anlage immer noch nicht komplett der Stadt, sondern auch der Post und der Bahn.
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  • unbekannt
    (5 Beiträge)

    26.08.2013 17:45 Uhr
    Warum wird dann...
    - so ein Garten (der Angeblich) bereits entschädigt wurde zur weieren Verpachtung nochmal geschätzt?
    - weiter verpachtet
    - eine Ablöse an den vorherigen Pächter abgedrückt
    - und und und...

    Verjährt so etwas nicht auch irgendwann einmal?
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  • unbekannt
    (1444 Beiträge)

    23.08.2013 20:38 Uhr
    Wo bleibt der Aufschrei...
    ...der Grünen?
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  •   hajmo
    (4056 Beiträge)

    23.08.2013 18:45 Uhr
    Es gibt doch so viele Sportvereine in Karlsruhe,
    die alle gerne Mitgliederzuwachs hätten. Warum also nicht einen Verein auf alle anderen aufteilen?
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  •   Beiertheimer
    (958 Beiträge)

    23.08.2013 17:58 Uhr
    Das war schon lange bekannt
    Ich habe mir vor rund zwei Jahren die Planungsentwürfe für die neue Feuerwache in der Gartenhalle angeschaut. Da war die Umwandlung der Schrebergärten schon thematisiert.
    Was soll das geheule jetzt?
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  • unbekannt
    (7 Beiträge)

    07.03.2014 14:42 Uhr
    Thematisiert aber die betroffenen
    wurden nicht informiert, außerdem habe ich damals auf meinen Anfragen andere Informationen direkt vom Oberbürgermeister erhalten. Soviel zur gern ausgesprochenen Transparenz der Stadt.
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  •   Insider
    (744 Beiträge)

    23.08.2013 17:05 Uhr
    Populistische FW!
    Leute, Leute! Welch Populismus der FW. Die Stadt will das Gelände entwickeln, und das ist ihr Recht. Ein großes Konsensusverfahren ist durchgeführt worden, wobei viele Anliegen der Bürgergesellschaft Südstadt und der Kleingärtner berücksichtigt wurden. Das ist der Kompromiss gewesen. Dass nicht alle ihren Kleingarten behalten können, war von vorherein klar gewesen. Das weiß auch Herr Wenzel, der Schriftführer in einem Kleingartenverein ist. Damit ist er sowieso befangen, wenn auch er diese Tätigkeit in dem betreffenden Verein nicht ausübt. Ist irgendeine Gruppe gegen irgendetwas, die FW sind dabei. Früher waren das die Grünen. zwinkern
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  •   mill_house
    (25 Beiträge)

    24.08.2013 04:52 Uhr
    Bürgergesellschaft Südstadt
    Wer hat diesen Verein dazu legitimiert, für die Südstadt zu sprechen? Offenbar vertreten deren Mitglieder nicht die Interessen der Südstadt sonst würden sie nicht so einen Mist "empfehlen".
    Alleine schon wie sie in ihrem Bürgerheft die Einladung zur Abstimmung dafür benutzt haben, die potentiellen Wähler pro Tennisplatz zu beeinflussen, anstatt die Situation sachlich neutral zu beschreiben, disqualifiert diesen Verein für jegliche Vertretungsfunktion.

    Für mehr Grünfläche und gegen Gentrifizierung der Südstadt!
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