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Karlsruhe Große Mängel in der Substanz: Karlsruher Theaterhaus und Prinz-Max-Palais auf dem Prüfstand

Die baulichen und strukturellen Mängel beim Theaterhaus am Mühlburger Tor sowie dem Prinz-Max-Palais in der Karlstraße beeinträchtigen die Kulturinstitutionen in gravierendem Maße. Zu dieser Erkenntnis kommt zumindest die CDU-Gemeinderatsfraktion und beantragte deshalb eine Darstellung der Mängel der Gebäude. Außerdem will die Fraktion wissen, ob eine Übertragung an die Karlsruher Fächer GmbH (KFG) möglich ist.

Durch die Mängel seien die Kulturinstitutionen in den Gebäuden aus CDU-Sicht in massivem Umfang beeinträchtigt. Dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen würden aufgrund anderer Pflichtaufgaben der städtischen Hochbauverwaltung immer wieder verschoben, da es personeller Kapazität fehle.

Die Gemeinderäte wollten deshalb in einer Anfrage von der Stadtverwaltung wissen, wie sich die Mängel darstellen und ob die Möglichkeit bestehe, die Gebäude in den Zuständigkeitsbereich einer städtischen Gesellschaft zu übertragen. Als möglichen Träger nannte die CDU die Karlsruher Fächer GmbH (KFG).

Theaterhaus
Das Sandkorn-Theater im Theaterhaus | Bild: tfr

Die KFG habe sich demnach intensiv mit der Sanierung, Unterhaltung sowie der Bewirtschaftung von denkmalgeschützten Gebäuden in Karlsruhe befasst. Auch sei man als Vermieterin verschiedener kultureller Institutionen, wie etwa der Stadtbibliothek im Ständehaus, im Umgang mit Kulturschaffenden vertraut, begründete die CDU-Fraktion ihren Antrag an die Verwaltung weiter.  

Vorteile für kommunale Haushalte

Bei einer möglichen Übernahme des Theaterhauses in der Kaiserallee und dem Prinz-Max-Palais in der Karlstraße sieht die CDU-Fraktion auch Vorteile aus Sicht des kommunalen Haushalts. Gebäudebezogene Aufwendungen entstünden nicht im städtischen Haushalt, sondern würden alleine durch die KFG getragen. Diese werden dann durch Einnahmen aus Mietverträgen, die direkt mit den Kulturinstitutionen geschlossen wurden, refinanziert. Die Unterstützungsleistungen der Stadt könnten sich nach Ansicht der CDU auf rein institutionelle oder monetäre Förderungen beschränken. Diese könnten direkt im Kulturetat zugewiesen werden. 

Sandkorn-Theater 2
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Ungedämmte Außenfassade und Flächenmangel

Bei dem Theaterhaus in der Kaiserallee handelt es sich um das ehemalige Ofenhaus der Fächerstadt. Für den Theaterbetrieb sei das Gebäude nur eingeschränkt geeignet, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung. Es fehlt an Flächen für Besucherbereiche wie Garderoben oder ausreichend Toiletten.

Nebenflächen, wie Aufenthaltsräume oder der Hinterbühnenbereich, weisen strukturelle Mängel auf, bestätigt die Stadt. Auch die unter Denkmalschutz stehenden Fenster des Gebäudes entsprächen nicht mehr den heutigen energetischen Standards. Zudem ist die ebenfalls denkmalgeschützte Gebäudefassade ungedämmt.

Sandkorn-Theater Holzfigur
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Die Decke im ersten Obergeschoss wurde zum unbeheizten Dachraum hin inzwischen gedämmt. In den vergangenen beiden Jahren wurden die Lüftungs- und Heizungsanlage komplett erneut und das Gebäude an die Fernwärmeversorgung angeschlossen.

Weitere Maßnahmen geplant, Probleme nicht gelöst

Im Doppelhaushalt 2019/20 will man die Sanierung der Besuchertoiletten aufnehmen. Auch die Foyerbereiche sollen im Zuge dieser Maßnahme optisch aufgewertet werden. Die direkten Türen vom Foyer in die Theaterräume sollen durch neue Schallschutztüren ersetzt werden.

Mit diesen Maßnahmen will die Stadt dem Zerfall des Theaterhauses entgegen wirken. Dennoch weiß man bei der Stadt, dass sich durch die Sanierungen allein die Mängel nicht vollends beheben lassen. "Die strukturellen Mängel werden ungeachtet dieser Maßnahmen weiterhin bestehen", so die Stadt in ihrer Stellungnahme.

Architekturbüro erarbeitet Plan für Prinz-Max-Palais 

Beim Prinz-Max-Palais, benannt nach dem letzten Kanzler des Deutschen Kaiserreichs Max von Baden, war nach Angaben der Stadt nicht einzuschätzen, wie die Villa in der Karlstraße langfristig genutzt werden könne. Grund dafür war laut Stadt, dass es verschiedene Konzepte für die Weiterentwicklung der im Gebäude angesiedelten Einrichtungen gab.

Prinz-Max-Palais
Bild: Lukas Hiegle

Mittlerweile liege die Entscheidung vor, dass alle kulturellen Institutionen im Prinz-Max-Palais verbleiben. Ein von der Stadt beauftragtes Architekturbüro soll ein Sanierungskonzept für das Gebäude entwickeln. Die Planung wurde bereits vor einigen Monaten aufgenommen. Im Herbst 2018 soll nach aktuellem Zeitplan eine Entscheidung für den Rahmen der Sanierung vorliegen.

Übertragung an städtische Gesellschaft wäre möglich

Ein Verkauf oder eine Übertragung der Gebäude an die KFG will die Stadt prüfen. Grundsätzlich sei eine Übertragung der Mietverträge an die KFG aber möglich und die städtische Gesellschaft würde anstelle der Stadt in die bestehenden Mietverträge eintreten, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Ob die derzeit veranschlagte Grundmiete (etwa 5,40 €/m²) eingehalten werden könnte, um alle anfallenden Kosten, einschließlich der Sanierungsmaßnahmen zu decken, ist nach Ansicht der Stadt allerdings fraglich. Eine eventuell notwendige Mieterhöhung wäre dann auch mit einer Erhöhung der Zuschüsse für die Theater verbunden. 

Großteil der Palais-Räume wird von der Stadt genutzt

Der Großteil des Prinz-Max-Palais wird derzeit von der Stadt selbst genutzt. Nur wenige Räume werden vermietet. Im Falle einer Übertragung an die KFG, müsste die Stadt diese eigen genutzten Flächen von der Karlsruhe Fächer GmbH wieder zurückmieten, erklärt die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme an die CDU-Gemeinderäte. 

Prinz-Max-Palais
Bild: Lukas Hiegle

Die Verwaltung stellt vor diesem Hintergrund in Frage, ob ein Verkauf oder eine Übertragung an die KFG sinnvoll ist. Andere Möglichkeiten werde man prüfen, gemeinsam mit der KFG die notwendigen baulichen Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Der Gemeinderat soll über die Ergebnisse anschließend informiert werden, erklärt die Stadt abschließend. 

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Kommentare (3)
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  •   andip
    (8862 Beiträge)

    20.06.2018 15:55 Uhr
    Nanu
    "Für den Theaterbetrieb sei das Gebäude nur eingeschränkt geeignet, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung. Es fehlt an Flächen für Besucherbereiche wie Garderoben oder ausreichend Toiletten."
    M.W. findet da doch seit den 1970er Theaterbetrieb statt. Da fällt denen aber früh auf, dass der da nur eingeschränkt möglich ist.
    Und wenn die Fassade und die Fenster unter Denkmalschutz stehen, wie kann man die dämmen ohne gleichzeitig gegen den zu verstossen?
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  •   Svetogor
    (165 Beiträge)

    20.06.2018 14:16 Uhr
    .
    >Es fehlt an Flächen für Besucherbereiche wie Garderoben oder ausreichend Toiletten.

    Gibt doch Dixi-Klos, da kann man so viele bestellen, wie man braucht.

    >Auch die unter Denkmalschutz stehenden Fenster des Gebäudes entsprächen nicht mehr den heutigen >energetischen Standards.

    Da sind sie mal wieder unsere Paragrafenaffen.

    >Zudem ist die ebenfalls denkmalgeschützte Gebäudefassade ungedämmt.

    Ja ja, Dämmung ist megawichtig. Frag mich nur warum das Gebäude in diesem ungedämmten Zustand so lange überdauert hat.

    Wenn die Natur oder die Umwelt was nicht kaputt kriegt, dann schaffen das auf jeden Fall unsere Technokraten und Paragrafenreiter.
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  •   teflon
    (2469 Beiträge)

    19.06.2018 19:22 Uhr
    Nur eine Frage:
    wieviel kostet das den Steuerzahler ?
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