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Karlsruhe Große Hausarzt-Not in Karlsruhe: "Vom Gefühl her wird's ein Drama"

Den Besuch beim Hausarzt kennt jeder. Ob Grippe, Kopfschmerzen, oder eine fällige Impfung: Der erste Ansprechpartner in Gesundheitsfragen ist meist der Hausarzt. Für seine Patienten ist dieser oft ein "Vertrauter in der Nähe" - die Wartezimmer sind voll. Trotzdem steckt die Branche in einer schweren Krise: Es fehlt schlicht der Nachwuchs. Allein in Karlsruhe fehlen bereits 20 Hausärzte - im ländlichen Bereich noch mehr. Doch warum geht der Hausarzt-Branche die Puste aus?

Deutschlands Hausärzte bangen: Immer weniger gibt es von ihnen, immer älter werden die vorhandenen. Auch in Karlsruhe stehen die Zeichen auf Alarm. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Würrttemberg (KVBW), kennt den Grund: "Immer mehr junge Mediziner entscheiden sich nach dem Studium für eine andere Fachrichtung als für die des Hausarztes", sagt er. Doch warum ist der Hausarzt-Beruf so unbeliebt?

"Künftig werden die Kommunen um die Hausärzte streiten"

Die Allgemeinmediziner haben schlicht ein Nachwuchsproblem. Im Versorgungsbericht der KVBW faus dem Jahr 2012 werden für das Karlsruher Stadtgebiet insgesamt 193 Hausärzte gezählt. Das waren schon vor zwei Jahren zu wenige - mittlerweile hat sich die Lage jedoch kaum verbessert. Fechner erzählt: "Aktuell könnten noch 20 weitere Hausärzte in Karlsruhe praktizieren."

Schon jetzt mangelt es also an neuem Personal - doch wie steht es um das Vorhandene? "Das wird immer älter", so der Experte. Auch im Versorgungsbericht wird dieses Problem deutlich: Während lediglich 3,1 Prozent der Karlsruher Hausärzte im Jahr 2012 unter 39 Jahre alt waren, waren satte 21 Prozent über 60 Jahre alt. In ganz Baden-Württemberg werden nach Einschätzung Fechners derzeit rund 300 Hausärzte gesucht. Er ist überzeugt: "Künftig wird es einen regelrechten Wettbewerb der Kommunen um die Hausärzte geben."

Dabei mangelt es der Fächerstadt keinesfalls an medizinischen Nachwuchs im Allgemeinen. Fechner erläutert: "In allen anderen Fachrichtungen ist Karlsruhe überversorgt - in einigen Bereichen gibt es sogar Zulassungsstopps." Doch die Hausärzte wanken beträchtlich. 2012 waren es 1.547 Patienten pro Hausarzt - eine extreme Belastung für die Mediziner. Michael Emmerich, praktizierender Hausarzt und Vorsitzender der Ärzteschaft Karlsruhe, ist besorgt: "Aktuell ist die Lage vielleicht gerade noch akzeptabel, aber in den nächsten Jahren stehen wir vor großen Problemen."

"Das große Geld wird in anderen Bereichen verdient"

Aber warum entscheiden sich so wenig junge Mediziner für die Arbeit als Hausarzt? Fechner sieht ein Problem ausgerechnet in einer Berufseigenschaft, die im Grunde eine Stärke sein sollte: "Ich vergleiche Hausärzte gerne mit Zehnkämpfern. Sie müssen in jeder Disziplin gut sein, können jedoch in keiner eine Medaille gewinnen." Nicht selten würde die Arbeit der Allgemeinmediziner dadurch zu wenig wertgeschätzt - dazu sei die Bezahlung im Verhältnis zu anderen Facharztrichtungen nicht gut.

Das fehlerhafte Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist auch für Hausarzt Emmerich der Hauptgrund für die Krise. So sagt er: "Eine Versorgungspraxis erhält 56 Euro für drei Monate pro Patient, das ist oft zu wenig. Das große Geld wird sicher in anderen Bereichen verdient." Doch schon einige Jahre vor der Fachbereichswahl beginnt für Emmerich die Misere: "Viele junge Leute werden wegen eines zu schlechten Abiturschnitts nicht zum Medizinstudium zugelassen - und das obwohl sie für den Beruf sehr gut geeignet wären. Das ist fatal."

Hinzu komme, dass der Großteil der Absolventen Frauen sind. Warum ist das aber ein Problem? Emmerich erklärt: "Derzeit sind rund 68 Prozent eines Abschlussjahrgangs der Mediziner Frauen. Das ist angesichts der hohen Arbeitsbelastung der Hausärzte ein Problem." Denn der Hausarzt merke, dass sich die Lebensentwürfe gewandelt haben. Viele junge Frauen seien mittlerweile auf der Suche nach Teilzeitstellen - dies sei jedoch im Hausarztbereich kaum möglich. Die Folge: Sie gehen in andere Bereiche. Emmerich kennt das Problem, mahnt, nennt Lösungsansätze. Seine Prognose ist dennoch düster: "Vom Gefühl her, wird's ein Drama."

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Kommentare (23)
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  • unbekannt
    (8 Beiträge)

    06.09.2014 09:24 Uhr
    naja
    ich kenne keinen Arzt der arm wär ........
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  • unbekannt
    (2169 Beiträge)

    05.09.2014 13:50 Uhr
    Den Numerus clausus
    abschaffen (um auf die Umfrage einzugehen) finde ich aber auch nicht den richtigen Weg.
    Wie schon in anderen Beiträgen bemerkt müsste eher das Vergütungssystem verändert werden.
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  •   myopinions
    (932 Beiträge)

    05.09.2014 11:32 Uhr
    ...................wie immer im Leben,
    ist es auch hier eine Frage des Geldes.

    Wenn man die ordentlich entlohnt und die Arbeit nicht mit viel zu vielen administrativen Dingen behindert, wird es auch wieder mehr Hausärzte geben.
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  •   Chronist
    (423 Beiträge)

    05.09.2014 08:53 Uhr
    Mangel auch an Qualität...
    Jetzt mangelt es auch an Qualität der Hausäzte. In den letzten 5 Jahen war ich bei drei Unterschiedliche. Und das einzige, dass ich bei denen regelmäßig verschrieben gekriegt habe, war: "Viel Saft trinken, viel Tee trinken, viel Wasser trinken ...". Bei mir war es fast immer einen GANZ KLAREN Antibiotikafall (Infektion am dem Hals/Rache). Ist es nicht unüblich bei mir, da ich keine Mandeln mehr habe. Gottseidank ist mein HNO (auch Naturheilverfahren-Kerl) weitsichtig genug, um Antibiotika zu geben, wenn es nötig ist. Um so was am Hals zu erkennen, muss man auch kein Genie der Medizin sein.....

    Wenn jemand einen guten Hausarzt kennt, bitte mitteilen grinsen
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  •   taschentuch
    (393 Beiträge)

    05.09.2014 12:02 Uhr
    Ah ja.
    Faszinierend, ihre diagnostischen Kenntnisse. Wie unterscheiden Sie denn eine virale von einer bakteriellen Krankheit?
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  •   Chronist
    (423 Beiträge)

    05.09.2014 12:51 Uhr
    Schon mal von Eiteransamlungen im Rachen gehört?
    ...
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    05.09.2014 08:58 Uhr
    Wenn jemand einen guten Hausarzt kennt, bitte mitteilen
    Dito. Suche auch noch einen. Hausärzte sind wirklich rar gesät.
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  •   silberahorn
    (9678 Beiträge)

    05.09.2014 08:49 Uhr
    Für jede Ärztin und jeden Arzt gilt folgendes Gelöbnis:
    "Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.
    Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben.
    Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patientinnen und Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein.
    Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod meiner Patientinnen und Patienten hinaus wahren.
    Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder aufgrund einer etwaigen Behinderung, nach Geschlecht, Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung.


    Fortsetzung siehe nächster Post
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  •   silberahorn
    (9678 Beiträge)

    05.09.2014 08:50 Uhr
    Fortsetzung: Ärztliches Gelöbnis
    Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfrucht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.
    Ich werde allen, die mich den ärztlichen Beruf gelehrt haben, sowie Kolleginnen und Kollegen die schuldige Achtung erweisen. Dies alles verspreche ich auf meine Ehre."
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    05.09.2014 08:43 Uhr
    dann muss eben
    die ärztliche Gebührenordnung angepasst werden. Wer da mal reingeschaut hat, kann sich tatsächlich nicht vorstellen, wie der Betrieb einer hausärztlichen Praxis finanziert werden kann. Selbst wenn alle Patienten privat wären und somit das Doppelte abgerechnet werden könnte, ist das arg mager.
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