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Karlsruhe-Grötzingen Gras wird teurer: Polizei hebt riesige Indoor-Anlage in Grötzingen aus

Selbst Polizeipressesprecher Jürgen Schöfer hatte Mühe, sich an einen vergleichbaren Fund zu erinnern: Rund 3.500 Marihuanapflanzen haben Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag in einem Kellerraum in Grötzingen entdeckt. Noch haben die Beamten keinen genauen Überblick über die Dimensionen des Falls; der Straßenverkaufswert jedenfalls lässt sich nur schätzen: auf etwa 150.000 Euro.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass die Polizei Medienverteter zur Begutachtung von Marihuanaaufzuchtanlagen lädt. Doch die Dimensionen machen schnell deutlich: Das ist kein alltäglicher Fund. Rund 800 Quadratmeter, von den Betreibern mit Gipskartonwänden in Eigenarbeit parzelliert, um die rund 3.500 Pflanzen, darunter 2.500 Setzlinge, nach Wachstumsphasen trennen zu können - die Indoorzuchtanlage unterhalb eines Einkaufsmarktes in der Grötzinger Eisenbahnstraße wurde höchst professionell betrieben.

Regelmäßige Beleuchtung (mit höhenverstellbaren Pflanzlampen) war ebenso gewährleistet wie Belüftung und Bewässerung (von Hand) - da es in den Räumen keinen Wasseranschluss gab, behalfen sich die Betreiber mit 16.500-Liter-Regentonnen.

Auf dem Boden säckeweise Dünger, in Regalen Schädlingsbekämpfungsmittel und allerlei Zubehör - Kriminaloberrat Thomas Rüttler, Leiter der Kriminalpolizei Karlsruhe, fühlte sich an eine professionelle Gärtnerei erinnert. Funde dieser Größenordnung sind selten; in Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr nach Angaben Rüttlers etwa drei vergleichbare Profianlagen entdeckt.

Ein halbes Jahr Ermittlungsarbeit nach Hinweisen aus der Szene

"Zwei bis drei Jahre, vielleicht plus x" sei die Anlage in Betrieb gewesen, schätzt Rüttler. Hinweise darauf liefern hunderte Säcke mit Resten abgeernteter Pflanzen, insgesamt wohl mehrere Tausend. Sein Kollege Uwe Carl, Inspektionsleiter der Karlsruher Kriminalpolizei, beziffert den Straßenverkaufswert der noch nicht abgeernteten Pflanzen - ausgehend von fünf Euro pro Gramm - nach einer ersten groben Schätzung auf 100.000 bis 150.000 Euro.

Auf die Spur der mutmaßlichen Betreiber, eines 45 Jahre alten Mannes und zwei Frauen im Alter von 26 und 53 Jahren, sei man durch "Hinweise aus der Szene und anschließende langwierige Ermittlungsarbeit" gekommen, erläutert Rüttler weiter. Etwa ein halbes Jahr habe man gegen die drei Tatverdächtigen, die alle aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe stammen, ermittelt. Am Montagabend nun durchsuchte die Polizei gleichzeitig fünf Objekte im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sowie eines in Heilbronn. Dabei entdeckten die Beamten die Aufzuchtanlage; die mutmaßlichen Betreiber wurden festgenommen.

Heute wird geerntet

Möglicherweise noch in diesem Jahr könne es zur Hauptverhandlung kommen; das zu erwartende Strafmaß werde wohl "nicht unter einem Jahr, voraussichtlich darüber" liegen, meint Carl. Gegen das Trio wurden am Dienstagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle erlassen. Die weiteren Ermittlungen zielen nun vor allem darauf ab, die Absatzwege, gegebenfalls ein Netzwerk zum Verteiler des Marihuanas aufzudecken. Apropos Marihuana: Das wird zwar in Erfüllung seiner Bestimmung tatsächlich in Rauch aufgehen - allerdings nicht in Joints oder Pfeifen, sondern im Verbrennungsofen der Polizei. Die Pflanzen, so ist angekündigt, werden hierzu noch heute mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei abgeerntet.

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