Karlsruhe Gewaltprävention an Schulen

Solche Szenen sollen mit dem Präventionsprojekt der Vergangenheit angehören (Foto: ka-news)
Das Thema Gewalt an Schulen ist aktueller denn je. Ab heute müssen sich vor dem Hildesheimer Landgericht elf Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren verantworten, weil sie einen Mitschüler über zwei Monate grausam gefoltert und gedemütigt haben. Die Anklage lautet unter anderem gefährliche Körperverletzung und räuberische Erpressung. Damit es in Karlsruhe nicht so weit kommt wie in Niedersachsen, hat sich der Stadtjugendausschuss (Stja) eine besondere Art der Gewaltprävention ausgedacht.

In insgesamt drei Projekten für Schulkinder von etwa sechs bis 17 Jahren, soll den Heranwachsenden beigebracht werden, bei Konflikten mit anderen nicht gleich Gewalt anzuwenden, sondern den Dialog mit seinem Gegenüber zu suchen um die Angelegenheit friedlich zu klären. Wie der Geschäftsführer des Stja, Klaus Pistorius betont, "war das Thema Gewalt an Schulen lange Zeit tabu". Aktiv thematisiert wurde es lediglich im Stadtjugendausschuss - und zum Leidwesen vieler Kinder und deren Eltern auch auf der Straße. Doch durch Geschehnisse wie in Erfurt und Hildesheim sind auch die Schulverantwortlichen endlich aufgewacht und wurden für dieses Thema sensibilisiert.

"Mittlerweile kommen viele Lehrkörper auf uns zu und fragen, ob sie an einem der in Frage kommenden Kursen teilnehmen dürfen", so Susanne Günther vom Stja, die als Ansprechpartnerin bei den Projekten zur Gewaltprävention dient. "Wichtig ist vor allen Dingen, dass die Schulen voll hinter diesem Angebot stehen und sich im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten an den Projekten beteiligen, die in Kooperation mit dem 'Männer.Büro Karlsruhe' und der 'In Nae (koreanisch für Geduld) Frauenselbstverteidigung und Kampfkunst' ablaufen."

Grenzen setzen und Geschlechterrollen

Im ersten der drei Projekte sind die Zielgruppe Mädchen und Jungen im Grundschulalter, die sich an drei Vormittagen zu jeweils drei Stunden mit dem Thema "Grenzen setzen - Grenzen achten" auseinandersetzen. Das Ziel dieses Projekts ist die Anregung eines wertschätzenden Umgangs der Kinder mit sich selbst und anderen. In einer reinen Mädchen- beziehungsweise Jungengruppe sowie einer gemischten Gruppe soll den Kindern mit Rollenspielen, Übungen zur Körpersprache, Entspannungsübungen und anderen Methoden die Möglichkeit gegeben werden, sich mit ihren eigenen Grenzen auseinanderzusetzen und die Grenzen ihrer Mitmenschen zu erkennen. Das Hauptaugenmerk wird dabei vor allem auf die spezifischen Geschlechterrollen von Jungen und Mädchen im täglichen Umgang miteinander gerichtet.

Die Fortsetzung dieses "Einstiegsprojekts" findet sich in den Projekten "Gewaltig junior" für Schulklassen aller Schularten im Alter von acht bis 13 Jahren und "Gewaltig" für Kinder in Schulen und Horten im Alter zwischen zehn und 17 Jahren in jeweils sechs Schulstunden. Die Kinder lernen in diesen "Fortgeschrittenen"-Projekten zum Beispiel den Umgang mit provozierendem Verhalten, alternative Handlungsmöglichkeiten, Gefühle zu unterscheiden und angemessenes Verhalten in schwierigen Situationen. Wer Interesse oder Fragen zu den vorgestellten Projekten hat, sollte sich mit Frau Günther unter Telefon 0721/1335621 in Verbindung setzen.

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