Gert Oettinger: Klinikclown Dodo

"Die Kinder wissen, da kommt einer, der macht einfach nur Spaß." Seit sieben Jahren besucht er die Patienten der Kinderklinik und sorgt mit Zaubertricks und Ballon-Tieren für Erheiterung: Dodo der Clown des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Mit ganz viel Gefühl schafft er es, auch verängstigte Kinder aus der Reserve zu locken und ihnen ein Stück "Kinderwelt" zurückzugeben.

Gert Oettinger stammt aus Linkenheim und bezeichnet sich selbst als "überzeugten Karlsruher". Derzeit wohnt er mit seiner Familie in Leopoldshafen. "Ich mag an Karlsruhe, dass alles da ist, aber man dennoch seine Ruhe hat und viel Grün drumherum ist", beschreibt Oettinger die Vorteile seiner Heimatstadt.

Die Ausbildung zum Krankenpfleger machte er am Diakonissenkrankenhaus, kam jedoch schon bald ans Städtische Klinikum. Dort arbeitet er seit sieben Jahren neben seiner Tätigkeit als Pfleger auch als Clown in der Kinderklinik. Seit kurzem ist er neben seinem gewohnten Mittwoch auch montags mit roter Nase und grün-bunter Latzhose auf den Fluren der Kinderklinik unterwegs (siehe auch: "Dodo bringt Kinderaugen zum Leuchten").

Dabei begleitet ihn für einen halben Tag ein Clown der "Roten Nasen". Dadurch ändert sich allerdings die Situation für das Kind - es wird leicht zum Zuschauer, das das Spiel der beiden Clowns beobachtet. "Wir sind da noch am Ausprobieren", erklärt Oettinger, "es geht immer darum, was gut ist fürs Kind." So ist beispielsweise den kleinen Patienten auf der onkologischen Station, die aufgrund der schwierigen Situation oft länger brauchen, um den Clown an sich heranzulassen, die Beziehung dann um so wichtiger. "Einige kennen mich auch schon seit Jahren", berichtet Oettinger.

Die Idee zum Klinikclown kam ihm während eines Clownkurses bei der Wirkstatt, "das war sozusagen mein 'Augenöffner'", erklärt Oettinger. Er habe immer schon eine Affinität zum Zirkus gehabt und sich an entsprechenden Projekten beteiligt. "Man könnte sagen, ich hatte einen Hunger nach dem eigenen Clown", versucht er seine Motivation zu beschreiben. Er belegte dann weitere Kurse und schließlich absolvierte er eine berufsbegleitende Clownsausbildung an der Schule für Tanz und Theater in Hannover.

Dabei unterscheide sich die Arbeit eines Klinikclowns deutlich von der eines Bühnen- oder Zirkusclowns. So sei Zauberei ein wichtiges Element, doch "das Allerwichtigste ist, dass das Kind im Mittelpunkt steht". Oettinger legt viel Wert darauf, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen: "Deshalb knie ich mich auf den Boden, um dem Kind nicht von oben herab, sondern auf gleicher Ebene zu begegnen."

Und was dann so spielerisch aussieht, ist sehr wohl durchdacht. "Ich muss zum Beispiel die Sprache anpassen, ein Dreijähriger braucht nach jedem Satz eine kurze Pause, um das Gesagte zu verarbeiten", erklärt Oettinger. Diese Tempovariationen im Sprechen habe er auf der Clownschule gelernt. Anderes konnte er bisher nicht einsetzen, weil die Zeit und der Raum für das Ausprobieren gefehlt hätten. So würde er gerne mehr Musik oder Puppenspiel ins Programm aufnehmen. Dank des zusätzlichen Tages ist er aber optimistisch, dass sich dafür bald Gelegenheiten ergeben werden.

Dass seine Besuche bei den kleinen Patienten eine so positive Wirkung haben, sieht Oettinger vor allem darin begründet, dass der Clown ohne Anspruch zu den Kindern kommt. "Es ist wichtig, dass bei allem was ich mache, die Kinder als Sieger hervorgehen. Niemals darf ein Scherz auf Kosten der Kinder gehen", erläutert er seine Methode. Auch die Mütter seien als "Zielscheibe" tabu. Die Gemeinsamkeit von Clown und Kindern lägen dabei einerseits in der positiven Sichtweise von Dingen und andererseits in einer gewissen Begrenztheit.

Auch der Clown stößt ständig an seine Grenzen, kann vieles einfach nicht oder macht etwas falsch. Das kennen die Kinder und reagieren positiv auf Dodos kleine Fehler und Macken. "Auch wenn mal etwas nicht klappt, lebe ich den Kindern vor, immer nach vorne zu schauen", so Oettinger über seine Rolle, "das würde auch einigen Erwachsenen gut tun." Auch wenn gewisse medizinische Auswirkungen von Lachen auf die Genesung von Kranken nachgewiesen sind, findet es der Klinikclown wichtiger, für die Kinder einen "Zauber" zu schaffen. Die Ballon-Tiere beispielsweise, die Dodo den Kindern bastelt, würden viele aufheben und jedes Mal, wenn sie damit spielten, erinnerten sie sich an den Besuch des Clowns und würden von ihren Schmerzen und Sorgen abgelenkt. "Ich habe auch schon von Müttern gehört, dass die Kinder sich nach dem Klinikaufenthalt sehr schnell an nichts mehr erinnern, nur vom Besuch des Clowns erzählen sie noch lange", freut sich Oettinger über die gute Resonanz.

Natürlich kommt Dodo nicht bei allen Kindern gleich gut an: "Man muss schon spüren, ob die Kinder zu erreichen sind oder nicht." Als Klinikclown geht es jederzeit darum, sensibel zu sein für das Kind. Nähe und Distanz würden immer vom Kind bestimmt, niemand anders - auch nicht die Mutter. "Es kommt vor, dass die Mutter mich hereinwinkt, das Kind aber gar nicht bereit dafür ist, sich hinter dem Vorhang versteckt oder ähnliches. Dann nehme ich mich natürlich aus der Situation heraus - manchmal hat ein Clown keinen Platz." Aber das sei auch das Spannende, kein Besuch sei gleich.

Und dann gibt es noch das, was Oettinger mit "einem magischen Moment" beschreibt: Ein kleiner Patient, der von der Krankenhaussituation und den Schmerzen verängstigt und verunsichert ist, lässt sich auf das Spiel des Clowns ein und verwandelt sich innerhalb kurzer Zeit in ein ausgelassen lachendes Kind. "Wenn ich nur das erreiche, dass ein Kind einen glücklichen Moment hat, obwohl die Situation eigentlich so schlimm ist, dann hat sich meine Arbeit schon gelohnt - das ist es wert", erzählt der passionierte Clown mit glänzenden Augen. Und das nimmt man ihm sofort ab.


Beschreiben Sie sich mit drei Worten

1. Schwer
2. Zu
3. Sagen (echt schwer)

Was ist Ihre größte Stärke?
Weiß ich nicht, will´s vielleicht auch gar nicht wissen! 

Was ist Ihre größte Schwäche?
Weiß ich, aber sag ich nicht! 

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich wollte damals Puppenspieler werden und so weit weg ist der Clown davon gar nicht

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ich würde gern ein Bühnenstück oder ein gute Straßentheaterstück als Clown erarbeiten

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Wenn Ich die Spülmaschine umräume

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf meine Clownnase, die hat mein Leben sehr nachhaltig verändert

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Mich selbst, um mal die „aufgehende Erde“ zu beobachten

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Ich hatte mal eine kurze Begegnung mit einer Frau die drei schwerstbehinderte Kinder adoptiert hat. Echt beeindruckend! 

Welche Musik und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Mr President von Pink und Willkommen bei den Sch´tis

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Kalte Asche von Simon Beckett

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Unsere Katze MIRA 

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Ich bin einfach in dieser Stadt daheim, vielleicht nicht reizvoll, aber gut 

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
Ich würde die Schirmherrschaft über die Clownarbeit an der Kinderklinik übernehmen (Ich hoffe ich muss nicht OB werden, bis das passiert)

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Erstens braucht man Gesichter, keine Köpfe. Und zweitens gibt es für mich nichts Markanteres als ein lachendes Kindergesicht egal ob aus Karlsruhe, Deutschland oder sonst wo her! 

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Alle die ehrlich um das Wohl der Kinder in diesem Land besorgt sind

Wie und wo möchten Sie sterben?
Schmerzfrei, mit Blick auf´s Meer

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Muss ich zum Glück nicht entscheiden!

(tan)

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