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Karlsruhe Gemeinderäte diskutieren hitzig über Alternative zu Nightliner - nun sind KVV und VBK am Zug, Lösungen zu erarbeiten

Wer in Karlsruhe auf Bus und Bahn angewiesen ist, hat es in den Nächten unter der Woche nicht leicht. Lediglich einmal pro Nacht fahren die Karlsruher Nachtbus- und Bahnlinien – die "Nightliner". Denn: Im Jahr 2016 wurde das Angebot aus Kostengründen zurückgefahren. Nun fragt die Grünen-Fraktion die Stadt Karlsruhe nach Alternativen – könnten Sammeltaxis eine Lösung sein?

Wer unter der Woche spät nachts mit Bus und Bahn nach Hause fahren möchte, steht in Karlsruhe oft lange an der Haltestelle: Nur einmal in der Nacht, um 4.30 Uhr am frühen Morgen, fahren die Karlsruher Nightliner – vier Bahn und vier Buslinien – ab dem Marktplatz in die verschiedenen Stadtteile. Nur an den Wochenenden, von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag, verkehren die Nightliner stündlich.

Nightliner wurden 2016 "eingespart"

Das war nicht immer so: Bis zum Jahr 2016 gab es auch unter der Woche in der Nacht eine Anbindung im Stundentakt. Diese wurde damals im Rahmen des Haushaltsstabilisierungs-Prozesses aus Kostengründen so gut wie abgeschafft - nur die Fahrt um 4.30 Uhr blieb an den Wochentagen erhalten.

Karlsruher Nightliner
Unter der Woche fahren die Nightliner nur einmal pro Nacht. | Bild: Verkehrsbetriebe Karlsruhe

Nun fordert die Fraktion der Grünen die Stadt in einem Antrag dazu auf, gemeinsam mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) ein Konzept für "nächtliche Mobilität unabhängig von motorisiertem Individualverkehr" zu erarbeiten.

"Wir sehen einerseits die unverhältnismäßig hohen Kosten des Nightliner-Betriebs unter der Woche. Gleichzeitig sehen wir die Forderung nach bezahlbarer Mobilität in der Nacht als berechtigt an", so die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag. 

Taxi-Sharing statt Nightliner-Angebot?

Ob die Nightliner in Zukunft wieder häufiger fahren werden, bleibt allerdings erst einmal offen. Stattdessen im Gespräch: Taxi-Sharing-Angebote. "Es ist aktuell so, dass mit mytaxi - zukünftig 'free now' genannt - und mytaximatch zwei Apps am Markt sind, die prinzipiell die Möglichkeit zum Taxi-Sharing anbieten," teilt die Stadt in ihrer Stellungnahme mit. "Allerdings ist die Möglichkeit des Taxi-Sharings immer eine Entscheidung der örtlichen Taxizentralen."

Taxi in Karlsruhe
Taxi-Sharing könnte eine Alternative zum Nightliner-Konzept sein. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Eine andere Möglichkeit wäre laut der Stadt Karlsruhe ein sogenanntes "Ridepooling"-Angebot. Dahinter verbirgt sich das Konzept, dass bei vielen Anfragen automatisch Fahrgemeinschaften mit ähnlichem Ziel gebildet werden. Anbieter eines solchen Dienstes sind laut der Stadt beispielsweise Moia, Via und clevershuttle.

"Diese Anbieter wählen die Städte aus, in denen sie hoffen, am schnellsten in die Gewinnzone kommen zu können", so die Stadt. Allerdings wolle die Stadt Karlsruhe zuerst mit den Taxizentralen das Gespräch suchen, ob sie bereit wären, das Taxi-Sharing ebenfalls in Erwägung zu ziehen. Bis die Karlsruher Nachtschwärmer wieder früher nach Hause kommen können, wird es also wohl noch eine Zeit dauern.

Zurück an die Gremien

Nach der Sitzung des Gemeinderates am Dienstagmittag, liegt der Ball nun bei den Verkehrsbetrieben (VBK) und dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Hitzig wurde im Bürgersaal diskutiert, für den Antrag der Grünen gab es Zustimmung, den Zusatzantrag der Kult haben einige Fraktionen abgelehnt. Die Kult forderte, den Nightliner wieder unter der Woche und nicht nur am Wochenende fahren zu lassen. Etwa die SPD, die den Antrag ebenfalls ablehnten: "Wir haben damals ein Sparpaket geschnürt und da gehören die Nightliner dazu. Wir lehnen den Antrag ab", so Hans Pfalzgraf in seiner Rede zum Thema. 

Andere Fraktionen standen dem Thema offener gegenüber. "Wir müssen die Interessen der jungen Generationen betrachten und Anreize für die Nutzung des ÖPNV schaffen", sagt Max Braun, von der Kult-Fraktion. Und Paul Schmidt von der AfD ergänzt: "Gutscheine für junge Menschen für diese Taxifahrten, diese Option sollte man prüfen!" 

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  •   ralf
    (3654 Beiträge)

    26.06.2019 14:38 Uhr
    Schichtarbeit vs. Partyheimfahrt
    Natürlich sind Modelle ohne festen Fahrplan für das Partypublikum interessant. Dennoch muss der schichtarbeitenden Bevölkerung eine pünktliche Fahrt zum Arbeitsplatz ermöglicht werden. Das geht nur begrenzt mit Ruftaxi. Darum sollte man Vorsichtig sein, wenn es um die Abschaffung der ersten Nightliner-Fahrt geht.
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  •   ramius
    (179 Beiträge)

    26.06.2019 14:23 Uhr
    kein Taxisharing
    Wir brauchen mehr ÖPNV und keine stinkenden Taxis. Autofahrten müssen vermieden werden, sind also keine Lösung. Seltsamer Vorschlag der Grünen.
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  •   107
    (378 Beiträge)

    26.06.2019 19:26 Uhr
    die GRÜNEN sind seltsam.
    politisch werden diese zwar eher links verortet aber deren Handlungsweise ist irgendwie anders.
    Wer sichs leisten kann wählt GRÜNE.
    übrigens: Taxi zählt zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) festgestellt vom Bundesverfassungsgericht schon anno 1960.
    UBER und Co. sind so überflüßig wie ein Kropf.
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  •   107
    (378 Beiträge)

    25.06.2019 20:02 Uhr
    die "GRÜNEN" wollen alles
    und zwar sofort

    und das Ganze für umme.
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  •   Südpfälzer
    (4 Beiträge)

    26.06.2019 17:28 Uhr
    Grün
    LOL
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  •   Krawallradler
    (507 Beiträge)

    26.06.2019 08:03 Uhr
    "für umme"
    bekommen die Grünen hier in Karlsruhe und überall sonst vor allen immer mehr Wählerstimmen, auch weil Sie und ihre AFD-Kollegen jeden Tag "für umme" Werbung für die Grünen bei KA-News machen.

    Dafür möchte ich mich auch mal bedanken.
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  •   107
    (378 Beiträge)

    26.06.2019 19:34 Uhr
    mein lieber Krawallradler
    tatsächlich sind Sie der erste der mich zu einem AfDler abstempelt.
    Sollte eine AfD es schaffen einen völkerrechtlich verbindlichen Friedensvertrag herbeizuführen, dann, aber erst dann, könnte es mir gelingen, mich diesen anzuschließen.
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  •   dipfele
    (5360 Beiträge)

    25.06.2019 21:13 Uhr
    Absoluter Nonsens...
    …. denn kostenlos muss das ja nicht sein. Auf gewissen Strecken gibt es bereits Anruf-Linien-Taxis im Nachtverkehr. Ausserdem ist der Fahrer das teure Element, nicht das Fahrzeug.
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  •   Holzbierebub
    (212 Beiträge)

    25.06.2019 14:08 Uhr
    Die Grün*innen
    wurden gestern bei "Hart aber fair" übelst verbal verdroschen. Schülersprecherin Schulze hat sich um Kopf und Kragen geplappert. grinsen
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  •   Bahnnutzer100
    (211 Beiträge)

    26.06.2019 15:31 Uhr
    das stimmt ja gar nicht!
    Die Schulze war wirklich gut, Sachkenntnis war auf ihrer Seite!
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