Karlsruhe Gedenken an dunkle Zeiten

Bürgermeister Denecken empfängt ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen vor dem ZKM (Foto: ka-news)
Ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen, zum Teil in Begleitung ihrer Kinder, folgten der Einladung der Stadt Karlsruhe und besuchten am gestrigen Mittwoch die ehemalige Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), in der sich heute das Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) befindet. Viele von ihnen wurden dort während des Zweiten Weltkriegs zur kriegserhaltenden Arbeit gezwungen.

Bürgermeister Harald Denecken begrüßte im Beisein der Stadträtin Doris Baitinger die fünfzehnköpfige Gruppe aus Polen. Er wisse, dass der Besuch einen schweren Gang darstelle, verbunden mit Wehmut, Schmerzen und dunklen Erinnerungen. Er vermittelte in seiner Ansprache, wie wichtig es für die Stadt Karlsruhe sei, sich an diese düsteren Kapitel der Geschichte zu erinnern. "Es macht mich betroffen, wenn ich bedenke, dass im Jahre meiner Geburt, 1945, mit mir 40 Kinder in Lagern der DWM geboren worden sind. Und dass bei der jetzigen Begegnung im ZKM ein Kind der damaligen Zeit unter den Gästen ist, macht uns letztlich im Prinzip zu Brüdern und Schwestern." Und er wolle ihnen zeigen, dass sich an diesem Ort eine "Fabrik des Todes" in eine "Fabrik der Kultur" verwandelt habe.

Ehemalige Arbeitsstätte weckt viele Erinnerungen

Es wirkte auf eine überraschende Weise unbelastet, das Zusammentreffen, das da im ZKM stattfand, dies war insbesondere bei der anschließenden Führung durch die Kultureinrichtung zu merken. Viele der ehemaligen Zwangsarbeiter trauten ihren Augen kaum, als sie die nunmehr hellen Hallen ihrer früheren Arbeitsstätte betraten. "Früher war hier alles abgedunkelt und nicht so hell wie jetzt", erinnert sich eine ältere Dame. "Damals kamen wir aber von dort herein", erzählt sie in polnisch weiter und zeigt in Richtung Lorenzstraße, "Natürlich wurden wir immer kontrolliert und es kam auch mal vor, dass wir dann eine 'gewischt' bekamen. Einfach so."

In den den Räumen der heutigen HfG, wurden während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter beschäftigt (Foto: ka-news)

Bereits nach einigen Schritten im Eingangsbereich entstehen angeregte Gespräche der Besucher, die sich überwiegend in ihrer Muttersprache unterhalten. Die Mitarbeiterin des ZKM, welche die Führung leitet, findet kaum Zeit, auf den ehemaligen Schienenverlauf früherer Fabrikwaggons aufmerksam zu machen. Stattdessen widmet sie sich aufmerksam dem spontanen Erzählfluss der ehemaligen Zwangsarbeiter. Einige unter ihnen erinnern sich lebhaft zurück, wie es in der heutigen Hochschule für Gestaltung (HfG) vor dem Umbau ausgesehen hat. "Hier im ersten Stock war die Montage", beeilt sich der die Gruppe begleitende Dolmetscher zu übersetzen, "und dort oben im zweiten Stock standen die Schlossermaschinen." Einer der ältesten ehemaligen Zwangsarbeiter deutet auf eine Stelle: "Genau hier standen meine Schlossermaschinen, kleine und große. Ich durfte sie erst nach dreimonatiger Schulung sowie einem Probemonat selbstständig bedienen."

In der DWM waren 4.500 Zwangsarbeiter beschäftigt

Wie er können es die meisten kaum glauben, was nun aus der Fabrik geworden ist. Der Eindruck sei gewaltig bei der Erinnerung an die vielen Situationen und Plätze und natürlich auch bedrückend. Aber der Besuch helfe, das beklemmende Gefühl der Erinnerung an diesen Ort weichen zu lassen, äußert sich eine ehemalige Zwangsarbeiterin, welche mit gerade mal 14 Jahren nach Karlsruhe in die DWM kam. Eine andere Teilnehmerin würdigte ausdrücklich das Engagement und die Auseinandersetzung der Stadt mit dem unbequemen Thema.

Die Tafel am Eingang des ZKM soll Andenken und Mahnmal zugleich sein
(Foto: ka-news)

Die Stadt Karlsruhe lädt seit 1997 ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen ein und leistet mit Veranstaltungen dieser Art zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte Pioniersarbeit. In Karlsruhe waren zur Zeit des Dritten Reichs 17.000 Menschen aus 13 Nationen zur Arbeit gezwungen, davon allein 4.500 in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik. Heute erinnert eine Gedenktafel vor dem Eingang des ZKMs an die Opfer der Zwangsarbeit.

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