Gabriela Büssemaker: Oberbürgermeisterin in Ettlingen

Das habe es in Ettlingen seit Kriegsende noch nie gegeben, "eine Frau als Bürgermeisterin", meinte kurz nach der Wahl im Juli des Jahres 2003 ein älterer Mitbürger nach Verkündigung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses. Ein anderer konnte es an diesem Abend lange nicht fassen: Dieser war früher selbst in Amt und Würden, lange Zeit Rathauschef in Ettlingen und schüttelte immer wieder den Kopf. Mit einem rot-gelb-grünen Bündnis zur Wahl, einer echten Ampelkoalition der Opposition im Ettlinger Gemeinderat, schaffte es Gabriele Büssemaker damals in nur wenigen Wochen, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt am Rand des Albtals von ihrer Person zu überzeugen. Bei einer Wahlbeteiligung von rund 57 Prozent, mehr noch als bei der Wahl acht Jahre zuvor, erhielt sie 53,48 Prozent der Stimmen.

In Kürze ist die 52-jährige ehemalige Veranstaltungsmanagerin, von 1992 bis 1997 Geschäftsführerin des FDP-Kreisverbandes Ludwigshafen, und später Beisitzerin im Vorstand des FDP-Kreisverbandes Mannheim und im Landesverband, nun fünf Jahre lang Oberbürgermeisterin von Ettlingen. Sie hat damit eine lange CDU-Vorherrschaft im Rathaus gebrochen, wird zudem seit einiger Zeit von einer weiblichen Kollegin, Cornelia Petzold-Schick im Amt der Ersten Bürgermeisterin der Stadt, unterstützt. Die zweifache Mutter, die ihren neuen Lebensmittelpunkt in der südlich an Karlsruhe angrenzenden Stadt Ettlingen gefunden hat, sorgte für manche Veränderung: nicht zuletzt wechselnde Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat, in dem ein Jahr nach ihrer Wahl zur OB, zwei freie Wählergruppen neu Einzug hielten.

Heute ist nicht nur die Homepage der Stadt aufgepeppt, ein eigener Blog für die Oberbürgermeisterin wurde dort eingerichtet – mit der sizilianischen Stadt Menfi ist auch eine neue Städtepartnerschaft mit Süditalien ins Boot geholt worden. Damit pflegt die Kernstadt Ettlingen inzwischen sechs Partnerschaften, daneben mit Städten in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Russland und im ostdeutschen Bundesland Sachsen. Die Oberbürgermeisterin selbst hat einen weltläufigen Hintergrund: geboren in Nürnberg, machte sie einst Abitur an der Deutschen Schule in Brüssel. Ein Studium der Romanistik, Philosophie und der BWL hat sie allerdings nicht abgeschlossen.

Gabriela Büssemaker, die zu Jahresbeginn 2003 in Ettlingen noch weitgehend unbekannt war, fühlt sich von Anfang an wohl in der 38.000 Einwohner zählenden Stadt. Die letzten vier Jahre seien aufregend und teilweise auch anstrengend gewesen. Die Bewohner Ettlingens empfindet sie als sehr lebensfroh, sehr genießerisch, und verblüffender Weise gerade für Mannheimer offen. Neben ihr, als Oberbürgermeisterin, sei einstmals auch Vorvorgänger Erwin Vetter aus Mannheim gekommen – zudem stammten zwei Pastoren in Ettlingen aus der Quadratestadt. Zu Beginn der Amtszeit wohnte Büssemaker noch in einem Ettlinger Stadtteil, inzwischen ist sie in die Kernstadt gezogen. Auseinandersetzungen gab es zwischen den Ortsteilen zuletzt bei der Frage der unechten Teilortswahl, ein Wahlsystem, das den Stadtteilen bislang feste Sitze im Gemeinderat zusicherte.

Noch vor der Sommerpause soll diese Frage im Gemeinderat abschließend geregelt werden, denn bald schon müssen die Listen für die Kommunalwahlen im Herbst 2009 aufgestellt werden. Möglichst noch dieses Jahr will Büssemaker auch einen Grundsatzbeschluss zur notwendig gewordenen Sanierung des Ettlinger Schlosses fassen lassen. Die Schlossfestspiele sind dagegen nach einigen Turbulenzen wieder in ruhigem Fahrwasser angekommen und gelten als gesichert. Büssemaker, die vor einem halben Jahr Grossmutter wurde – ihre beiden Kinder sind inzwischen 21 und 23 Jahre alt – geht in ihrer knappen Freizeit gerne bummeln, fährt aber am Wochenende auch gerne mal weg. Das nahe gelegene Frankreich hat es ihr dabei besonders angetan. Über die mögliche Wiederwahl als Oberbürgermeisterin will sie sich indes zurzeit nicht äußern, sagt, das werde erst im Jahr 2010 entschieden.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Dynamisch, ehrlich, zuverlässig

Was ist Ihre größte Stärke?
Auf Menschen zuzugehen.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Ungeduld und chinesisches Reisgebäck

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich wollte 1. Deutsche Botschafterin in China werden und damit damals völliges Neuland betreten.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ich lebe gerade meinen Traumberuf.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Meine Quirligkeit

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Meinen Blackberry - weil ich mit ihm den ganzen Tag und überall auf unterschiedliche Weise kommunizieren kann.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Mich selbst – um Neuland zu betreten. Ich sehe darin nichts Negatives – eher eine Auszeichnung, die ich gerne wahrnehmen würde.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Ich bewundere Hildegard Hamm-Brücher wegen ihrer Gradlinigkeit.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Der Musiker Freddie Mercury mit „We are the champions“ und der Film “Tanz der Vampire”

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
„Die Kathedrale des Meeres“ von Ildefonso Falcones

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Pferd

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Ich würde gerne in die Rolle von Helmut Schmidt treten wegen der weitreichenden Entscheidungen die er in seinem Leben getroffen hat.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Ich finde Karlsruhe reizvoll, weil sie die Stadt des Rechtes ist.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Ich würde mehr Bäume in der Innenstadt pflanzen lassen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Der Philosoph Peter Sloterdijk aus Karlsruhe und als deutsche Köpfe sehe ich unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundespräsidenten Horst Köhler.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Die Angst vor Fremdenfeindlichkeit

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Loriot, alias Vicco von Bülow und sein Humor. Wir Deutschen lachen zu wenig.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Ganz sanft zu Hausen entschlafen.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Starke Mädchen kommen überall hin…

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