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Karlsruhe Friedhöfe in Karlsruhe: Keine Grabmale aus Kinderhand

Die Stadt Karlsruhe hat gemeinsam mit den Steinmetzen und dem Verein "Zur Pflege der Friedhofs- und Bestattungskultur" eine Maßnahme vorgestellt, die verhindern soll, dass Grabmale aus Kinderarbeit auf den Friedhöfen der Fächerstadt aufgestellt werden.

Ausbeuterische Kinderarbeit gibt es in vielen Bereichen der so genannten "Dritten Welt". Seit bekannt wurde, dass besonders in Indien Kinder beim Abbau von Natursteinen beziehungsweise der industriellen Fertigung von Grabmalen zum Einsatz kommen, wird bundesweit eine sehr emotionale Diskussion zu diesem Thema geführt. Nach juristischer Überprüfung kam die Stadtverwaltung jedoch zum Ergebnis, dass ein grundsätzliches Verbot nicht in eine kommunale Satzung aufgenommen werden kann.

Daher wurde unter der Leitung von Bürgermeister Klaus Stapf eine Aktion auf den Weg gebracht, welche auf die Selbstverpflichtung der Steinmetze setzt: Diese verpflichteten sich, mit den entsprechenden Zertifikaten auf die Grabmale hinzuweisen, welche ohne Kinderarbeit erzeugt wurden. Mit Information und Aufklärung sowie durch Angebot von Alternativen sollen Kunden vor der Bestellung eines Grabsteins über die genannte Problematik informiert werden.

Mehr als 90 Prozent der Grabmäler garantiert ohne Kinderarbeit 

Mittlerweile ist die überwiegende Mehrheit der Lieferanten in der Lage, zertifizierte Materialen anzubieten. Die Zertifizierung erfolgt durch die Organisationen "Fair Stone", "IGEP" und "Xertifix". Stapf bezeichnete die Maßnahmen als vorbildlich, weil diese nicht durch "formale Anweisungen, sondern durch eine gemeinsame Arbeit mit allen Beteiligten erreicht wurde." Friedhofsamtsleiter Matthäus Vogel ist "froh, dass wir diesen Weg gegangen sind". An den anderen Städten, die nun mit der juristischen Durchsetzung gescheitert sind, könne man laut Vogel erkennen, dass man die "erfolgsversprechende Variante gewählt hat".

Dank der Maßnahme bieten nun rund drei Viertel der Grabsteine aus den "Dritte-Welt"-Ländern die Garantie, ohne Kinderarbeit hergestellt worden zu sein. Zählt man die einheimischen und die aus dem europäischen Ausland stammenden Grabsteinen hinzu, bedeutet dies, dass mehr als 90 Prozent der angebotenen Produkte garantiert aus fairem Handel stammen. Damit ist der "Stein angestoßen", die Öffentlichkeit weiter für dieses Thema zu sensibilisieren: Wenn immer mehr Kunden nach solchen Grabmälern fragen, wird es in nicht allzu ferner Zeit ausschließlich ohne Kinderarbeit gefertigte Produkte geben.

Zudem erklärte Stapf, dass auch den Straßenbau in Karlsruhe betreffend Maßnahmen auf den Weg gebracht werden sollen. Auch hier ist die Problematik mit aus Kinderarbeit gewonnenen Natursteinen ein Thema: Beim Bauamt "liegen Vorhaben für fairen Handel auf dem Tablett", so Stapf.

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Kommentare (3)
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  • unbekannt
    (3882 Beiträge)

    25.03.2009 10:50 Uhr
    Da Geiz bekanntlich geil ist
    wird Kinderarbeit oder Arbeit unter schlechten Bedingungen wohlwissend in Kauf genommen..
    Billigschuhe, Billigklamotte, Teppiche ....... warum nicht auch Grabsteine....
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  •   andip
    (9060 Beiträge)

    25.03.2009 10:36 Uhr
    Zertifikate
    gibt es viele.
    Aber ob man sich wirklich daran hält und diese auch überprüft,ist eine andere Frage.
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  •   specknase
    (168 Beiträge)

    25.03.2009 09:11 Uhr
    Erschreckend...
    was es alles auf der welt gibt!
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