Finanzdesaster befürchtet

Frei nach Altkanzler Gerhard Schröders zitiertem Ausspruch: "Ich will hier rein!" (Foto: ka-news)
Wahl-Reportage (7) von Tobias Frei

Die Sonne scheint und Jürgen Wenzel strahlt. Der Mann hat Großes vor, fordert eine große Lösung für die Kriegsstraße und warnt vor einem Finanzdesaster. Der selbstbewusste OB-Kandidat der Bürger für Karlsruhe (BüKA) kann sich gut vorstellen, dass seine gedanklichen Ansätze und Alternativen ihm letztendlich oberbürgermeisterliche Verantwortung bescheren werden: "Die Karlsruher sind unberechenbar, ich werde Heinz Fenrich gewaltige Schwierigkeiten bereiten."

Der gelernte Kaufmann und Kunsthandwerker Wenzel ist nicht nur einer der sieben Anwärter auf das höchste politische Amt der Stadt, er ist auch ein Mann von klaren Worten und öffentlichkeitswirksam formulierten Ideen. Seine "Große Kriegsstraßenlösung" ist in diesem Sinne wohl die signifikanteste eines Pools, an dem er ka-news entlang eines "Gedankenwegs" von der Ost- in die Innenstadt teilhaben lässt, der sowohl den Menschen als auch den außerparlamentarischen Politiker Jürgen Wenzel in den Blickpunkt rücken soll.

Wenzel: "Werde alles tun, um U-Strab zu verhindern"

Der informative Spaziergang beginnt auf dem Areal des bald zu beerdigenden Schlachthofs und zukünftigen Kreativparks Ostaue, und ein wortreicher Wenzel nimmt den lokalen Ball gleich verbal auf: "Ich halte die 'Kombi-Lösung' für den größten vorstellbaren verkehrstechnischen und finanziellen GAU!". Die Karlsruher hätten der Stadt 1996 mit der Ablehnung beim ersten Bürgerentscheid bei einer Quote von 65 Prozent "den formalrechtlichen Auftrag erteilt, nach Alternativen zu suchen", den Vorwurf der Nichterfüllung müsse man sich nun gefallen lassen. Apropos Alternativen - Wenzel hat eine, und natürlich Argumente dafür.

Die geplante Kombi-Lösung - nicht mit OB-Kandidat Jürgen Wenzel (Foto: ka-news)

"Meine 'Große Kriegsstraßenlösung' ist natürlich vorerst eine Vision, die sich nicht in kürzester Zeit realisieren lässt; nichtsdestotrotz muss damit begonnen werden." Etwas martialischer formuliert will ein unideologisch wirkender Wenzel die Kombi-Lösung wieder "auseinanderreißen", sprich entkombinieren, das Vorhaben wieder in "die zwei Bauvorhaben trennen, die es eigentlich sind". Seine Vorstellungen sehen dabei wie folgt aus: "Ich will um jeden Preis die Untertunnelung der Kaiserstraße verhindern und bin im Übrigen auch der einzige Kandidat, der sich definitiv dagegen ausspricht. Meine Idee ist, ausschließlich die Straßenbahnen (wohlgemerkt oberirdisch) durch die Innenstadt zu führen, alle Stadtbahnen und Doppeltraktionen (Anmerkung der Redaktion: Bahnen mit zwei Triebwagen) sollten meiner Ansicht nach komplett durch die Kriegsstraße geleitet werden." Wenzel wird sichtlich emotional, wenn er die subjektiv eingeschätzten Nachteile einer geplanten U-Strab beschreibt.

"Kriegsstraßenlösung": Durch Schlachthofgelände über Oststadtkreisel

"Falls überhaupt Fördermittel von Bund und Land fließen" - der betreffende Antrag liegt seit 2004 in der Landeshauptstadt -, "sind diese um fünf Prozent geringer als ursprünglich vorgesehen." Die Stadt werde also zirka "100 Millionen Euro selbst schultern müssen", dies wäre nach Wenzels Ansicht "eben in etwa die Summe, die der Kriegsstraßenumbau verschlingen würde". Von dauerhaften Betriebs- und Unterhaltungskosten mal abgesehen, die sich bei einer unterirdischen Lösung auf zusätzliche Faktoren wie "Beleuchtung, Fluchtwege, Videoüberwachung" und spezifische "Wartungsarbeiten" erstrecken würden, ergäben sich bei jeder Haltestelle neue "Brennpunkte", und: "Ungeachtet einer schwierig zu bewerkstelligenden Garantie für Barrierefreiheit" und nicht zu unterschätzenden Problematik der relativen Dunkelheit "nenne ich eine fehlende Aussteigemöglichkeit an der Herrenstraße nicht gerade Kundenservice", argumentiert Wenzel und wird prägnant: "Es ist ein reines Prestigeobjekt."

Hier durch den Oststadtpark soll die reine Stadtbahntrasse führen (Foto: ka-news)

Weiter des Wegs am Tollhaus vorbei und zurück zu Wenzels "Kriegsstraßenlösung": "Am Schlachthof sollen dann also die Stadtbahnen abbiegen Richtung Kreativpark Ostaue hin zum Oststadtpark." Die Idee sei übrigens nicht ganz neu, so Wenzel offen, bereits in den 1970ern sei ein derartiger städteplanerischer Ansatz in Betracht gezogen worden. Nun habe man diese Idee "weiter entwickelt", der Bahnverkehr soll demnach über den heutigen Oststadtkreisel entlang der Kriegsstraße Ost oberirdisch bis zum Mendelssohnplatz führen. Ein Beweis, dass diese Variante (vor der gedanklichen Entwicklung der Kombi-Lösung) auch realisiert werden sollte, seien die "Keramiktöpfe und die Halterungen auf den Lampen der Kriegsstraße Ost". Und siehe da, die gibt es (wirklich).

Kriegsstraße soll begrünt und "neue Lunge" Karlsruhes werden

Nach Wenzel sind die Anbringungen an den Lampen der Kriegsstraße Ost "Beweis für die eigentliche Planung"
(Foto: ka-news)
Der sich selbst "als analytisch und rein problemorientiert denkend" beschreibende Familienvater scheut als ehemaliger Kampfsportler nach eigenen Angaben "keine Konfrontation" - und in etwa auf Höhe der Friedrich-List-Schule fliegt er dann, der Fehdehandschuh, und zwar dem amtierenden Rathauschef direkt vor die Füße: "Fenrich scheut ja wohlweislich fast jede Podiumsdikussion" (ka-news berichtete). Er habe aber Respekt vor jedem politischen Mitspieler, der offen und ehrlich zu dem stehe, was er sage, so Wenzel: "Mir sind unbequeme Menschen viel lieber als jene, die anderen nach dem Mund reden."

Jürgen Wenzel will mit "lösungsorientierten Argumenten" überzeugen und "neue Richtungen" einschlagen (Foto: ka-news)

Die Pfründe sind abgesteckt, zurück zu thematischen Inhalten: "Ich will mit meinem Ansatz die Vision der abgelehnten Bundesgartenschau verwirklichen und die Kriegsstraße mit Begrünung zu einer neuen 'grünen Lunge' der Fächerstadt machen." Spricht's und erklärt's: "Auf der Höhe des Scheck-In geht der Individualverkehr nach unten in den Tunnel" und soll auf einen Tunnel unter der Kapellenstraße treffen, der seinerseits "auf Höhe des Vogelbräu wieder nach oben kommt". Um der "Innenstadt weiterhin Publikumsverkehr zu gewährleisten", sollen auf der Kriegsstraße je rechts und links "Versorgungsspuren" entstehen, zudem in der Karlstraße und am Ettlinger Tor "zwei Anbinder nach oben" führen. Die Stadtbahntrasse gehe "inmitten der Kriegsstraße" Richtung Reinhold-Frank-Straße weiter. Der parteilose und übrigens nicht im Gemeinderat sitzende Wenzel, der dezidiert den "Menschen und nicht das Auto" im Mittelpunkt seiner Bemühungen wissen will, führt seine Idee entlang der Kriegsstraße weiter aus, am Ettlinger Tor offenbart er angesichts des ("architektonisch nicht vollständig gelungenen") ECE-Centers dann eine durchaus gewagte städtebauliche Idee: "Die Plastiken hier verdeutlichen symbolisch die auch in der Kombi-Lösung erkennbare Spaltung der Stadt. Meine Idee wäre ein Brückenbogen über das Ettlinger Tor hin zum ECE-Center, um hier Karlsruhe symbolisch zusammenzuführen."

Wenzel: "Man hat zu viel gewollt und zu wenig gemacht"

Natürlich bedeuteten auch seine Ansätze "eine Belastung für die Stadt, aber genau jene finanziellen Mittel, die in erfolg- und aus unserer Sicht sinnlose Events und Bewerbungen wie der zur Kulturhauptstadt gesteckt wurden", müssten in soziale und solche Projekte wie in das des "verkehrstechnischen Pfropfens" Brauerstraße/Reinhold-Frank-Straße fließen; eine Aufgabe übrigens, auf deren Lösung die betroffenen Bürger "ein Anrecht hätten". Der bekennende und "naturverbundene" Fahrradfahrer Wenzel schlägt leicht süffisant den Bogen: "Ich mag und sehe Karlsruhe als mittlere Großstadt im Herzen Europas und nicht als Nabel der Welt."

Es kann nur einen geben... (Foto: ka-news)

Zusammenfassend erkennt der selbsternannte "Freidenker", der ohne "Unterstützung eines Parteiapparats", parallel zum eigentlichen Brotjob des kaufmännischen Bezirksleiters für Südwestdeutschland der Ganske-Verlags-Gruppe und "eigenfinanziert" agiert, dass man propagierte Demokratie "auch vorleben müsse" und "die politische Arbeit jetzt erst los geht, egal wie die Wahl verläuft". Mit der beweislichen Unterstützung seiner Wahlplakate wolle man "weg von Phrasen und hin zu Inhalten", die Verantwortlichen der Stadt hätten "einfach zu viel gewollt und zu wenig gemacht". Und so fordert der Mitbegründer des Aktionskreises "Mehr Demokratie" auch auf der politischen Grundlage hin zu direkt-demokratischeren Strukturen ("Wenn die Schweiz dazu fähig ist, dann auch die Kommune Karlsruhe") und "mehr Mitsprache der Bürger" nicht nur einen dritten Bürgerentscheid zur U-Strab ("die Bindungspflicht des zweiten Bürgerentscheids ist übrigens bereits abgelaufen"), sondern macht final Friedrich Weinbrenners Worte auch zu den seinen: "Die Kriegsstraße soll zum schönsten Boulevard der Stadt werden!"

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