Karlsruhe Festakt für Karlsruher Nuklidkarte - auch "Ötzi" wäre begeistert

Seit nunmehr 50 Jahren liefert die Karlsruher Nuklidkarte Wissenschaftlern und Studenten in aller Welt strukturierte und präzise Daten zu den Halbwertszeiten und Zerfallsarten der Radionuklide und den Energien der von ihnen emittierten Strahlung.

Diese Daten sind wesentlich um eine Verbindung zwischen Forschung und neuen Entwicklungen in für uns alle wichtigen Bereichen herzustellen – nicht nur zur Energieerzeugung, sondern auch für sehr aktuelle Anwendungen im Bereich Medizin und Umweltschutz sowie in der Archäologie und Forensik. Die Karlsruher Nuklidkarte wurde seit 1958 vom Forschungszentrum Karlsruhe und seinen Vorgängerinstituten herausgegeben. Die Europäische Kommission – Joint Research Centre – Institut für Transurane, führt diese Tradition gemeinsam mit dem Forschungszentrum fort. Die Nuklidkarte wird in der ganzen Welt für Forschung und Lehre verwendet und hängt in vielen Chemie-Hörsälen und Labors weltweit. Zur Jubiläumsfeier kamen am gestrigen Dienstag Wissenschaftler und Vertreter aus der Politik im Gartensaal des Schloss zusammen. Renommierte Wissenschaftler, wie der Präsident der World Federation of Scientists, Professor Antonio Zichichi, gaben anhand von konkreten Beispielen und Anwendungen einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Karlsruher Nuklidkarte.

Dabei wurde auch erklärt, wie Nukleardaten bei der Suche nach Therapiemöglichkeiten für Krebs- und Viruserkrankungen helfen, wie Altersdatierungen, unter anderem von "Ötzi" und dem Turiner Grabtuch mittels Radiocarbonmethoden funktionieren und wie wichtig Nuklearforschung in der Raumfahrt ist. Zum Anlass der Jubiläumsfeier gab die Europäische Kommission – Joint Research Centre – Institut für Transurane zusammen mit dem Forschungszentrum Karlsruhe ein Jubiläumsbuch mit dem Titel „Karlsruher Nuklidkarte: Commemoration of the 50th Anniversary“ heraus, in dem neben Erläuterungen zur Geschichte der Nuklidkarte auch Beiträge internationaler Wissenschaftler und Nobelpreisträger zu finden sind.

Über 150.000 Wandkarten und über 200.000 Broschüren wurden aufgelegt


Nuklidkarten liefern eine umfassende Beschreibung der radioaktiven Eigenschaften eines Elements und seiner Isotope und geben damit einen einzigartigen Überblick über den Stand des Wissens in der Nuklearforschung. Über Strahlenschutz, Kern- und Radiochemie sowie Astrophysik hinaus wird die Nuklidkarte auch in den Lebens- und Geowissenschaften (Biologie, Medizin, Landwirtschaft, Geologie usw.) verwendet. Die Karte wurde ab 1956, dem Gründungsjahr der Kernreaktor Bau- und Betriebsgesellschaft, einer Vorläuferinstitution des heutigen Forschungszentrums Karlsruhe, entwickelt.

Sie ging aus einem „Radiochemischen Isotopenkurs“ hervor, den Professor Walter Seelmann-Eggebert, damals Direktor des Instituts für Radiochemie im Forschungszentrum und Inhaber des Lehrstuhls für Radiochemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe, anbot. Die erste gedruckte Ausgabe in Form einer Wanderkarte legte er dann 1958 gemeinsam mit Gerda Pfennig aus seinem Institut vor. Zusätzlich erschien eine Ausgabe in Einzelblättern zur Nutzung am Schreibtisch. Die erste Ausgabe enthielt 267 stabile, über 1.030 instabile Nuklide sowie 220 Isomere der damals bekannten 102 chemischen Elemente.

Infolge der großen Nachfrage wurde bereits in den 60er Jahren die zweite Auflage erstellt, 1968 schließlich eine dritte mit viersprachigen Erläuterungen (deutsch, englisch, französisch und spanisch). Im Jahr 2007 erschien die siebte Auflage der Karlsruher Nuklidkarte. Mit dieser Ausgabe setzt die gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission, das Institut für Transurane in Karlsruhe, die Tradition der Nuklidkarte gemeinsam mit dem Forschungszentrum Karlsruhe fort. Mit dieser Ausgabe werden Daten zu 2.962 experimentell beobachteten Nukliden und 652 Isomeren bereitgestellt. Außerdem wurden mit Russisch und Chinesisch zwei weitere Sprachen aufgenommen. Inzwischen sind weit über 150.000 Wandkarten und über 200.000 handliche Broschüren der Karlsruher Nuklidkarte aufgelegt und weltweit verbreitet.
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