Karlsruhe Fernsehen aus Karlsruhe

Geschäftsführer Hanno Gerwin im Radiostudio des ERB (Foto: ka-news)
Das Land bekommt einen neuen Fernsehsender. "BW Family TV" heißt das Karlsruher Unternehmen (ka-news berichtete). ka-news-Mitarbeiter Holger Keller sprach mit Geschäftsführer Hanno Gerwin über das Konzept.

ka-news: Herr Gerwin, welche Motivation steckt hinter dem Konzept von "BW Family"?
Hanno Gerwin: Unsere Ansicht ist: Wir brauchen einen Sender, der werteorientiertes Familienfernsehen macht. Wir haben uns schon seit 2004 mit diesem Konzept beschäftigt. Da gab es noch "BTV4U". Die Gesellschafter, die sich nun zusammengeschlossen haben, waren mit dem Programm von "BTV4U" nicht einverstanden - es driftete unserer Ansicht nach einfach zu sehr in die esoterische Richtung ab. Also suchten wir ein Alternativkonzept, dass wir schließlich mit der Landesanstalt für Kommunikation entwickelten. Dass es nun solange gedauert hat - im Juni bekamen wir die Lizenz - lag daran, dass auf dem Platz von "BTV4U" der Nachrichtensender "N24" wanderte und wir nun erst mal nach einem neuen Platz im Kabelnetz suchen mussten.

ka-news: Sie sprechen von einem familienorientierten Programm. Für welche Zielgruppe genau ist nun eigentlich das Programm gedacht?
Gerwin: Wenn ich sage, für die ganze Familie, dann stimmt das nicht ganz, da wir kein Kinderprogramm haben. Das wäre nicht zu realisieren gewesen. Kinder kommen als Mitglieder der Familie ins Programm, aus der Perspektive der Eltern oder der Großeltern, die sich darum Sorgen machen, welche Lehrstelle ihr Enkelkind finden kann. Aber zu unserer Zielgruppe gehören zum Beispiel arbeitssuchende Jugendliche ab 14 oder 15 Jahren. Wir werden uns viel mit dem Thema "Jobs" beschäftigen. Eigentlich bedienen wir, abgesehen vom Kinderprogramm, das gesamte Spektrum bis hin zu den Senioren, deren Situation und Interessen wir auch berücksichtigen wollen.
Es wird ein serviceorientiertes Programm sein. Das Schlagwort hier ist "News To Youth". Wir wollen auch ein echtes Hilfeangebot geben, für Probleme in allen Lebenslagen, bei Gesundheit, Kinder, Job oder der Lebensberatung. Wenn es darum geht, Formulare auf dem Amt auszufüllen oder seinem Leben wieder einen neuen Sinn zu geben.
Im Gegensatz zu "BTV4U" wollen wir diese Beratung in einem professionellen Rahmen anbieten, auf dem Niveau, wie es konventionelle, kompetente Beratungsangebote auch schon bieten.Wir wählen ganz gezielt aus, wer berät und wer dies nicht machen wird.

ka-news: Welche unterschiedlichen Formate werden denn dann die Zuschauer erwarten können?
Gerwin: Wir können das Fernsehen nicht neu erfinden. Sterne, die RTL, noch nicht entdeckt hat, werden wir nicht funkeln lassen. Wir wollen, dass unsere Zuschauer die Informationen einfach aufnehmen können. Also werden wir viele kurze Magazin-Sendungen ins Programm aufnehmen. Wir werden diese Angebote auch über Internet verbreiten, in drei Qualitätsstufen: Für DSL-Leitungen, für ISDN und dann fürs Handy, auf das man sich einzelne Beiträge herunterladen kann.

ka-news: Ist auch so genanntes interaktives Fernsehen geplant?
Gerwin: Es wird einen bunten Mix geben aus Magazin-Sendungen und Formaten, die durch Interaktivität leben. Dazu sollte man jedoch anmerken: Die Lebensberatung an sich ist interaktiv, schließlich muss man immer auf das reagieren, was die Zuschauer gerade anfragen. Das Element der Zuschauerrückmeldung wird in recht vielen Sendungen eine Rolle spielen. Wir bieten den Menschen echte Lebenshilfe. Wenn sie bei uns anrufen, bekommen sie Rat und Hilfe für ihre Situation. Wir müssen für diese Anrufe auch Geld verlangen, aber wer zum Beispiel bei der Wirtschaftssendung "Wiso" ein kostenpflichtiges Fax abruft, dem ist diese Information ja auch Geld wert, vielleicht sogar mehr wert, als der Anruf gekostet hat.

ka-news: "BTV4U" wurde in Ludwigsburg produziert. Wo entsteht denn "BW Family TV"?
Gerwin:Für "BW Family TV" wird an recht vielen Stellen produziert. So wird zum Beispiel das Magazin "Job TV" zum großen Teil in Berlin produziert. Ein Schwerpunkt der Gesamtproduktion wird dennoch auch hier in Karlsruhe liegen. Unsere Sendeabwicklung ist im "Haus der Wirtschaft" der Karlsruher Industrie- und Handelskammer, genauso wie unser neues Studio, das auch gut im Zeitplan liegt und pünktlich fertig wird. Kein gläsernes Studio, wie man es manchmal im Frühstücksfernsehen sieht, aber ausreichend dimensioniert mit vielen Produktionsmöglichkeiten, auch der Möglichkeit, live zu senden, auch wenn wir dies in der Anfangszeit wohl eher nicht machen werden. Wir legen lieber einen soliden Start hin, als fulminant zu starten und später in der schwierigen Fernsehlandschaft dieses Lands wieder unterzugehen.

ka-news: Wer macht denn nun eigentlich "BW Family TV"? Was hat sich an der Zusammensetzung der Gesellschafter seit Juni, seit der Lizenzvergabe, geändert?
Gerwin: Da hat sich einiges getan. So besitzt die Kirche mittlerweile 48 Prozent der Anteile, über verschiedene Gesellschafter verteilt. Die größten kirchlichen Anteilseigner sind die Evangelische Medienhaus GmbH mit 22 Prozent und die ERB Medien GmbH mit zehn Prozent. Es wird aber kein ausschließliches Kirchenprogramm geben. Die Kirche soll vielmehr die Werteorientierung sicherstellen. Wir können uns keine Telefonsex-Werbung im Nachtprogramm leisten und wollen dies auch gar nicht. Zweitgrößter Anteilseigner ist die Salo Holding AG in Hamburg, weitere zwölf Prozent werden von der L-TV GmbH aus Ludwigsburg gehalten. Willi Weber, Michael Schuhmachers Manager, ist mit zehn Prozent am Sender beteiligt.

ka-news: Wie kann man denn "BW Family TV" empfangen?
Gerwin: Ab dem 15. Februar wird "BW Family TV" in das Kabelnetz Baden-Württembergs eingespeist. Eine Verbreitung über Satellit ist erst einmal nicht vorgesehen. Aber wenn die Nachfrage da ist, wäre auch das zu überlegen.

Weitere Informationen zu Geschäftsführer Hanno Gerwin gibt es auch im neuen ka-news-Profil.

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