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Karlsruhe "Fast Food, nein danke!" - Slow Food in Karlsruhe setzt auf regionale Erzeuger

Gammelfleisch im Döner, EHEC, Pferdefleisch im Hackfleischbällchen, Bio-Eier, die alles andere als bio sind: Lebensmittelskandale wiederholen sich in den letzten Jahren fast genauso regelmäßig wie Ostern und Weihnachten. Die Empörung ist groß und die entsprechenden Lebensmittel werden geschmäht. Die Mitglieder der Slow Food-Bewegung achten das ganze Jahr darauf, was in ihren Lebensmitteln steckt. Auch in Karlsruhe gibt es eine Gruppe, die ihre Ernährung an den Prinzipien "gut", "sauber" und "fair" ausrichtet. Der Genuss bleibt dabei aber nicht auf der Strecke.

Jeden Samstag besucht Jens Herion den Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz. Hier kauft der Vorsitzende des Slow Food-Conviviums Karlsruhe regelmäßig frisches Gemüse und Käse ein, die den Slow Food-Prinzipien "gut", "sauber" und "fair" entsprechen.

"Gut", "sauber", "fair"

"Gut" beziehe sich auf die geschmackliche Qualität der Produkte. "Sauber" müssten Anbau und Zucht sein, was bedeute, dass weder Mensch noch Tier dabei zu Schaden kommen. "Fair" meine die Produktionsbedingungen und die Bezahlung der Erzeuger. "Damit wollen wir die Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln und denen, die sie produzieren, garantieren", erklärt Herion. Das bedeute allerdings nicht, dass ihm jetzt fair angebaute Erdbeeren und Spargel auf den Tisch kommen. "Slow Food legt besonderen Wert darauf, dass die Produkte saisonal und regional sind."

Gegründet wurde die Bewegung 1986 in Italien. Dort empörte sich eine Gruppe von Römern darüber, dass an einer zentralen Stelle ihrer Stadt ein Fast Food-Restaurant öffnete. So beschlossen sie, etwas gegen die steigende Nachfrage nach schnellem Essen zu tun. "Diese Menschen wollten, dass Lebensmittel wieder einen Wert haben und entsprechend zubereitet werden", erklärt Herion. Auch der Genuss sollte beim Essen wieder in den Vordergrund rücken. In Deutschland gibt es Slow Food seit 20 Jahren. Die Mitglieder sind in rund 80 Convivien (Tischgesellschaften) organisiert. Die Karlsruher Gruppe existiert seit rund 15 Jahren.

Slow Food ist nicht gleich bio

Das "langsame Essen" sei nicht mit Bio gleichzusetzen. "Bio passt gut zu Slow Food", bestätigt Herion. "Aber Bio ist nicht unbedingt das, was Slow Food vertritt." Denn Biolandbau heiße nicht, dass auch die Sorten- und Artenvielfalt gewährleistet sei. Mancher Bioerzeuger setze beim Anbau - wie die konventionelle Landwirtschaft - auf Monokulturen. Doch die Vielfalt der Sorten und Arten spiele bei Slow Food eine große Rolle. Diese habe in den vergangenen Jahrzehnten sehr gelitten. "Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden rund 80 Prozent der Vielfalt eingebüßt", schätzt Jens Herion.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, habe die Bewegung eine Stiftung für Biodiversität gegründet. Diese unterstütze so genannte Arche-Passagiere, also Nutzpflanzen und Nutztiere, die regional typisch und vom Aussterben bedroht sind, und Menschen die diese wieder für den Verkauf anbauen und züchten. Ein bekanntes Beispiel seien die Alblinsen. Sie waren vollständig aus ihrem einstigen Anbaugebiet auf der Schwäbischen Alb verschwunden. Seit wenigen Jahren werden sie wieder an alter Stelle angebaut und könnten sich vor Abnehmern kaum retten, freut sich Herion.

"Wer regional und saisonal kauft, zahlt nicht mehr"

Dass Slow Food nur etwas für Leute mit gut gefülltem Geldbeutel ist, findet der Convivium-Vorsitzende nicht. "Wenn man Slow Food konsequent umsetzt und Produkte aus der Region kauft, ist das nicht sonderlich teurer als im Supermarkt", findet er. Auch jetzt sei Gemüse aus regionalem Anbau vor Ort zu haben. Dieses habe keine langen Wege hinter sich und müsse nicht besonders verpackt werden. "Spargel beispielsweise ist in der Saison deutlich billiger als jetzt." Viele Menschen, die glaubten, wenig Geld für Lebensmittel zu haben, kauften häufig Fertigprodukte, die in den meisten Fällen teurer seien, als die Rohprodukte, betont Herion. "Damit geben sie am Ende mehr Geld aus."

Man muss nicht Mitglied bei Slow Food sein, um sich seinen Prinzipien entsprechend zu verhalten, sagt er. "Man muss sein eigenes Einkaufsverhalten im Auge behalten und sich fragen, was man einkaufen möchte und unmittelbar verbrauchen kann." So könne sich jeder an saisonale Erzeugnisse aus bäuerlichen Betrieben aus der Region halten. "Kunden können auf dem Wochenmarkt einfach mal den Erzeuger fragen, was er verkauft, wer er ist und wie er seine Produkte anbaut", rät Herion.

Außerdem müsse man sich fragen, ob man sich Zeit zum Kochen und zum Essen nimmt. Oder lässt man sich auf die allgemeine Hektik ein und isst etwas Schnelles, um den Hunger zu stillen? "Ich esse auch mal was Schnelles vom Bäcker", gibt Jens Herion zu. "Aber nur vom guten Bäcker, der handwerklich arbeitet. Vom Kettenbäcker brauche ich nichts." Die meisten Veranstaltungen des Vereins stehen Interessierten offen. Informationen zu allen Aktivitäten des Vereins gibt es auf der Website von Slow Food Karlsruhe.

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Kommentare (20)
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    28.02.2013 16:45 Uhr
    Artisanal?
    Da macht mich der zweite Wortteil stutzig. Und das soll gut sein?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.02.2013 19:11 Uhr
    Als
    CSD Fan gefällt dir das doch, gibs doch zu! zwinkern
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  •   joka
    (9833 Beiträge)

    28.02.2013 19:14 Uhr
    Liebe geht zwar...
    durch den Magen, aber was hinten raus kommt möchte ich nicht auf dem Teller sehen. zwinkern
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    28.02.2013 20:06 Uhr
    Bei manchen
    geht die Liebe auch durch den Darm. zwinkern
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.02.2013 20:35 Uhr
    Kommt
    eben immer auf die Richtung an... grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5 Beiträge)

    28.02.2013 15:43 Uhr
    Artisanaler Bäcker
    Ich weiß nicht genau, welche strengen Auflagen genau dieser obige Begriff beinhaltet, aber unser Bäcker Krämer hier in der Heidenstückersiedlung backt alles von Hand. Die Waren sind deutlich günstiger als irgendwo und halten meist länger. Selbstverständlich gibt es nicht jeden Tag alle Brotsorten, aber dafür schmeckt es sehr gut. Auch wenn der Verdacht nahe liegt, ich bekomme keine Provision dafür, sondern bin überzeugt.

    Prinzipiell versuche ich auch, regional und saisonal zu kaufen, sehe mich aber auch in der von 'andip' genannten Zwickmühle. Soweit ich das beurteilen kann, teile ich seine Meinung. Die Alternative wäre dann der Einkauf zur Saison und das Selbst-Haltbarmachen bzw. Lagern welcher Art auch immer.

    Ungeachtet dessen kaufe ich auch gerne Tiefkühlkost wie Gemüse und Obst, wobei ich auch hier versuche, möglichst regionale Anbieter zu bevorzugen. Diese Produkte werden oft direkt nach der Ernte ohne Zwischenlagerung tiefgekühlt. Hierbei ist allerdings der Kühlaufwand...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.02.2013 19:09 Uhr
    Der Begriff
    beinhaltet einfach, dass der Bäckerladen hintendran eine Backstub hat in der gelernte Bäcker die Backwaren herstellen.

    Teig selber machen und dann backen und dann verkaufen.

    Lörz kenn ich natürlich als Mühlburger, der kann auch nicht wirklich Brezeln. Also werd ich mal den Bäcker Neu in der Herrenstrasse (blöd hinzukommen) oder den Meier (muss ich erst ergoogeln) ausprobieren. Aber auf jeden Fall danke für den Tip. grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (30 Beiträge)

    28.02.2013 19:49 Uhr
    Bäcker Meier
    http://baeckerei-meier.com
    Goethestr. 31, da ist auch die Backstube, oder in der Südweststadt in der Jollystr. Ecke Roon oder in der Gartenstrasse Nähe Goethegymnasium
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  •   andip
    (11281 Beiträge)

    28.02.2013 15:27 Uhr
    Naja
    Obst und Gemüse nur aus der Region ist ja schön und gut.
    Aber wo wächst denn hier zur Zeit was,doch wohl kaum was.Insbesonder der erwähnte Spargel schon gar nicht.
    Obst und Gemüse aus der Region kommt momentan entweder aus der letzten Ernte und wurde bis jetzt gelagert bei entsprechenden Temperaturen oder kommt aus Gewächshäusern mit all ihren Nachteilen.
    Energetisch gesehen ist ein einheimischer Apfel,der seit Monaten im Kühlhaus gelagert wurde auch nicht besser als einer,der frisch von der anderen Seite der Welt eingeflogen wurde.
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  •   lynx1984
    (3447 Beiträge)

    28.02.2013 21:30 Uhr
    Einmachgläser Junge :-)
    Hält alles frisch. Auch Deinen Spargel. Was das dann mit Slow Food zu tun hat... muss jeder selbst mit sich ausmachen.
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