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Ettlingen Neuer Trail geplant: Mountainbike-Szene um Karlsruhe boomt

Der Mountainbike-Club Karlsruhe erlebt derzeit einen extrem großen Zulauf. Mittlerweile gehört er zu den größten Radsportklubs in Baden-Württemberg. Doch nicht bei allen ist diese Sportart beliebt.

Die Frequenz auf der Strecke ist sehr hoch und wird gut angenommen: Bis zu 200 Biker fahren den Strommmasten-Downhill zwischen Karlsruhe und Ettlingen täglich hinab. "Das hängt natürlich auch immer etwas vom Wetter und der Jahreszeit ab", erklärt der erste Vorsitzende des MTB-Clubs Karlsruhe, Holger Fenske, im Gespräch mit ka-news. Die Strecke sei ein Magnet für Mountainbiker in der Region, da es mit der einzige Zugang zum Wattkopf sei. Bis auf der Downhill-Strecke allerdings legal Mountainbiker fahren duften, musste der MTB-Club lange kämpfen.
 
Da der Zugang zur Strecke auf Karlsruher Gemarkung liegt, der Trail selbst sich allerdings auf Ettlinger Gebiet befindet, waren viele Behördengänge erforderlich, erzählt Fenske. Drei Jahre dauerte es, bis alle Behörden grünes Licht gaben und der Trail offiziell freigegeben werden konnte.

Seit der Strommasten-Downhill offiziell zugelassen wurde, zählt er zu den Beliebtesten in der Region. Fenske spricht von einem "exponentiellem Wachstum", das seit etwa zwei Jahren zu erkennen sei. Davon profitiert auch der Club, der inzwischen mit über 500 Mitglieder zu den größten Radsport-Verbänden im Land gehört. Einen extrem großen Boom erkennt Fenske vor allem durch Elektro-Bikes, die den Radsport offenbar für noch mehr Menschen zu einer attraktiven Freizeitbeschäftigung mache.

"Wir sind keine jungen Wilden" 

Doch auch wenn der Strommasten-Downhill bei Bikern rund um Karlsruhe und Ettlingen ist, so stößt das Biken im Wald bei vielen Menschen auf Unmut. Fenske kann aber nicht verstehen, weshalb Radfahrer im Wald von vielen von vornherein als "schädlich" wahrgenommen werden. "Bei einzelnen Mitgliedern aus den Gemeinderäten verschiedener Kommunen rund um Ettlingen stößt das Schaffen der Mountainbike-Szene auf großen Unmut und Ablehnung", erzählt Fenske.

Auch Wandervereine würden dem MTB-Club Karlsruhe das Leben schwer machen: "Wir wollen den Erholungswert des Waldes genauso nutzen wie Wanderer. Wir sind keine jungen Wilden, die ohne Rücksicht und Achtsamkeit durch den Wald fahren", betont der Club-Vorsitzende.
 
Auch vielen Jägern sind die Biker des Strommasten-Downhills ein Dorn im Auge. Einen Grund für die negative Stimmung gegen Radfahrer im Wald sieht der 50-jährige auch ein Stück weit in der Gesetzesgrundlage des Landes. Baden-Württemberg ist nämlich das einzige Bundesland, das an der "Zwei-Meter-Regel" festhält und somit eine pauschale Wegsperrung für Mountainbiker ausweist. Diese besagt, dass Radfahrer im Wald nur Wege befahren dürfen, die breiter als zwei Meter sind. Trails sind somit für Mountainbiker somit per Gesetz generell verboten.
 

"Neue Trails könnten den Tourismus fördern"

Derzeit befindet sich der MTB-Club in Abstimmungen mit Gemeinden des Tourismusvereins "Albtal Plus" wegen eines geplanten neuen Trails zwischen Ettlingen und Bad Herrenbalb. Der bestehende "Strommasten-Downhill" soll daran angeschlossen werden und den nördlichen Endpunkt markieren. So soll ein zusammenhängendes "Trail Center Albtal" entstehen.

Während die Pläne bei den Bürgermeistern der Albtalverbandes auf eine positive Ressonanz stoßen, sind die Meinungen innerhalb der Gemeinden gespalten. "Die Gemeinde Malsch hat bereits klar gemacht, dass der Trail nicht über Gemeindegebiet führen soll", erzählt Holger Fenske. Das sorgt für Spannungsfelder zwischen verschiedenen Parteien und Personen.

"Downhill-Strecken haben ein großes Potenzial." Deshalb ist sich Fenske auch sicher, dass durch den Ausbau der Trails auch der zuletzt rückläufige Tourismus im Albtal durch Mountainbiker wieder angekurbelt werden könnte. Am Ende sei es Frage der Auslegung. "Einige setzen sich ein, andere verhindern, dass das Projekt ins Laufen kommt", so der MTB-Club-Vorsitzende. Er ist sich sicher, dass die Zahl der Radfahrer weiter steigen wird.

Unfälle können nicht ausgeschlossen werden

Dem Aufwind der Szene tun auch die immer wieder vorkommenden Unfälle keinen Abbruch. Zuletzt stürzte an Pfingsten ein 33-jähriger Radfahrer am Strommasten-Downhill und verletzte sich im Kopf- und Oberkörperbereich. Anders als es im Polizeibericht heißt, ist der Mann laut Fenske aber vermutlich nicht auf einer Holzrampe gestürzt. "Alle Holzgerüste des Trails sind mit einem feinen Maschendraht gut gegen Rutschgefahr gesichert", erklärt er. 

"Auch wenn Verletzungen nie ganz auszuschließen sind und es Stellen gibt, an denen es einen durchaus mal ablegen kann, versuchen wir den Trail so sicher wie möglich zu machen", so Fenske. "Am Ende des Tages ist aber jeder Biker auch ein Stück weit für sich selbst verantwortlich und sollte deshalb auch nur Strecken nach seinem individuellen Können fahren", ergänzt er.

Auf der Strecke gibt es nach seiner Aussage zudem ausreichend Sicherheitshinweise. Bei der Rettungsleistelle sind zudem Rettungswege hinterlegt und auch ein Landeplatz für Rettungshubschrauber ist auf dem Areal eingeplant, um für Notfälle gerüstet zu sein.  
 
Ähnlich wie beim Skifahren gibt es bei den Mountainbike-Trails drei verschiedene Schwierigkeitsgrade der Kategorien schwarz für schwierige, weiß für mittlere und blau für leichtere Abfahrten, zwischen denen der Downhill-Fahrer wählen kann. Geplant sind in der nächsten Zeit auf dem Gelände am Wattkopf noch weitere blaue Linien zu installieren, sodass Biker die Möglichkeit haben, die komplette Strecke auch auf einfacheren Abschnitten absolvieren zu können. Es werden regelmäßig durch Vereinsmitglieder oder Freiwillige, einzelne Abschnitte der Strecke gebaut und immer wieder neue Hindernisse für die Biker installiert.

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