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Karlsruhe Ersatz für Hofdrogerie: harsche Kritik der Weinbrenner-Gesellschaft

Zu gewollt, zu futuristisch und zu auffällig: Mit harrschen Worten kritisiert die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft in einer Pressemitteilung den geplanten Ersatz für die ehemalige Hofdrogerie Roth in der Herrenstraße.

Die zugrundeliegenden Bausubstanz stamme aus der Zeit Weinbrenners und sei damit, selbst wenn es keine eindeutigen Hinweise auf die Urheberschaft der Baupläne gäbe, Teil der klassizistischen Erweiterung Karlsruhes,  so die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft in einer Pressemitteilung. "Alles, was in jener Zeit gebaut worden sei, sei über den Tisch des Oberbaudirektors gegangen und wurde, wo es nicht den professionellen Standards entsprach, entsprechend seinen Vorstellungen angepasst." Das habe auch bei alltäglichen Bauaufgaben wie eben solchen Wohnhäusern gegolten. Hier müsse man also meist nicht zwischen einem "originalen" Weinbrenner und den Entwürfen seiner Schüler oder Mitarbeiter zu unterscheiden.

Hinzu kämen städtebauliche Aspekte. Bislang habe sich die bauliche Nachbarschaft in den umliegenden Strassen weitgehend zurückgenommen und respektiert, dass sie zuallererst Randbebauung jenes Platzes ist, in dessen Mitte ein öffentliches Baudenkmal von hohem Rang stehe - Weinbrenners Katholische Stadtkirche St. Stephan. "Der international renommierte Architekt Oswald Mathias Ungers hat ja mit seiner Landesbibliothek bewiesen, dass es in unserer Zeit sogar noch mit weitaus größeren Bauten möglich ist, diesem Gebäude ein angemessenes Gegenüber zu bieten.", so die Weinbrenner-Gesellschaft.

"Die Erhaltung des Drogeriegebäudes hätte das Ziel aller Beteiligten sein müssen"

Der geplante Ersatz für die Drogerie Roth hingegen spiele sich mit auffälligen Gesten und Maßstabssprüngen in den Vordergrund und ignoriere zugleich rücksichtslos das klassische Fassadenmuster der westlichen Herrenstrasse. "Mit seiner gewollten, futuristischen Andersartigkeit macht er dem Kirchenbau seinen städtebaulichen Vorrang streitig. Im Gegensatz zu den Arkaden des neuen Volksbank-Gebäudes werden jetzt solche nur vorgetäuscht sein und noch weniger Sinn machen." Die Erhaltung des Drogeriegebäudes hätte das Ziel aller Beteiligten sein müssen, so die Pressemitteilung weiter. "Umso mehr angesichts des weiter zunehmenden Verlustes an einmaligen historischen Bauwerken in Karlsruhe."

Archiv: Grüne und KAL laufen Sturm gegen Abriss der Hofdrogerie

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Kommentare (48)
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  •   80er
    (5987 Beiträge)

    09.12.2011 10:18 Uhr
    Ja, ja....
    ....der Filz. Wenn der nicht wäre, hättest du nichts zu schreiben. Aber du kannst uns ja mal eine Rechtsgrundlage nennen, nach der man dem Eigentümer den Abriss des Gebäudes gerichtsfest verbieten kann. Und zwar gerichtsfest bis hoch zum Bundesverwaltungsgericht. Du wirst keine nennen können. Und solange das du nichts kannst, solltest du nämlich mit deinem "Filzvorwurf" sehr zurückhaltend sein. Denn auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum
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  •   vonderVogelweide
    (2791 Beiträge)

    09.12.2011 10:30 Uhr
    das Du Dich meldest habe ich gewust,
    deswegen habe ich auch keine Farbe des Filz genannt über den sich die Bürger beschweren, das nur zur Orientierung.
    Und wenn Du einmal vor Ort gehts 80er, und mit Bürgern sprichst, wirst Du sehen das das nicht von mir kommt.
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  •   80er
    (5987 Beiträge)

    09.12.2011 11:12 Uhr
    Hier geht....
    ...es jetzt nicht um den Bürger. Sondern es geht darum, inwieweit kann der Staat in die Eigentumsrechte Dritter eingreifen. Und der Verbot eines Abrisses durch die zuständige Behörde ist ein Eingriff in das Eigentum. Ergo benötigt die Behörde schon stichhaltige Gründe um den Eigentumseingriff rechtfertigen zu können. Und nein: Denkmalschutzrechtliche Gründe reichen alleine nicht aus.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1550 Beiträge)

    09.12.2011 10:53 Uhr
    Hm
    Ob oder inwieweit der Filzvorwurf tatsächlich justitiabel ist, kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber sicher, dass die Ausreden "das sagen ja alle" oder "das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern nur weitergetragen" nicht zählen. Dran ist zunächst der, dem man eine wie auch immer strafbare Äußerung nachweisen kann.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    09.12.2011 09:05 Uhr
    Wer ist
    diese Weinbrenner-Gesellschaft, dass man deren Pressemitteilungen unbedingt veröffentlichen muss?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (50 Beiträge)

    09.12.2011 07:06 Uhr
    21. Jhd.
    So weit ich weiß leben wir im 21. Jhd. Eine Tatsache, die sich aber in deutschen Städten kaum wiedrspiegelt. Einzelne Gebäude oder kleinere Gruppen zu erhalten macht sicher Sinn, aber dass sich komplette Innenstädte nach Meinung von Denkmalämtern und irgendwelcher Gesellschaften nicht mehr oder nur sehr Eingeschränkt verändern dürfen und sich nicht zu Moderne wandeln können ist in meinen Augen bedenklich. Wenn schon bei Bauten aus den 50ern und 60ern das Denkmalamt mitzureden hat, kann sich in D bald gar nichts mehr ändern.

    Um den Flächenverbrauch zu reduzieren wäre es sinnvoll, auch in Innenstädten immer wieder Gebäudabzureißen ind durch neue teilweise auch höhere zu ersetzen. Kein Mittel-oder sonstwie alterliches Gebäude kann nach egal wievielen Renovierungen die Brandschutz, Dämmungs und sonstigen Standarts eines Neubaus einhalten.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (116 Beiträge)

    09.12.2011 11:35 Uhr
    Nennen Sie ein herausragend schönes Gebäude der letzten Jahre
    welches mithalten kann mit der Nachhaltigkeit historischer Bausubstanz.
    Das architektonische 21. Jahrhundert hat man in Karlsruhe erlebt:
    Die ehemals hochgelobte Alstadtsanierung ist mittlerweile als größter
    Kahlschlag und damit Frevel in die europäische Archtitekturgeschichte eingegangen. Schauen Sie sich diese Silos an, die dort heute stehen. Die Betonwüste des Kronenplatzes wurde durch die Überbauung des Lorealgebäudes noch weiter "veredelt". DM Arena und viele andere Wohltaten für die Stadt des sympahtischen anthroposophisch orientierten Ausnahmeunternehmers Werner machen klar wie es überhaupt zu einer Abrissgenehmigung kommen konnte. Vollkommen unverständlich wie Herr Werner sich solch einen Imageschaden antun konnte, wo er dazu genau in diesem Gebäude in die Lehre gegangen ist und er die Rendite des Neubaus sicherlich nicht benötigt. Herr Werner ich war immer ein Fan von Ihrem Wirken, aber heute bin ich zutiefst en-täuscht
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  •   nichtsowichtig
    (80 Beiträge)

    09.12.2011 15:43 Uhr
    nun ja...
    ...zum einen stammt die "altstadtsanierung" des dörfles ist -am rande bemerkt- ein projekt des 20. jahrhunderts. zum anderen: wer mag heute nicht mehr in wohnungen mit 2,00m deckenhöhe, ohne wc in der wohnung oder tageslicht im wohnzimmer wohnen?
    das alles hatte die wunderbare altstadt zu bieten!
    ironie bei seite...
    es gab immer zeiten, in denen über architektur der vorgenerationen gestritten wurde. es gab zeiten, in denen fand man die wunderbaren gründerzeitvillen (wie zum beispiel in der west-stadt) als piefig uns spießig (etwa eine generation nach der errichtung...). heute will jeder eine wohnung drin haben (mal ganz davon abgesehen, dass diese bauten NIE für einfache menschen gebaut wurden... geschweige denn sich leisten konnten). heute ist alles, was neu ist=böse (besonders in der architektur). das hängt sicher damit zusammen, dass in der nachkriegszeit in unglaublicher not und mit wenig mitteln gebaut wurde unsere städte aussehen wie sie aussehen. vor allem ist es aber...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (116 Beiträge)

    09.12.2011 11:33 Uhr
    Nennen Sie ein herausragend schönes Gebäude der letzten Jahre
    welches mithalten kann mit der Nachhaltigkeit historischer Bausubstanz.
    Das architektonische 21. Jahrhundert hat man in Karlsruhe erlebt:
    Die ehemals hochgelobte Alstadtsanierung ist mittlerweile als größter
    Kahlschlag und damit Frevel in die europäische Archtitekturgeschichte eingegangen. Schauen Sie sich diese Silos an, die dort heute stehen. Die Betonwüste des Kronenplatzes wurde durch die Überbauung des Lorealgebäudes noch weiter "veredelt". DM Arena und viele andere Wohltaten für die Stadt des sympahtischen anthroposophisch orientierten Ausnahmeunternehmers Werner machen klar wie es überhaupt zu einer Abrissgenehmigung kommen konnte. Vollkommen unverständlich wie Herr Werner sich solch einen Imageschaden antun konnte, wo er dazu genau in diesem Gebäude in die Lehre gegangen ist und er die Rendite des Neubaus sicherlich nicht benötigt. Herr Werner ich war immer ein Fan von Ihrem Wirken, aber heute bin ich zutiefst en-täuscht. Absolut unverständlich!
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  •   nichtsowichtig
    (80 Beiträge)

    09.12.2011 15:53 Uhr
    vor allem ist es aber...
    ...die latente angst vor veränderung und das festhaltenwollen an alt bekanntem.
    aber richtig ist leider, dass nicht die besten architekten am meisten bauen. und viele nicht sensibel genug sind mit der umgebung umzugehen.

    interessant ist, wie viele menschen sich eine meinung über architektur erlauben, ohne überhaupt einen schimmer davon zu haben. einem arzt würde das nie passieren.

    das kaiser carre halte ich leider für völlig mißlungen. mit den weinbrennerschen proportionen hat das nichts zu tun (im übrigen stand an dieser stelle NIE ein weinbrennerbau!). es gibt viele, viele beispiele, wie historische umgebung und formen besser und zeitgemäßer interpretiert worden sind als dort. dort ist billige investorenarchitektur entstanden. und da wird sich die fachweld bald einig sein. herr lederer wird nicht sehr glücklich darüber sein. seine ansprüche liegen viel höher. wie immer wollte KA hoch hinaus - aber mal wieder ist du luft ausgegangen (siehe EUROPABAD). architektonisch ein desaster!
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