Karlsruhe Erhebliche Konsequenzen

Liebeskummer und Alkoholkonsum waren wohl die Auslöser
(Foto: ka-news)
Auf die beiden 16 und 19 Jahre alten Gerüstkletterer, die in der Nacht zum Donnerstag für einen Großeinsatz der Polizei am Durlacher Tor sorgten (ka-news berichtete), kommen erhebliche straf- und zivilrechtliche Konsequenzen zu. Das teilten die Karlsruher Polizei und die Staatsanwaltschaft Karlsruhe am heutigen Donnerstag mit.

Zwei 16 und 19 Jahre alte Gerüstkletterer haben in der Nacht zum Donnerstag am Durlacher Tor ein Großaufgebot der Polizei über dreieinhalb Stunden hinweg in Atem gehalten und dabei auch Einsatzkräfte in Lebensgefahr gebracht. Nach Hinzuziehung des Spezialeinsatzkommandosaus Göppingen konnten die unter leichter Alkoholeinwirkung stehenden Beschuldigten schließlich auf dem Gerüst des 90 Meter hohen Turmes der Kirche St. Bernhard festgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft wird am morgigen Freitag über die Beantragung von Haftbefehlen, unter anderem wegen versuchten Totschlags, befinden.

Propangasflasche flog 80 Meter in die Tiefe

Eine Zeugin hatte die Polizei gegen 22.40 Uhr alarmiert, nachdem die jungen Männer auf das gegen unbefugtes Betreten gesicherte Gerüst desderzeit zur Renovierung stehenden Kirchturmes geklettert waren und aus zum Teil großer Höhe Gerüstteile in die Tiefe warfen. Von diesem überausgefährlichen Tun ließen sie auch nach Eintreffen der Polizisten nicht ab. Vielmehr wechselten sie im Schutz der Dunkelheit und immer wieder verdeckt durch das angebrachte Schutznetz fortwährend ihre Standorte, ummit Gerüstteilen und herausgebrochenem Mauerwerk auch gezielt nach den Beamten zu werfen.

Die beiden Gerüstkletterer sorgten für einen Großeinsatz am Durlacher Tor (Foto: ka-news)

Selbst vor dem Wurf einer im Materiallager im unterenGerüstbereich vorgefundenen - wie sich später herausstellte leeren - Propangasflasche schreckten die beiden auf Vernunftsappelle überaus aggressiv reagierenden Männer nicht zurück. Durch die Wurfhöhe von bis zu 80 Metern zog sich der Gefahrenkreis weit über 100 Meter um den Turm, weshalb das Durlacher Tor weiträumig abgesperrt werden musste. DieseMaßnahmen betrafen auch den Straßenbahnverkehr, zumal auch die Oberleitung der Straßenbahn getroffen wurde. Um weitere Gefahren auszuschließen, schalteten die Verkehrsbetriebe im betroffenen Bereich den Fahrstrom überdies ab. Nach den Festnahmen konnten die notwendigen Absperrungen gegen 2.45 Uhr größtenteils zurückgenommen werden.

"Die beiden haben erheblich gewütet"

Zu ihren Beweggründen gaben die Beschuldigten in ihren ersten Einlassungen an, das Gerüst bestiegen zu haben, um in der Höhe Bier zu trinken. Wieso sie dann die Gegenstände herabwarfen, ist derzeit noch unklar. Ob möglicherweise auch von Drogenkonsum ausgegangen werden muss, wird durch die Untersuchung der bei beiden erhobenen Blutproben zu klären sein. Ein mögliches Motiv ist offenbar auch derzeitiger Liebeskummer eines der Beschuldigten. Dieser Aspekt hatte bereits in der Einsatzphase eine Rolle gespielt. Nach der im oberen Gerüstbereich erfolgten Festnahme des 19-Jährigenwirkte die vor Ort gebrachte Freundin auf den weiter unten stehenden jüngeren Beschuldigten derart ein, dass sich dieser schließlich widerstandslos festnehmen ließ.

Weitere kriminalpolizeiliche Vernehmungen dauern derzeit noch an. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand werden sich die beiden auch wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlichen Eingriffen in denStraßen- und Bahnverkehr, Sachbeschädigung und weiteren Straftaten zu verantworten haben. Zudem überflog die Polizei den Turm der Kirche am Donnerstagmittag mit einem Helikopter, um sich ein weiteres Bild über mögliche Schäden am Kirchturm zu machen. "Die beiden haben erheblich gewütet. Wir haben heute noch einige weitere Schäden entdeckt", bestätigte Polizeisprecher Jürgen Schöfer auf ka-news-Anfrage.

Großeinsatz der Polizei und der Feuerwehr

Die Polizei war in der Nacht mit über 30 Angehörigen verschiedener Reviere und Kriminaldienststellen, den per Hubschrauber aus Göppingen herbeigeeilten Spezialeinsatzkräften sowie einem Angehörigen derVerhandlungsgruppe der Landespolizeidirektion Karlsruhe im Einsatz. Die Berufsfeuerwehr wie auch die Freiwillige Feuerwehr Durlach hatten zurAusleuchtung 14 Mann und fünf Fahrzeuge eingesetzt. Darüber hinaus waren vorsorglich auch Rettungskräfte bereitgestellt worden.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.