52  

Karlsruhe "Equal Pay Day"-Flashmob auf dem Stephanplatz: "Das Geschlecht sorgt noch heute dafür, dass weniger Geld ins Portemonnaie kommt!"

Am Montag, 18. März, ist in Deutschland "Equal Pay Day": Der Tag soll darauf aufmerksam machen, dass der Bruttolohn von Frauen im Schnitt um rund 21 Prozent geringer ist, als der von Männern. Die Gewerkschaft Verdi ruft Frauen deshalb ab 17.30 Uhr zu einem "Smartmob" am Stephanplatz in Karlsruhe auf.

Dass der Equal Pay Day ausgerechnet auf den 18. März fällt, ist kein Zufall: Bis zu diesem Tag müssen Frauen ins neue Jahr hinein länger arbeiten, um auf das Geld zu kommen, das Männer schon zum Jahresende in der Tasche haben. Denn: Vergleicht man die Bruttodurchschnittslöhne, verdienen Frauen in etwa 21 Prozent weniger. 

Um darauf aufmerksam zu machen rief die Gewerkschaft Verdi Frauen zu einem "Smartmob" in Karlsruhe auf. Rund 40 Frauen folgten dem Aufruf: Mit lauter Musik und roten Handtaschen, Schals und Fahnen versammelten sie sich um 17.30 auf dem Stephanplatz. ka-news hat mit Amely Poll, stellvertretender Geschäftsführerin des Verdi Bezirks Mittelbaden-Nordschwarzwald, über die Ungleichbezahlung von Männern und Frauen gesprochen.

Was sind die Gründe für die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen?

Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen und Branchen und auf niedrigeren Stufen der Karriereleiter als Männer. Sie unterbrechen oder verkürzen wegen Kinderbetreuung und Pflege ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger. Arbeitsanforderungen in so genannten typischen Frauenberufen, zum Beispiel Erziehung und Pflege, werden schlechter bewertet als Anforderungen in so genannten typischen Männerberufen. Das schlägt sich in der Eingruppierung nieder.

Sogar bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und gleichem Betrieb erhalten Frauen etwa 12 Prozent weniger Entgelt. Das Geschlecht sorgt also noch heute dafür, dass weniger Geld ins Portemonnaie kommt! Fakt ist, dass hierfür bestehende Rollenbilder und die Aufgabenverteilung in den Familien die Ursache sind.

Deswegen auch die Demonstration? Frauen werden gebeten, sich zum Flashmob mit einem roten Kleidungsstück, ansonsten ganz in schwarz, auf dem Stephanplatz zu versammeln.

Ursprünglich war die Idee, sich mit einer roten Tasche beziehungsweise einem roten Geldbeutel zu versammeln, um damit auf die roten Zahlen im Verdienst aufmerksam zu machen. Hier dient es aber hauptsächlich dazu, dass wir sichtbar werden und uns abheben.

Geht es bei dem Stichtag darum, generell mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken?

Genauso ist es! Es geht darum, auf das Thema aufmerksam zu machen - auch wenn es so eventuell etwas plakativ ist. Es gibt die Benachteiligung ganzer Berufsgruppen, die hauptsächlich aus Frauen bestehen. Diese verdienen, zum Beispiel wenn die Ausbildung verglichen wird, viel weniger. Auch ist insgesamt das Armutsrisiko von Frauen wesentlich höher als das von Männern.

Wie setzt sich Verdi über den Equal Pay Day hinaus für die Rechte von Arbeitnehmerinnen ein?

Beispielsweise mit unserer Aufwertungskampagne für den Beruf der Erzieherinnen - oder in den Pflegeberufen oder bei den Friseurinnen. Da wir den Dienstleistungsbereich vertreten, gibt es in unserem Organisationsbereich einige Felder, in denen wir für eine gesellschaftliche Anerkennung und Aufwertung und damit auch für eine Verbesserung der Bezahlung kämpfen. Unter anderem auch für Bibliothekarinnen, bei denen wir eine Verbesserung der tariflichen Eingruppierung erreicht haben.

ka-news Hintergrund

Der Gender Pay Gap gibt an, wie sehr sich die durchschnittlichen Bruttolöhne von Männern und Frauen unterscheiden. Er wird jedes Jahr vom Statistischen Bundesamt und dem Statistischen Landesamt berechnet. Die letzte Berechnung für das Bundesland Baden-Württemberg kam für das Jahr 2018 folgendem Ergebnis: Frauen verdienen im Schnitt rund 21 Prozent weniger als Männer.

Die 21 Prozent Gehaltsunterschied bedeuten allerdings nicht, dass eine Frau - sofern sie den selben Beruf wie ein Mann ausübt - knapp ein Fünftel weniger verdient. Wird der Gender Pay Gap für vergleichbare Tätigkeiten und Qualifikationen ermittelt, beträgt er laut den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes maximal 6 Prozent. 

Einer der Gründe für den großen Unterschied im durchschnittlichen Bruttogehalt zwischen Männern und Frauen ist, dass Frauen häufiger "frauentypische" Berufe ergreifen, die im Mittel schlechter bezahlt werden als die klassischen Männerberufe. "Die Berufszugehörigkeit ist demnach ein wesentlicher Erklärungsfaktor des Gender Pay Gaps", heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (52)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   robdingens
    (1 Beiträge)

    19.03.2019 09:21 Uhr
    Nicht 21% sondern mit viel Liebe 6%
    Die Info im Kasten ist sehr wichtig. Die gerne verwendeten 21%, die schön reiserisch 1/5 (!) sind, werden gerne verwendet. Hierbei handelt es sich allerdings, wie an mehrern Stellen nachzulesen, um einen unbereiniten Wert, der Qualifikation, Voll-/Teilzeit-Dfferenz oder Schlicht Berufswahl außenvor lässt. Wer die 21% brüllt und doch um die 6% weiß, sollte eigentlich die Klappe halten. 6% sind auch nicht gut, aber 6% sind ein machbares und sehr erstebenswertes Ziel. Vielleicht wären auch mehr Leute bereit über das Thema zu reden, wenn nicht gleich die 21%- und Männer-Sind-Dikatoren-Keule durchs Dorf gezogen wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RainerBu
    (735 Beiträge)

    19.03.2019 08:41 Uhr
    denke auch
    man kennt normal die Bandbreite beim Lohn für bestimmte Berufe und kann entsprechend verhandeln.
    Im öffentlichen Dienst hat man Lohngruppen, die ja nach Qualifikation und Zeit im Job erreicht werden.
    Also kein Geschlechterunterschied.Zum Glück steht ja auch Frauen jede Bildung und damit Abschluss offen.
    Schlecht bezahlte Jobs sollten halt mal Mangel an Bewerbern haben , dann würden die Löhne und damit auch die Preise für die Kundschaft von alleine steigen.
    Die Bevölkerung der Sparfüchse sollte halt auch bereit sein beim Friseur und Blumenladen mehr zu zahlen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   KlausKalle
    (355 Beiträge)

    19.03.2019 07:40 Uhr
    Überschrift falsch.
    Das war ein Smartmob. (Google hilft.)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   nurdiewahrheit
    (197 Beiträge)

    18.03.2019 23:06 Uhr
    Ich verlange
    dass die statistische Lebenserwartung von Mann und Frau gleichgesetzt wird. Im 21. Jahrhundert sollten diese Unterschiede nicht mehr möglich sein. Was ist schon gerecht? War die Wehrpflicht gerecht, die nur Männer machen mussten und dadurch 1 Jahr verloren haben? Ist es gerecht, dass Frauen gratis in Clubs kommen und Männer Eintritt zahlen müssen? Gilt die Emanzipation auch beim sinkenden Schiff? Frauen und Kinder zuerst?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Peacemaker
    (401 Beiträge)

    18.03.2019 20:19 Uhr
    Ich halte das für eine Phantomdiskussion.
    Ich war schon in zahlreichen Firmen beschäftigt. Und nie, nicht ein einziges Mal konnte ich Benachteiligung von Frauen beobachten. Und keine dieser Firmen würden für gleiche Leistung kein gleiches Geld bezahlen. Natürlich in geringem Maßstab auch abhängig vom eigenen Verhandlungsgeschick.

    Einen "Gap" halte ich heutzutage für reine Erfindung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Anonymous
    (40 Beiträge)

    18.03.2019 20:16 Uhr
    Emanzipation:
    Gibt es auch mal einen #Have-a-nice-and-good-Sex-day für den Mann, damit sich die Emanzipation auch mal für diesen lohnt. PS: Vor langer Zeit war das mal eine eheliche Pflicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Peacemaker
    (401 Beiträge)

    18.03.2019 20:28 Uhr
    Vielleicht hätten viele Frauen
    auch mal wieder guten Sex?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Anonymous
    (40 Beiträge)

    18.03.2019 20:36 Uhr
    ...
    dann sollen Sie mal die Hornhautraspel auspacken und anwenden.

    PS: Habe auch schon in unzähligen Firmen und Branchen gearbeitet, und dabei noch nie eine Benachteiligung der Frauen erlebt. Eher als Vorzug das Wohlwollen der Vorgesetzten in dem Sinne "Als Frau kann man nicht viel falsch machen"!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   VielVorNixDahinter
    (214 Beiträge)

    18.03.2019 17:56 Uhr
    Und ewig grüßt das Murmeltier ...
    Was bislang keiner dieser GebetsmühlenbetreiberInnen plausibel erklären konnte:

    Warum werden nicht alle Männer entlassen und nur noch Frauen beschäftigt, wenn dadurch das Lohnniveau auf einen Schlag um 6, 8, 12, 21, 23% (je nach Gebetsmühle) gesenkt werden könnte?

    Weil Equal Pay längst erreicht ist - equal responsibility for her/himself offensichtlich noch nicht. Wenn Jammern anstrengender wäre als Eigenverantwortung - der März könnte ein richtig ruhiger Monat sein...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2641 Beiträge)

    18.03.2019 18:25 Uhr
    da gibts nix zu erklären
    der PayGap entsteht ja aus dem Bedürfnis der Männer heraus, weiter zu arbeiten und sich selbst höher wertzuschätzen als ihre weiblichen Kollegen bzw. der grundsätzlichen Höherwertigkeit von männlich verrichteter Arbeit. Das würde ja sonst keinen Sinn machen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: