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Kalsruhe/Stuttgart/Salem Einigung um Kulturgüter

Historische Handschriften als Kapitalquelle (Foto: ka-news)
Um eine Stiftung finanzieren zu können, die die Zukunft des historischen Schlosses Salem absichern soll, will das Haus Baden Bibliotheksbestände im Wert von 70 Millionen Euro auf dem freien Markt verkaufen. Darunter auch wertvolle Handschriften und Druckwerke aus der Badischen Landesbibliothek.

Die Stiftung soll vor allen Dingen weitere Renovierungs- und Instandhaltungskosten am Schloss Salem auffangen. Diese hätten sich nach Angaben des Hauses zuletzt auf rund 30 Millionen Euro beziffert. Neben der Schlossanlage, die auf ein Zisterzienserkloster aus dem zwölften Jahrhundert zurückgeht, ist auch das dazugehörige gotische Münster Kulturerbe und Touristenmagnet zugleich. Die gesamte Kloster- und Schlossanlage soll samt der darin befindlichen Kulturgüter in die Stiftung übergehen. Im Gegenzug verzichte das Haus Baden auf Eigentums- und Herusgabeansprüche gegenüber dem Land, meldete der Südwestrundfunk (SWR). Diese Herausgabeansprüche beträfen auch Teile der staatlichen Kunstsammlungen in der Kunsthalle Karlsruhe sowie die "Türkenbeute" im badischen Landesmuseum.

"Ein schmerzhafter, aber unvermeidbarer Schritt"

Juristisch bedeute die Gründung der Stiftung zumindest eine endgültige Klärung der Besitzverhältnisse zwischen Land und Adelshaus. "Die Zuordnung des Vermögens der ehemals großherzoglichen Kunst- und Bibliothekssammlungen wurde mit dem Ende der Monarchie 1919 nicht klar geregelt," argumentiert Bernhard Prinz von Baden.

Es sei für ihn und seine Familie "ein schmerzhafter Schritt, der aber unvermeidbar ist". Das Haus Baden, das heute ein mittelständisches Weinbau-Unternehmen führt, sei nach Angaben des Prinzen ohne den angestrebten Verkauf nicht dazu in der Lage, die Kulturgüter zu erhalten. Dass sich die zur Debatte stehenden Werke in der Badischen Landesbibliothek befinden - und nicht etwa in den Privatvitrinen des Adelshauses - dürfte den Trennungsschmerz dabei möglicherweise etwas lindern.

"Kulturgüter dürfen nicht einfach verscherbelt werden"

Verliererin des angestrebten Verkaufs: die Badische Landesbibliothek Karlsruhe (Archivfoto: ka-news)
Nachdem sich auf Bundesebene bereits Kulturstaatsminister Neumann (CDU) vor dem Verkauf von Museumsbeständen "aus kurzsichtigen finanziellen Erwägungen" gewarnt hatte, zeigt sich der Karlsruher SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Stober "äußerst entsetzt" über die Überlegungen der Landesregierung.Der Verkauf widerspräche den vom Wissenschaftsausschuss des Landtags im Dezember 2005 beschlossenen Grundsätzen. "Kulturgüter von dieser Bedeutung dürfen nicht einfach verscherbelt werden." Zudem stelle der Verkauf "derartiger Gegenstände, von denen die Landesregierung bisher immer überzeugt war, dass sie Landeseigentum sind, de facto erstmal eine Schenkung an das Haus Baden dar", erklärte der Abgeordnete in einer Pressemitteilung.

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