Karlsruhe Eine zweite Chance

Bewirbt sich Karlsruhe mit der "Grünen Lunge" Rheinauen wieder um die Bundesgartenschau 2015 ? (Foto: ka-news)
Nach dem die Stadt Osnabrück aus finanziellen Gründen überraschend auf die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2015 (Buga) verzichtet, diskutierte der Gemeinderat gestern eine erneute Bewerbung. Karlsruhe hatte diese bereits 2003 wegen der enormen finanziellen Belastungen zurückgezogen. Die zweite Chance wollen die Stadträte jetzt offenbar nutzen - als "Geschenk" zum 300-jährigen Stadtjubiläum.

Dafür würde vor allem die Stimmung in der Bevölkerung sprechen, von der sich offenbar ein Großteil, allen voran die Initiative Bürgergartenschau (Büga), nach 1967 wieder eine Buga in der Fächer- und Gartenstadt wünscht, wie die Sprecher von SPD, FDP, Grüne und KAL übereinstimmend bestätigten. Viele Zuhörer auf der vollbesetzten Tribüne kamen nicht nur wegen der anstehenden Bürgermeisterwahl (ka-news berichtete), auch das Thema Buga bewegte sie. Bereits 2003 sprachen sich über 60 Prozent der Karlsruher für die Ausrichtung der Buga aus. Viel Zeit zum Überlegen bleibt den Stadträten allerdings nicht. Laut der für die Vergabe zuständigen Deutschen Bundesgartenschau GmbH endet die Bewerbungsfrist Ende März 2007.

SPD: "Stadt am Rhein" ohnehin Teil des Masterplans 2015

Wie 2003 - als noch die Themen "Kulturhauptstadt 2010" und "Olympia-Teilnahme" diskutiert wurden - spreche die "nach wie vor nicht rosige Finanzlage" der Stadt gegen eine erneute Buga-Bewerbung, so Oberbürgermeister Heinz Fenrich, weshalb sich seine Bedenken im Vergleich zu damals nicht verringert hätten. Damals wie heute laute die zentrale Frage: "Können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt und mit Blick auf 2015 eine Bundesgartenschau leisten?", so Fenrich. Nicht zuletzt durch das geänderte Haushaltsrecht wird im derzeitigen Entwurf des Doppelhaushaltes 2007/2008 davon ausgegangen, dass die Verschuldung ohne Buga von 207,6 Millionen Euro (Ende 2006) um 101,3 Millionen Euro auf 308,9 Millionen Euro (Ende 2008) ansteigt.

Im Hinblick auf den anstehenden 300.Stadtgeburtstag sei die "Stadt am Rhein" bereits im Masterplan 2015 festgeschrieben, weshalb sich die Ausrichtung der Buga und die damit verbundene Ausarbeitung und Entwicklung des Rheinauenparks anbiete, so SPD-Fraktionschefin Doris Baitinger. Karlsruhe sei ohnehin schon seit der Gründung als "Plan- und Gartenstadt" konzipiert worden, was der Bewerbung sicherlich zugute käme. Aufgrund der im vorläufigen Haushaltsentwurf jedoch abgezeichneten Schuldenentwicklung - die Baitinger in Teilen anzweifelte - will die SPD-Fraktion aber zunächst warten bis die endgültigen Zahlen im Februar 2007 vorliegen, ehe man einer neuerlichen Bewerbung zustimmt.

Auf dem Gelände des Hofgut Maxau soll der "Landschaftspark Rhein" entstehen...
(Foto: pr)

CDU: Schwerpunkt Zoologischer Stadtgarten statt Ostauepark

"Den Gedanken der Gartenstadt wiederbeseelen", dies ist die Wunschvorstellung von Klaus Stapf (Grüne), der von einer attraktiven innerstädtischen Naherholung mit durchgehenden "Grünelementen" vom Turmberg bis zum Rhein träumt. Durch die stabilen Gewerbesteuereinahmen auf hohem Niveau und etwaige Rücklagen bleibe für die Realisierung der "Grünen Lunge" am westlichen Rand der Stadt wieder etwas finanzieller Spielraum. Trotz des geplanten neuen Kohlekraftwerks der EnBW, das mit einem Naturzugnasskühlturm (bis 180 Meter) oder Hybridkühlturm (bis 50 Meter) in unmittelbarer Nähe zum Rheinpark entstehen soll, würde die Entwicklung des Naherholungsgebietes im Rahmen der Buga 2015 ein wichtiger Fortschritt für den regionalen Klimaschutz bedeuten, so Stapf.

...und auf der anderen Seite der Rheinhafenmündung der kohlebefeuerte Erweiterungsblock des bestehenden Dampfkraftwerks der EnBW (Foto: pr)
Das dezentrale Gartenschaukonzept, mit dem sich die Stadt vor über drei Jahren für die Buga 2015 beworben hat, ist auf die beiden Schwerpunkte "Landschaftspark Rhein" und den Ostauepark ausgerichtet, was bei einer neuerlichen Bewerbung nach Meinung der FDP/Aufbruch-Fraktion auch zwingend beibehalten werden sollte. Michael Obert übte damit zugleich Kritik an der Haltung der CDU-Fraktion, die sich einen etwaigen Einbezug des Zoologischen Gartens anstelle des geplanten Ostaueparks vorstellen könnte, weil die Verwirklichung dieses Parks den zwingenden Erwerb des Bahngeländes südlich des bereits fertig gestellten ersten Bauabschnitts voraussetzt - ob und wann die Stadt dieses notwendige Teilgelände allerdings bebauen kann, ist bislang aus baurechtlichen wie -planerischen Gründen noch nicht geklärt.

2019 Heilbronn, 2017 Bodensee-Region - 2015 Karlsruhe?

Die frisch gebackenen Wirtschaftsbürgermeisterin Margret Mergen zeigte sich auf Anfrage von ka-news skeptisch gegenüber den Erfolgsausichten einer neuerlichen Bewerbung. Dagegen spräche, dass die Stadt Heilbronn den Zuschlag für die Buga 2019 erhalten hat und die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 2017 in der Bodensee-Region stattfindet. Dass mit Karlsruhe 2015 wieder eine südwestdeutsche Stadt für die Ausrichtung der Buga infrage käme, hält Mergen eher für unwahrscheinlich.

Michael Obert (FDP/Aufbruch) verspricht sich dagegen mehr: Wie die Vergangenheit gezeigt habe, gehe der Trend bei der Vergabe der Zuschläge immer mehr zu Städten mit eher kleineren Bevölkerungszahlen, was die Chancen für Karlsruhe erhöhe, so Obert.

Letztlich beauftragten die Stadträte die Stadtverwaltung, das planerische und finanzielle Konzept für die Buga 2015 erneut auszuarbeiten. Entgegen anders lautender Meldungen ist aber noch keine definitive Entscheidung über die Büga-Bewerbung gefallen, weil sie von den Stadträten - ähnlich wie 2003 - aufgrund finanzieller Unwägbarkeiten immer noch "gekippt" werden kann. Sollte sich der Gemeinderat bis zum kommenden März für eine erneute Bewerbung definitiv entschieden haben, ist für OB Fenrich eines ganz klar: "Einen erneuten Rückzug nach dieser Entscheidung können wir uns nicht mehr leisten."

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