Karlsruhe Eine Stadt wehrt sich

Das "Haus des Anstoßes": die Badener Straße 34 in Durlach (Foto: ka-news)
Die NPD will in Karlsruhe Fuß fassen (ka-news berichtete), doch die Stadt setzt sich zur Wehr: In einer gemeinsamen Veranstaltung von Stadtverwaltung und das SWR-Studio Karlsruhe wollen namhafte Referenten am 14. Juni Strategien und Methoden des Rechtsextremismus beleuchten. Bereits für den 27. Mai vorgesehen ist eine Veranstaltung mit dem Ziel, Jugendliche gegen Neonazis zu stärken.

"Karlsruhe zeigt Flagge gegen Rechts": Unter dieses Motto stellt die Stadt ihre Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, ein von vielen Menschen und Organisationen getragenes Bündnis gegen jede Art von Extremismus zu schmieden. Als Auftakt findet am Samstag, 14. Juni, ab 14 Uhr in Kooperation mit dem SWR-Studio Karlsruhe im Konzerthaus ein "Info-Nachmittag gegen Rechts" statt. Der unter Federführung von Bürgerservice und Sicherheit organisierte Nachmittag wird unter anderem getragen von Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden.

Experten aus Wissenschaft und Praxis referieren

Namhafte Referenten beleuchten die Ziele und Methoden der NPD und rechtsextremer Vereinigungen und möchten hierüber mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Die Moderation haben Gerhard Maier-Röhn, Leiter des SWR-Studios Karlsruhe, sowie SWR-Redakteur Mathias Zurawski übernommen. Themenbezogene künstlerische Beiträge sollen unterhalten und sensibilisieren. Die Veranstaltung soll die breite Öffentlichkeit ansprechen, wobei gerade auch Jugendliche erreicht werden sollen. Aktueller Anlass, unmissverständlich Stellung zu beziehen, waren die Vorgänge in der Badener Straße 34.

Bereits Ende April zeigten rund 600 Karlsruher, was sie von den Plänen der NPD halten (Foto: ka-news)

Nach der Eröffnungsansprache von Oberbürgermeister Heinz Fenrich beleuchtet der Extremismusforscher Professor Dr. Rudolf van Huellen in seinem Impulsreferat "Rechtsextremismus - Was ist das?" den heutigen Rechtsextremismus. Der langjährige Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz informiert über die inhaltliche und taktische Modernisierung des Rechtsextremismus und die hiervon ausgehende Bedrohung für die demokratischen Werte.

Politologe thematisiert das NPD-Verbotsverfahren

Wie die aktuelle Entwicklung für Baden-Württemberg zu beurteilen ist, welche Tendenzen im Land im gewaltbereiten Rechtsextremismus, im Neonazismus und im organisierten Rechtsextremismus auszumachen sind, weiß Frank Dittrich. Auch der stellvertretende Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg und Leiter der Abteilung Rechts-/Linksextremismus und -terrorismus möchte nach seinem Referat mit dem Publikum diskutieren.

Mit dem Politikwissenschaftler Professor Dr. Eckard Jesse von der Technischen Universität Chemnitz konnte die Stadt einen weiteren hochkarätigen Fachmann für den Nachmittag gewinnen: Mit seinem Referat "Sinn und Unsinn eines NPD-Verbotsverfahrens" lädt er zur Auseinandersetzung mit diesem Thema ein.

Kulturelles Rahmenprogramm

Im kulturellen Rahmenprogramm werden unter anderem ein Theaterstück, eine Freestyle-Session von Hip-Hoppern, Graffiti gegen Rechts, internationale Tänze, Autogrammstunden mit Karlsruher Sportgrößen sowie zum Ausklang ein Konzert geboten. Im Foyer können alle Besucher "Flagge zeigen" und sich auf einer eigens für die Kampagne kreierten Flagge mit den Zielen der Veranstaltung solidarisch zeigen.

In Durlach, wo sich bereits Anfang Mai die Initiative "Kein Platz für Nazis" gegründet hat (ka-news berichtete), will eine gemeinsam von Ortschaftsrat, Stadtamt, Kirchen, Schulen, Bürgergemeinschaften und Durlacher Vereinen sowie von "Durlacherleben" getragene öffentliche Veranstaltung am Dienstag, 27. Mai, um 11 Uhr im Festsaal der Karlsburg vor allem Schüler und Jugendliche gegen Neonazis und deren menschenverachtende Ideologie stärken.

"Braune Gedanken ins Abseits stellen"

Der Vormittag unter dem Titel "Braune Gedanken ins Abseits stellen", den Ortsvorsteherin Alexandra Ries eröffnet, will über Ziele und Verbrechen der Nationalsozialisten in der Geschichte und über deren perfiden Masche als "Kümmerer” um die Sorgen junger Menschen in der Gegenwart aufklären. Der frühere Stadthistoriker Dr. Manfred Koch stellt die gegen den Rechtsstaat gerichteten Umtriebe der NSDAP vor 1933 dar, Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz bringen dem Publikum in einem Vortrag den heutigen Rechtsextremismus, dessen Gefahren, Auswirkungen und Darstellungsformen näher. Schülerinnen und Schüler umrahmen die Veranstaltung mit Lesungen, Musik und Liedern aus verschiedenen Kulturen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.