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Karlsruhe/Pforzheim Wohnungseinbrüche in Karlsruhe: Gibt es bald eine Bürgerwehr in Eigenregie?

752 Mal Schlösser geknackt, 752 Mal Wertsachen mitgenommen, 752 Mal Angst und Schrecken zurückgelassen: Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in Karlsruhe mehr als verdoppelt - auch landesweit lässt sich ein Trend verzeichnen. Während die Polizei an neuen Ermittlungsmethoden tüftelt, gehen nun viele Einbruchsopfer gemeinsam mit alarmierten Bürgern selbst auf die Barrikaden. In Tiefenbronn hat sich jetzt trotz Zweifel seitens der Beamten in blau eine Art Bürgerwehr gegründet - gibt es so etwas bald auch in Karlsruhe?

Delikte dieser Art bereiten den Karlsruher Polizisten aktuell besonders Bauchschmerzen: Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat in Karlsruhe drastisch zugenommen, das geht aus der Kriminalstatistik 2013 hervor. Während die Entwicklung der letzten Jahre eigentlich Besserung versprach, haben sich die Fallzahlen im vergangenen Jahr von 350 auf 752 Fälle mehr als verdoppelt.

"Meist osteuropäische Banden für Einbruchserien verantwortlich"

Wenn auch mit 336 Fällen in fast 45 Prozent der Angriffe auf Wohnungen und Häuser die Täter nicht zum Ziel kamen, sondern mit ihrem Versuch einzubrechen scheiterten, so liegt Karlsruhe mit diesen Steigerungszahlen weit über dem landesweiten Trend. In ganz Baden-Württemberg konnten nach Informationen der dpa im Jahr 2013 rund 11.300 Einbrüche gezählt werden.

"Meist", so der Karlsruher Kripo-Leiter Karl-Heinz Ruff, "können Einbruchserien auf osteuropäische Banden zurückgeführt werden, die auch in anderen Regionen zuschlagen." Außerdem habe man festgestellt, dass die Täter in vielen Fällen einfache Werkzeuge verwenden, um Türen und Fenster aufzubrechen. Um dem kriminellen Trend entgegen zu wirken, will die Karlsruher Polizei in Zukunft vermehrt spezialisierte Ermittlungsgruppen einsetzen und die Tatort- und Spurensicherung qualitativ verbessern.

Karlsruher OA-Chef: "Ich halte nichts von einer Bürgerwehr in Eigenregie"

Strategien, neue Methoden, Maßnahmen-Tüftelei - das reicht vielen alarmierten Bürgern im Land nicht mehr aus. So wollen Geschäftsleute in Tiefenbronn bei Pforzheim jetzt nach wiederholten Einbrüchen einen privaten Wachdienst engagieren. Andernorts setzt man auf Nachtwanderungen oder wachsame Nachbarn, Skepsis ernten die engagierten Bürger seitens der Polizei. Innenminister Reinhold Gall erklärt: "Eine Bürgerwehr, auch wenn sie gut gemeint ist, entspricht nicht unseren rechtsstaatlichen Grundsätzen."

Auch in Karlsruhe stößt dieses Engagement auf Unverständnis: "Ich persönlich halte nichts von einer solchen Bürgerwehr in Eigenregie", erklärt Ordnungsamtsleiter Björn Weiße auf Nachfrage von ka-news - "zwar kann ich die Ängste und Sorgen der Bevölkerung nachvollziehen, doch die 'Verbrecherjagd' sollte der Polizei sowie dem Kommunalen Ordnungsdienst überlassen werden." Die Beamten seien schließlich ausgebildet und wissen sich in Konfliktsituationen professionell zu helfen. "Was die Akteure solcher Bürgerwehren offenbar unterschätzen, ist das Agressionspotenzial der mutmaßlichen Einbrecher und Räuber - dieses ist im Laufe der Zeit nicht unwesentlich angestiegen", so Weiße weiter.

Statt Nachtwanderung: KOD sucht ehrenamtliche Verbrecherjäger

Weiter stoße die Laien-Verbrecherjagd laut ihm an rechtliche Grenzen. So haben Bürger beispielsweise kein Recht, auffällige Personen oder Täter zu kontrollieren oder festzuhalten. Noch haben sich die Karlsruher Bürger nach Informationen des Ordnungsamtes kein Vorbild am Tiefenbronner Modell genommen, doch ausschließen könne man die Gründung einer Bürgerwehr auch in hiesigen Gefilden nicht. "Interessierten und engagierten Bürgern, die selbst Einsatz zeigen wollen, raten wir, sich ehrenamtlich beim Kommunalen Ordnungsdienst zu melden", fügt Weiße hinzu - "nach einem Bewerbungsverfahren, bei dem es unter anderem auf die körperliche und geistige Fitness ankommt, können diese an der Seite von ausgebildeten Beamten und professionell ausgestattet Verbrechen auf die Spur gehen." Helfer dieser Art seien stets willkommen.

Auch die Freien Wähler Durlach beschäftigt aktuell das Thema Wohnungseinbrüche in Karlsruhe. In einer Pressemitteilung fordern sie nun die Stadtverwaltung auf, so schnell wie möglich tätig zu werden und gemeinsam mit Ordnungsamt und Polizei ein kurzfristig greifendes Konzept zu erarbeiten. "Wir nehmen die Ängste der Bürger sehr ernst und sehen dringenden Handlungsbedarf auch bei der Verwaltung", so heißt es weiter. Insbesondere plädieren sie für einen verstärkten polizeilichen Einsatz an Straßenbahnhaltestellen - hier komme es laut ihnen verstärkt zu Einbruchsdelikten.

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