Karlsruhe Duell der Konkurrenten

Leere Redaktion: Die "Welle" vor einem Jahr (Foto: ka-news)
Vergangene Woche wurde die Media Analyse für Baden-Württemberg bekannt gegeben. Laut dieser erreichte "Hitradio RTL" teilweise ein Sechstel der Spitzenwerte. "Wir finden die Zahlen von "Hitradio RTL" nicht sehr erfreulich und sind der Meinung, dass der Sender im Bereich Hörerakzeptanz bessere Zahlen hätte erzielen können", so Frank Scherer, Sprecher der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK). (ka-news berichtete) Doch eben ihre Entscheidung war es, die dafür sorgte, dass "Hitradio RTL" zu Ungunsten von der "Welle" den Zuschlag für die Frequenz erhielt. Vor genau einem Jahr, um Mitternacht vom 31. Juli auf den 1. August schaltete "Die Welle" ab und kurze Zeit darauf ging "Hitradio RTL Karlsruhe" auf Sendung. Karlsruhe ein Jahr ohne "Die Welle", aber dafür mit "Hitradio RTL" - ka-news beleuchtet die Lage.

Ganze 15 Jahre lang prägte sie die Karlsruher Radiolandschaft: der Privatsender "die Welle". Eine Empfehlung der LfK brachte das hiesige Medienunternehmen im März 2003 in eine missliche Situation. Bei der Entscheidung um die Zulassung für 2003 grenzte der fünfköpfige LfK-Vorstand den Kreis der insgesamt sechs Bewerber auf zwei ein. Neben der "Welle" erhielt noch "RTL Radio Karlsruhe" den Zuschlag. Beide Sender waren laut LfK-Auffassung grundsätzlich befähigt, in Karlsruhe Radio zu machen.

Diese Empfehlung ließ einen Aufschrei durch die Region ergehen, denn etliche Hörer und Entscheidungsträger konnten diese nicht nachvollziehen. Etliche Unterstützer-Schreiben gingen bei der "Welle" ein, welche nicht nur um ihre Sendelizenz sondern auch um die Zukunft ihrer 35 Mitarbeiter bangte. Viele boten sofort bei Bekanntwerden der LfK-Entscheidung ihre Unterstützung und Hilfe an. In einer Unterschriftenaktion "Eine Welle für die 'Welle'" wurden mehr als 25.000 Unterschriften gesammelt, mehr als nur ein kleines Zeichen für die Akzeptanz des Senders.

Alle Hilfe am Ende ohne Erfolg

Gerade dieser Zuspruch spornte den Sender an, seinen gewohnten Tagesgang beizubehalten. Immerhin galt es weiterhin, Events zu betreuen, das Programm zu gestalten und die sonstigen Aktivitäten des Senders zu organisieren. Sowohl Sponsoren als auch Partner gingen optimistisch dem 18. März entgegen. Doch trotz der großen positiven Ressonanz konnte der Untergang des Karlsruher Senders nicht verhindert werden.

Am Montag, 18. März, hatte die LfK entschieden: Ab dem 1. Januar '03 sollte die damals noch zu gründende RTL-Radio Karlsruhe GmbH im Verbreitungsgebiet L2 Karlsruhe (UKW-Frequenz 101,8) auf Sendung gehen. Damit folgte das 31-köpfige Gremium der Empfehlung des Medienrates. Der damalige "Welle"-Geschäftsführer Tom Otto erklärte, dass es im Entscheidungsgremium wohl keine Einigkeit über die Vergabe der Lizenz gab. Immerhin dauerte die hitzige Debatte fast fünf Stunden. Die Entscheidung der LfK wollte er nicht einfach hinnehmen: "Wenn auf dem politischen Weg keine Mehrheit zustande kommt, müssen wir eben rechtsstaatliche Mittel einlegen."

Analyse zeigte "Welle" in anderem Licht

Der stellvertretende LfK-Präsident Scherer erklärte damals auf ka-news-Anfrage: "Ein Sender muss zur Programmvielfalt beitragen." Außerdem müssten sich die Hörer im entsprechenden Verbreitungsgebiet mit dem Sender identifizieren. Die Marktanalysen hätten gezeigt, dass "die Welle" keineswegs das Vertrauen seiner Region hatte. "Die LfK muss kaufmännisch entscheiden", meinte er weiter. Vergleicht man dem entgegen die Mediendaten einzelner Radiosender, rangiert der Karlsruher Privatsender tatsächlich aber auf Platz vier der Regionalsender, schlüsselte daraufhin Otto die Analysedaten auf.

Zur zweiten Jahreshälfte 2002 hatte "Die Welle" um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent Höreranteil zugelegt. Die Media Analyse eine Woche nach dem "Welle"-Aus rückte die LfK-Entscheidung in ein noch schlechteres Licht. Der badische Privatsender hatte demnach im Frühjahr '02 einen Reichweitenzuwachs von über 20 Prozent. Im Bundesgebiet konnten nur zwei Radioprogramme größere Steigerungen verzeichnen: "Sunshine Live" und das rheinland-pfälzische SWR1-Programm.

Ein neuer Sender muss vorbereitet werden

Frust der "Welle"-Mitarbeiter war groß (Foto: ka-news)
Während nun der eine Sender und seine Mitarbeiter die Koffer packen mussten, galt es für den neuen, "Hitradio RTL", seinen Sendestart vorzubereiten. Damals wusste der "Hitradio RTL"-Geschäftsführer Christian Frietsch zwar noch nicht genau, wo das neue Sendestudio in Karlsruhe entstehen sollte. "Aber die wesentliche Zentralredaktion wird in Karlsruhe sein, da stellt sich keine Frage", erklärte er gegenüber ka-news. Zum Programmformat sagte Frietsch: "Jeder weiß, dass Radio vor allen Dingen durch seine Musikfarbe akzeptiert wird und so seine Hörer findet. Wir haben ein Research für die Region in Auftrag gegeben. Das heißt, wir wissen, welche Richtung gefragt ist." Dabei sollte zwar auch das RTL Know-How genutzt werden. "Aber es wird kein Berliner Sender, sondern ein Karlsruher", bekräftigte der "Hitradio RTL"-Geschäftsführer.

Es sei völlig klar, betonte er, dass lokale Headlines zur halben Stunde einen festen Platz haben werden. "Es wird allerdings drei Identities geben: RTL Karlsruhe, RTL Pforzheim und RTL Baden-Baden. Aber das Programm muss auch durchlässig sein für lokale Nachrichten, es sollte homogen wirken." Großer Wert werde auf den lokalen Bezug gelegt. Zwar würde es Programmschnittstellen geben, aber es komme nichts aus Berlin. "Alles wird in Karlsruhe produziert, fachlich und inhaltlich geht das gar nicht anders", so Frietsch.

Trauriger Abschied mit den "Doors"

Zurück zur "Welle": Kurz und schmerzlos ging dann am 31. Juli '02 um 23.50 Uhr mit einem vielkehligen "Tschüss!" der versammelten Mannschaft die "Welle"-Ära zu Ende. Passend mit dem Doors-Song "The End" beendete der Sender sein Programm. Wenig Worte fielen in der letzten Stunde. Dennoch konnten die Moderatoren eine zittrige Stimme nicht vermeiden. Das Team bedankte sich bei den Hörern für Ihre Treue und gab den Sendeplatz auf der Landesfrequenz L2 frei für "Hitradio RTL". Dann um 0 Uhr, nach den letzten Sangesklängen Jim Morrisons, beklemmende Stille auf 101,8.

Knapp eine Minute später schmettern locker rockige Klänge vom neuen Sender aus den Radioboxen. Auf die erste Moderation musste der Hörer lange Zeit warten und wurde mit kurzen "Hitradio RTL"-Trailern vertröstet. Musikalisch umrahmt mit aktuellen Popsongs, welche im folgenden Jahr auch maßgeblich den musikalischen Rahmen des Senders prägen sollten.

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