Dorothee Roth: KVV-Stimme

"Nächster Halt, Herrenstraße." Eigentlich hat schon jeder ihre Stimme gehört, vorausgesetzt, er saß schon mal in einer Karlsruher Straßenbahn. Bestimmt hat sich schon so mancher Gedanken gemacht, welcher Frau diese angenehme Stimme gehört, wie sie wohl aussieht und ob sie vielleicht auch gerade in der Bahn sitzt. Seit 1979 ist Dorothee Roth für die Stationsansagen der Öffentlichen Verkehrsbetriebe für den Großraum Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg, Mannheim/Ludwigshafen, Hanau, Rhein- und - eine Zeit lang auch - Bodenseeschiffe zuständig.

Roth, die am 19. Juli 1955 in Stuttgart geboren wurde, kam durch einen Zufall zu ihrem jetzigen Job. Für die Stuttgarter Straßenbahn (SSB) jobbte sie während ihres Studiums und leitete Busreisen. Dort hörte man die "KVV-Stimme" am Mikrofon reden und hier wurde sie auch für die Straßenbahnansagen entdeckt. Die Band-Aufnahmen für die Stuttgarter Straßenbahn entstanden im Tonstudio der Karlsruher Verkehrsbetriebe, woraufhin Roth, die sehr gerne reist und Ski fährt, gleich auch für Karlsruhe verpflichtet wurde. Seitdem verleiht sie so mancher Straßenbahn ihre Stimme, was sie nach eigenen Angaben sehr gerne macht. Derzeit wohnt die verheiratete Mutter von drei Kindern in Zürich.

Von 1974 bis 1979 absolvierte die "KVV-Stimme" in Stuttgart ein Studium der Sprechausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst. Während ihres Studiums war Roth elf Jahre lang Fernseh-Ansagerin bei der ARD. Beim SWR in Stuttgart bekleidete sie zudem eine freie Moderations- und Sprechtätigkeit. Drei Jahre lang brachte die Stuttgarterin in Graz den Schauspielern und Germanistik-Studenten das richtige Sprechen bei. Roth, die die vier Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch beherrscht ist nicht nur eine Sprechausbilderin, sie hat auch eine Schauspielausbildung hinter sich. In Esslingen, Lübeck, Nürnberg und Bruchsal war sie als Schauspielerin tätig. Auch im Ausland hielt sich Roth auf, unter anderem war sie im "Actor's Studio" in New York aktiv, um dort eine Weiterbildung als Schauspielerin zu absolvieren.

Seit 1994 arbeitet die Frau mit der freundliche Stimme beim Schweizer Fernsehen, dort führt sie Sprech- und Moderationsarbeiten aus. Seit 1997 übernimmt Roth auch Regiearbeiten, unter anderem hat sie bei der szenischen Regie in Musicals mitgewirkt. Wenn die Stuttgarterin nicht gerade ihre Stimme auf Band verewigt, dann geht sie ihren Hobbies nach, macht auf der Violine Musik, singt, tanzt und lernt derzeit Chinesisch.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Weltoffenbodenständigsozial und politischinteressiert, familiärgeduldigkonsequentmitfühlend und kreativnachlässigvisionär.

Was ist Ihre größte Stärke?
Ich verliere nie den guten Glauben an den Menschen.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Ich verliere nie den guten Glauben an den Menschen.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Im Alter von fünf Jahren: Opernsängerin und Mutter. Ist doch so ähnlich gekommen.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ganz unbescheiden: Mithelfen zu können, dass die UNO-Kinderrechte auf der ganzen Welt eingehalten werden.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Er ist nicht der Typ, der sich nerven ließe.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Seit kurzem meine Mini-Lesebrille.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Abgesehen davon, dass es in nicht allzuferner Zeit einen "Mondtourismus" geben wird und man dann die Redewendung wohl vergessen muss, die Damen und Herren der jüngsten deutschen Rechtschreibreform, die uns zum Beispiel "allein stehend" eingebrockt haben - eine Verarmung unserer Sprache.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Meine Kinder - jeden Tag.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musik – keine spezifische Angabe, da es sehr abhängig ist von der Lebenssituation und Stimmung, und Stille ist das Beeindruckendste. Film – vielleicht "The Crying Game". Ich gehe lieber ins Theater.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Konrad Bayer "Gesammelte Werke" - da habe ich einen Text gesucht zum Vortrag beim Geburtstag eines Freundes - und gefunden.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Keine Ahnung. Als Pillendreherkäfer?! Wenn ich nicht zu viele natürliche Feinde hätte, wär's mir lieber - aber ich wäre ja schnell.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Vielleicht Jean Ziegler (UNO-Beauftragter für das Recht auf Nahrung). Gegen alle Widerstände vertritt er seine eindeutige und absolut aufrüttelnde Ansicht – das ist bewundernswert.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die freundliche Stimme in den Bussen und Bahnen.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Kinder und Jugendliche würden nirgends Eintritt bezahlen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Die Karlsruher Köpfe kenne ich leider zu wenig, aber die markantesten deutschen Köpfe sind sicher momentan die beiden Wissenschaftler aus dem Osten, die sich anschicken, unser aller Zukunft zu gestalten.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Ein interessantes Land mit einer spannenden Entwicklung - ich würde gerne beim stetigen Umbau mithelfen.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Ehrlichkeit und Zivilcourage und alle Menschen, die diese Werte vertreten.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Gibt es nichts außer diesen beiden?

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