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Karlsruhe Diskussion im Ständehaussaal

Der ursprünglich geplante Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek hatte weltweit für Empörung gesorgt (Foto: ka-news)
Die 1954 als testamentarischer Wunsch von Friedrich II., des letzten regierenden Großherzogs von Baden, durch die baden-württembergische Landesregierung ins Leben gerufene Zähringer-Stiftung gerät immer mehr in die Kritik. Dringenden Änderungsbedarf sieht jetzt Alfried Wieczorek, Leiter der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Die Grünen im Landtag erkannten erst jüngst in der Stiftung "den Schlüssel" bei der Lösung der seit Monaten anhaltenden Auseinandersetzung um Eigentumsfragen bei Badischen Kulturgütern.

Wieczorek, der auch Vorstandsmitglied des Museumsverbandes Baden-Württem-berg ist, äußerte am Wochenende bei einer "Vorort-Veranstaltung" der SPD-Bundestagsfraktion in Karlsruhe (ka-news berichtete) sein Unverständnis über die Konstruktion der Stiftung. Heftig attackierte er dabei den Kunstauktionator Christoph Graf Douglas, der seit 2002 als Verwaltungsratsmitglied fungiere, verwandt sei mit dem Hause Baden "und in erster Linie wohl Verkaufsinteressen habe". Der Kulturschaffende Christoph Müller-Wirth erkennt in der Zähringer-Stiftung eine "virtuelle Veranstaltung".

Privateigentum des Hauses Baden oder Stiftungseigentum?

Kritik an der Stiftung übte auch Robert Mürb, der Vorsitzende der Landesvereinigung Baden in Europa, ein überparteilicher Verband "zur Wahrung badischer Interessen". CDU-Mitglied Mürb, der zusammen mit der Karlsruher Regierungspräsidentin a.D. Gerlinde Hämmerle (SPD) am Nikolaustag in Stuttgart Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) über 20.000 Protestunterschriften gegen den Verkauf badischer Kulturgüter überreichte (ka-news berichtete), sprach vom "schwarzen Loch", in das Licht zu bringen sei. Zu den drei Mitgliedern des Stiftungsrates gehört neben Bernhard von Baden und Graf Douglas der Direktor des Badischen Landesmuseums, Harald Siebenmorgen.

Siebenmorgen, der als Vertreter des Landes fungiert, hatte sich zu Beginn der vergangen Woche in Karlsruher Medien zum Kulturgüterstreit und der Rolle der Zähringer-Stiftung geäußert. Die Zähringer-Stiftung sei aufgrund des Testaments von Friedrich II. eingerichtet worden, der verfügt habe, "dass eine Reihe von Sammlungskomplexen, die er als sein Eigentum bezeichnet hat, nach dem Tod seiner Gattin in das Eigentum einer Stiftung übergehen soll", meinte Siebenmorgen. Als es 1954 zur Errichtung der Zähringer-Stiftung kam, sei weiterhin strittig geblieben, welche Teile weiterhin als Privateigentum der Familie von Baden zu betrachten waren, und was in die Stiftung eingehen sollte.

Gerlinde Hämmerle "läuft ein Schauer über den Rücken"

Die Grünen im Landtag sehen dagegen die Eigentumsverhältnisse an vielen Kunstgegenständen als "eindeutig geklärt". Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag führte am Dienstag als Beweis unter anderen das Testament des Großherzogs Friedrich II. an. Dieser vermachte die Türkensammlung, das Münzkabinett sowie die Wessenberg'sche Gemäldesammlung seiner Frau mit der Auflage, nach deren Tod eine Stiftung zu gründen. Für Walter steht es nicht zur Diskussion, ob die Kunstschätze dem Haus Baden oder dem Land gehörten, sondern zu klären sei, "ob sie Eigentum der Zähringer Stiftung oder des Landes sind."

Der früheren Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle "läuft heute ein Schauer über den Rücken", wenn sie dran denke, was möglicherweise bei der Auktion des Hauses Sotherbys 1995 ersteigert wurde, "das eigentlich schon längst uns gehört". Beim Ausverkauf der Kunstschätze aus dem Neuen Schloss in Baden-Baden war schon damals Graf Douglas federführend. Inzwischen ist von mindestens zwei Bildern bekannt, dass sie dem Land Baden-Württemberg gehörten. Hämmerle erinnerte daran, dass in ihrer Amtszeit als Regierungspräsidentin einzelne Stücke aus Baden-Baden für das Schloss Bruchsal gesichert worden seien.

Ministerpräsident Oettinger - ein "adliger Teppichhändler"?

Positiv merkte Hämmerle an, dass Wissenschaftsminister Frankenberg ihr bei der Übergabe der Unterschriften am Nikolaustag versichert habe, "Graf Douglas habe in seinem Ministerium keinen Zutritt, da er in erster Linie wirtschaftliche Interessen verfolge..." - Norbert H. Ott von der Bayerischen Akademie der Wissenschaft, der Ende September im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung die internationale Diskussion über den inzwischen wohl ad acta gelegten Verkauf wertvoller Badischer Handschriften eröffnete, geißelte abermals "das provinzielle Verhalten von Günther Oettinger".

Ott, der auch die Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters vertritt, sprach davon, man habe "wie ein Drogendealer im Schutz der Dunkelheit Geheimpläne ausgetüftelt und versucht, diese an der Öffentlichkeit vorbeizumogeln". Dies sei nun zurecht gescheitert, so Ott, der Oettinger mit einem "adligen Teppichhändler" verglich.

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