Karlsruhe Die unendliche Geschichte

Die Stadt, in der Fahrraderfinder Karl Drais seine grundlegende Bildung erlangt hat, muss fahrradfreundlicher werden. Dieser Ansicht war der Karlsruher Gemeinderat bereits vor über vier Jahren und beschloss den Bau einer Fahrradstation am Hauptbahnhof. Dass diese noch nicht steht, kann jeder sehen, und gestern erfuhren die Gemeinderatsfraktionen ebenfalls mit Verbitterung, dass die Chancen für eine Finanzierung alles andere als gut aussehen.

Die Gründe sind laut Stadtverwaltung beim Landesministerium für Umwelt und Verkehr und bei der Deutschen Bahn (DB) zu suchen. Zum einen weil das Landesministerium die Genehmigungspraxis für Bezuschussungen geändert habe und zum anderen, weil die DB nicht bereit sei, die nötige Zwischenfinanzierung zu betreiben. Grünen-Fraktionssprecherin Gisela Splett zeigte sich enttäuscht über die Antwort auf ihre Anfrage. "Städtische Parkanlagen für Autos gibt es zuhauf. Aber sobald es um Fahrräder geht, will die Stadt nur bauen, wenn es nichts kostet und man sich um nichts kümmern muss."

Geht die Geschichte doch noch weiter?

Auch der Sozialdemokrat Michael Zeh schloss sich der Kritik an. "Wir haben doch Geld für dieses Projekt eingeräumt. Wenn nichts daraus gemacht wird, hätten wir es auch gleich sein lassen können." Das ließ sich Oberbürgermeister Heinz Fenrich nicht gefallen: "Wir haben die Finanzierung in den Haushaltsplan in der Hoffnung eingestellt, dass der Bau auch kommt. An der jetzigen Situation sind wir nicht schuld." Dies sieht Christdemokrat Heinz Vogel ähnlich und kann nicht so recht nachvollziehen, weshalb die DB einen solchen Bau, der doch eigentlich den Service verbessere, nicht mittragen möchte. Auch Rita Fromm von der FDP/Aufbruch-Fraktion kann sich der Kritik ihrer Vorgänger nicht anschließen. Sie betonte, dass eine Stadt solche Projekte nicht im Alleingang angehen könne.

Vorerst werden Freunde des Zweirads also auf eine Fahrradstation verzichten müssen. Jedoch gibt es noch Möglichkeiten, handelt es sich nach den Worten Spletts doch um eine "unendliche Geschichte". So werde Baudezernent Ulrich Eidenmüller noch weitere Gespräche mit der Bahn führen, um möglicherweise noch eine Zusammenarbeit verkünden zu können. Eines geht jedoch aus der Antwort der Stadtverwaltung deutlich hervor: die bisherigen, ausgiebigen Bauvarianten wird es nur auf Papier geben, die Realität wird - wenn überhaupt - viel schlanker ausfallen.

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