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Philippsburg Die Kühltürme des AKW Philippsburg werden gesprengt - wann, das entscheidet Corona

Die Entscheidung ist gefallen: Die Kühltürme des seit Ende 2019 abgeschalteten Kernkraftwerks in Philippsburg werden gesprengt. Auf dem Gelände wird danach ein sogenanntes Gleichstrom-Umspannwerk entstehen. Wann genau es aber soweit sein soll, ist - unter anderem auch aufgrund der Entwicklung der Corona-Pandemie - noch nicht klar.

Während die beiden Kraftwerkblöcke KKP 1 und 2 seit Ende vergangenen Jahres endgültig vom Netz sind und zurückgebaut werden, sollen nun auch die beiden Kühltürme des AKW Philippsburg folgen. Noch im Jahr 2020 sollen die markanten, jeweils rund 152 Meter hohen und 124 Meter breiten Türme dem Erdboden gleichgemacht werden. 

Der Reaktorblock von KKP2, der Ende 2019 stillgelegt wurde. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Der EnBW-Standort Philippsburg ist Schauplatz der Energiewende"

"Der EnBW-Standort Philippsburg ist ein Schauplatz der Energiewende", sagt Jörg Michels, Vorsitzender der Geschäftsführung der EnBW Kernkraft GmbH, die für den Abbruch verantwortlich ist.

Jörg Michels, Vorsitzender der Geschäftsführung der EnBW Kernkraft GmbH | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Bislang sind die formalen Verfahren und die Vorbereitungsarbeiten im Abbruch-Projekt planmäßig und gut verlaufen. Deshalb haben wir entschieden, auch auf formaler Ebene den nächsten Schritt zu gehen", so Michels.

Türme sind nicht radioaktiv belastet

Statt die Türme Stück für Stück von oben herab abzutragen - eine laut Michels monatelange und lärm- sowie staubintensive Arbeit - werden sie gesprengt. "Es handelt sich um ein in Deutschland und weltweit bewahrtes, sehr sicheres Verfahren", so der EnBW-Kernkraft-Chef.

Zudem habe man mit Messungen sichergestellt, dass beide Bauwerke nicht mit Radioaktivität belastet sind. "Die Sicherheit hat hier die oberste Priorität."

Die Türme wurden negativ auf Radioaktivität getestet. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Um die jeweils rund 32.500 Tonnen schweren Kolosse aus Stahlbeton zu sprengen, muss eine Menge Vorarbeit geleistet werden, etwa der Ausbau der Einbauten der Kühltürme, der Verschluss von Leitungen oder die Stilllegung von Flugwarnbefeuerung und Aufzügen.

Die Vorarbeiten laufen bereits | Bild: EnBW Kernkraft GmbH

Sprengung innerhalb einer Minute vollzogen

Damit beide Türme schließlich auch in die gewünschte Richtung fallen, werden zuvor Bohrlöcher sowie sogenannte "Vorschwächungen" in den unteren Bereich des Stahlbetons sowie den Stützen eingebracht, die dann mit dem Sprengstoff gefüllt werden.

So soll die Sprengung ablaufen: 

Wird dieser gezündet, kollabieren die Türme in wenigen Sekunden in sich selbst. "Innerhalb von einer Minute ist die Sprengung vollbracht", erklärt Thomas Müller, Projektleiter des Kühlturmabbruchs.

Bild: EnBW Kernkraft GmbH

Corona-Virus könnte Sprengung zeitlich verzögern

Doch wann genau soll es losgehen können? "Der Abbruchtermin ist von mehreren Faktoren abhängig, die sich auch teilweise kurzfristig ändern können", sagt Jörg Michels. Zum Einen müssen formale Verfahren und die Vorarbeiten abgeschlossen sein, zum Anderen müssen sowohl Wasserstand und Meteorologische Bedingungen passen.

Jörg Michels | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Aber auch von der weiteren Entwicklung des Corona-Virus hängt die Durchführung der Sprengung ab", so Michels. Die neuartige Lungenkrankheit beeinflusst auch, ob Zuschauer sich die Sprengung - abseits der abgesperrten Rheinschanzinsel, auf der das AKW steht - anschauen können.

Ob Zuschauer sich die Sprengung ansehen können, ist noch unklar. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Die EnBW Kernkraft GmbH befindet sich hierfür in einem ständigen Austausch mit Behörden, der Polizei und den Kommunen, wie damit umgegangen werden kann", erklärt Jörg Michels.

Frühester Termin ist der 14. Mai

Aus formalen Gründen habe man aber einen frühestmöglichen Termin für die Sprengung festlegen müssen. "Dieser ist der 14. Mai 2020." Wann die Sprengung aber tatsachlich stattfinden wird, sei laut dem EnBW-Kernkraft-Chef noch völlig offen. 

Jörg Michels | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Wir werden uns nicht auf Biegen und Brechen auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen. Ein solches Projekt muss verantwortlich und sicher durchgeführt werden", appelliert Michels an das Verständnis der Bürger.

Konverter soll Stromversorgung im Süden gewährleisten

Und was passiert danach mit der Fläche? Sind die über vier Jahrzehnte alten Kühltürme erst einmal dem Erdboden gleichgemacht, wird auf der rund 100.000 Quadratmeter großen Fläche ein Gleichstrom-Umspannwerk - auch "Konverter" genannt - gebaut. Hierfür werden auch die Reste der gesprengten Türme wieder verbaut werden.

Die Kühltürme der Reaktoren KKP2 (links) und KKP 1. Sie stehen beide auf dem Baufeld des Konverters (braune Fläche). | Bild: EnBW Kernkraft GmbH

Mit dem Konverter wird Strom aus dem Norden Deutschlands in das Netz im Süden eingespeist werden. Realisiert wird das Projekt durch die TransnetBW. Sprecherin Regina König sagt: "Er ist damit ein zentrales Projekt der Energiewende und ein wichtiger Baustein für die künftige Gewährleistung der Versorgungssicherheit in Süddeutschland."

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  •   Mönchen
    (1 Beiträge)

    30.03.2020 15:38 Uhr
    AKW Philippsburg Kühltürme
    Was geschieht mit dem verarbeiteten Asbest während einer Sprengung?
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  •   Iglaubsnet
    (776 Beiträge)

    27.03.2020 10:56 Uhr
    Der Fortschritt
    verschwindet, die Unvernunft bleibt.
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  •   Reger
    (188 Beiträge)

    27.03.2020 10:10 Uhr
    Zu früh
    Ob das nicht zu schnell geht? Weg ist weg. Und wenn man sich mal zum Atomausstieg wieder anders besinnt?
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  •   andip
    (10399 Beiträge)

    27.03.2020 12:16 Uhr
    Wäre egal
    Das dazu gehörige AKW ist ja ebenfalls schon im Abbau und ausser Betrieb.
    Das kann man nicht mehr anfahren.
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  •   yokohama
    (3433 Beiträge)

    26.03.2020 22:00 Uhr
    Dann geht was verloren
    Die Dinger waren im Umkreis von 100 km zu sehen.
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  •   andip
    (10399 Beiträge)

    27.03.2020 12:13 Uhr
    Tja
    Dann schnell noch unter Denkmalschutz stellen. zwinkern
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11882 Beiträge)

    26.03.2020 23:36 Uhr
    die Dinger braucht eigentlich keine S...,
    aber ich befürchte, dass es doch eine Belastung dort gibt, die bei einer Sprengung freigesetzt werden könnte.
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  •   haku
    (4149 Beiträge)

    27.03.2020 09:25 Uhr
    Die Dinger...
    ...haben nichts getan ausser ein Teil des Kühlwassers zu verdunsten, der Rest ging in den Rhein. Wenn die nicht mit Asbest verkleidet sind wüsste ich nicht, was da für eine Belastung auftreten sollte.

    Anfang der 1980er stand ich bei einer Besichtigung im Kühlturm von KKP 2.
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