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Karlsruhe/Stuttgart Derby-Einsatz: Verfahren gegen Reiterstaffel eingestellt

Der Einsatz der Stuttgarter Polizei beim Derby des KSC gegen den VfB in Stuttgart sorgte im vergangenen September für eine Menge Wirbel. Die Beamten, besonders die Reiterstaffel, seien unangemessen hart vorgegangen, klagten KSC-Fans. Jetzt hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen die Beamten eingestellt. Doch das letzte Wort ist hier wohl noch nicht gesprochen.

Diejenigen, die gegen den Schlagstockeinsatz der Reiterstaffel Strafanzeige im Amt (siehe auch:"Vorwürfe der Fans") erstattet hatten, erhielten am Montag Post: In einem 35 Seiten langen Brief informierte die Staatsanwaltschaft Stuttgart über die Einstellung des Verfahrens.

Am 21. September 2008 war es nach einem Bundesliga-Spiel des VfB gegen den KSC in Stuttgart zu Ausschreitungen gekommen. KSC-Fans sollten damals in einem abgesperrten und mit Sichtschutzfolie verhangenen Marschblock zum Bahnhof geleitet werden. Als VfB-Anhänger Becher und Fahnen über die Absperrung warfen, versuchten einige Fans, den Zaun anzuheben. Polizisten der Reiterstaffel griffen ein und verletzten KSC-Angänger mit Schlagstöcken.

Verletzte Fans, attackierte Polizisten

In dem Schreiben, das ka-news vorliegt, werden zahlreiche Zeugenaussagen aufgeführt, die von einem teilweise brutalen Vorgehen der Polizisten zu Pferd berichten. Mehrfach hatten die Zeugen beobachtet, wie ein junges Mädchen bei dem Einsatz verletzt und ohnmächtig wurde. Der Vater des Mädchens, das im Krankenhaus behandelt werden musste, erstattete ebenfalls Strafanzeige.

Auch von Schulterverletzungen, Zerrungen im Wirbelsäulenbereich, Verstauchung, Todesangst und Nervenzusammenbrüchen ist die Rede. Alle Zeugen, darunter auch VfB-Fans, betonten unabhängig voneinander, dass einige Reiter mit hoher Geschwindigkeit in die Menge geprescht seien, wild um sich geschlagen und so die Menschen verletzt und in Panik versetzt hätten. Rainer Schorpp, einer der Anzeigenerstatter, war in dem Marschblock: "Die sind unvermittelt in die Menge geprescht und haben um sich gehauen."

Videos widerlegen Beschwerden

Die beiden Polizisten, die zuerst in den Marschblock ritten, beschreiben die Situation, laut Staatsanwaltschaft, anders: Beide berichten davon, dass ihre Pferde getreten und teilweise mit Fahnenstangen geschlagen wurden. Sie hätten deshalb versucht, "ständig in Bewegung zu sein, um Gewalttätern keine Angriffsmöglichkeit zu bieten und zugleich die Fans Richtung Benzstraße zu drängen". Dass der Ausgang Benzstraße aber wegen eines Feuerwehreinsatzes gesperrt war, hätten beide zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst.

Laut Schreiben der Staatsanwaltschaft geht auch aus dem Funkverkehr hervor, dass Beamte zu Pferd attackiert wurden. Auch die Videoanzeigen würden die Zeugenaussagen widerlegen. Im Schreiben heißt es: "Die Videoaufzeichnungen belegen, dass das Einreiten im Schritt in Reihe am Zaun entlang erfolgte und zu keinerlei Unruhe unter den KSC-Fans führte. Es ist nicht ersichtlich , dass berittene Polizeibeamte mit dem Schlagstock willkürlich in die Menge geschlagen oder wahllos mit ihren Schlagstöcken Hiebe verteilt hätten.

"Hau ab, sonst kriegst du auch noch Prügel"

Zeuge Schorpp ist trotz der Polizisten-Aussagen empört und empfindet die Reaktion als völlig überzogen. "Da waren auch Frauen und Kinder im Durchlass, die wurden in Angst und Schrecken versetzt. Es gab ja auch keine Ausweichmöglichkeit. Außerdem waren dort überwiegend friedliche Fans."  

Er habe vielmehr den Eindruck, es habe den Beamten Spaß gemacht, mit Schlagstöcken auf die Fans loszugehen. "Ich habe nach der Attacke versucht, mit einem der Polizisten zu reden, dessen Reakion: 'Hau ab, sonst kriegst du auch noch Prügel'." Für Schorpp ist die Sache klar: es seien zu wenige Bereitschaftspolizisten vor Ort gewesen.

Zwei Wochen Beschwerdefrist

Direkt nach dem Spiel im vergangenen Jahr hatte Stefan Keilbach, Presseprecher der Stuttgarter Polizei, erklärt, der Einsatz werde genau geprüft und die Vorwürfe der KSC-Fans sehr ernst genommen. Sieben Monate nach dem Derby ist die Staatsanwaltschaft offenbar zu einer anderen Entscheidung gekommen, als die KSC-Fans sie erhofft hatten.

Auf Anfrage von ka-news bestätigte die Behörde, dass das Ermittlungsverfahren zwar - zunächst jedenfalls - eingestellt sei. Aber: "Es kann noch das Rechtsmittel der Beschwerde eingelegt werden", informiert Pressesprecherin Claudia Krauth. Zwei Wochen haben die Erstatter der Anzeige Zeit, sich gegen die Einstellung des Verfahrens zu wehren. Zeuge Schorpp jedenfalls glaubt, dass es Einspruch geben wird.

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  •   andi79
    (2939 Beiträge)

    31.05.2009 15:11 Uhr
    @unksc
    hoffe du kriegst mal nen knüppel ab.. leichte schläge auf den hinterkopf erhöhen das denkvermögen...

    "Benehmt Euch wie halbwegs normale Menschen und Euch wird nichts passieren."

    die 14jährige die dann im Krankenhaus war, war bestimmt hardcorehooligan und hat im alleingang die Polizei angegriffen
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  • unbekannt
    (8 Beiträge)

    31.05.2009 10:52 Uhr
    Fans???????
    Bei dem schlechten Image was Ihr in ganz Deutschland habt,ist das auch gut so das gelegentlich der Knüppel geschwungen wird.
    Benehmt Euch wie halbwegs normale Menschen und Euch wird nichts passieren.
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  •   haenger
    (502 Beiträge)

    31.05.2009 08:03 Uhr
    Regt euch doch nicht auf.
    Das war jetzt halt ein Spiel, wo jede Menge Otto-Normalverbraucher eins auf die Birne bekommen haben. Ja und? Jahrelang haben wir Viel-Auswärtsfahrer über Hooligans in Uniform geklagt. Wir bekamen kein Gehör, das Gegenteil war der Fall.
    Deshalb freut es mich jetzt ganz besonders für jeden unschuldigen Familienvater, der einen Bengel abbekommen hat. Für das gemeine Fußball-Event-Publikum waren die beiden VfB Spiele ein Skandal, für uns leider Alltag (gibt natürlich Ausnahmen).
    Das Ganze spielt sich Wochenende für Wochenende deutschlandweit(!) in den Stadien ab. Aber, wer glaubt schon einem blutenden Fussballfan mit 0,9 Promille?
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    30.05.2009 14:51 Uhr
    ne, sorry
    wenn es normal ist Gegenstände zu werfen, dann ist auch ein bisschen Schlagstockeinsatz normal. Die Polizei hat noch ganz andere Mittel zur Verfügung, ich verweise nochmal auf Gummigeschosse, Wasserwerfer und Tränengas, mit denen die Schweizer Polizei den Frieden wiederherstellt.
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  • unbekannt
    (8 Beiträge)

    30.05.2009 14:17 Uhr
    Real üben
    von wo was kam ist doch zweitrangig.Ksc "Fans" haben nun mal ein so schlechtes Image.Und ie Polizisten müssen ja auch mal realitätsnah üben.Warum nicht an den schlimmsten Fans Deutschlands.
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  •   otteg
    (476 Beiträge)

    30.05.2009 14:15 Uhr
    die frage
    ist, ob man sich als "friedlicher" normalo-fan mit kleinen kindern im schlepptau überhaupt ein auswärtsspiel in stuttgart antun muss. da ist doch eigentlich vorprogrammiert, dass man zwischen die fronten gerät....
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  •   andi79
    (2939 Beiträge)

    30.05.2009 13:57 Uhr
    so ein Schwachsinn
    die Gegenstände kamen aus dem bereich der eingesperrten... und auch eine ganz normale reaktion wenn man angegrifen wird. Im Video sieht es ruhiger aus wie es war. Der Einsatz war, ist und bleibt unverantwortlich. Ausgangssituation waren ein paar besoffene die am zaun gerüttelt haben (ohne daß irgend eine gefährdung da gegewesen wäre), auf der Seite Gegenüber mind. 30 "Securitys" in gelben Jacken. 0 Gefahr. Alles weitere wurde durch die Reiter provoziert die in eine eingesperrte,dichgedrängte Menge geritten sind und um sich geschlagen haben.
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  • unbekannt
    (127 Beiträge)

    30.05.2009 13:09 Uhr
    oh
    wär das in karlsruhe passiert wäre es bestimmt nicht eingestellt.
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  •   chrisrut
    (423 Beiträge)

    30.05.2009 11:35 Uhr
    Gegenstände im Video!
    Also bei dem Video könnten die Gegenstände auch von den Stuttgarter Fans kommen. So genau ist da nichts zu erkennen.
    Für mich stellt sich die Frage wieso überhaupt Pferde gegen eine Menschenmenge eingesetzt wurden. So unkontrollierbar war die Menge im Absperrbereich doch nicht.
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  • unbekannt
    (24 Beiträge)

    30.05.2009 11:15 Uhr
    Einschätzung
    ... sicherlich ist es dann tragisch aber eben möglich, dass Unbeteiligte betroffen sind.
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