Der Tod einer 17-Jährigen

...meint Stefan Jehle

Das Unfassbare ist geschehen. Die 17-jährige Nicole ist tot. Das Mädchen war in den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstags niedergestochen worden. Im Zentrum von Karlsruhe, auf dem Pflaster des gerade immer wieder von Jugendlichen belebten Kronenplatzes. Zwei Tage nach dem Messerangriff einer nahezu Gleichaltrigen ist Nicole tot, die 17-jährige Schülerin aus der Karlsruher Oststadt erlag ihren schweren Verletzungen.

Wir bleiben fassungslos zurück, wir, die Gesellschaft, die wir tagtäglich von schrecklichen Unfällen, von Katastrophen, von Kriegen in aller Welt "gefüttert" werden. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, die Bewohner dieser Stadt sind "äußerste Brutalitätsszenen" gewohnt. Einer Brutalität, die zuweilen von der Medien- und Filmindustrie selbst gefördert wird: von vielen der so genannten Mainstream-Filme in den Kinos, die auf "Action" setzen. Von manchen "Soaps" und vor allem von den dümmlichen Nachmittags-Talkshows der privaten Fernsehsender.

Das Internet trägt ein Übriges dazu bei. Wo Zwölf- oder 13-Jährige früher draußen in der Waldlichtung Grillpartys feierten oder auf dem Fußballplatz "ihre Kräfte" abreagierten, sitzen sie heute vor Computerspielen. Messen ihre Stärke im Kampf "der Außerirdischen", "im Motodrom", haben ungehindert Zugang zu den Parallelwelten des World-Wide-Web. Mit modernen Mobiltelefonen, vor zehn Jahren allenfalls im Besitz "der Besserverdienenden", drehen mittlerweile selbst Kinder aus weniger betuchten Familien kurze Gewaltvideos.

Da drückt man seinem Schulkameraden, seiner Schulkameradin eine brennende Zigarette auf dem Unterarm aus oder schlägt ihm die Nase blutig. Das ganze wird mit Handy gefilmt und anschließend per Mail an Freunde verschickt. Das gilt dann als "mega-cool", ist Realität an deutschen Schulen. Kloppereien auf dem Schulhof, sich häufende Gewalttaten wie an der Berliner Rütli-Schule sind auch in anderen Städten Realität. Mit der Nationalität, mit den Herkunftsländern der jeweils für Randale sorgenden Schülerinnen und Schüler - das ist nicht zuletzt ein ureigenes deutsches Problem - hat das in den meisten Fällen herzlich wenig zu tun.

Da wird wohl auch der Tod der 17-jährigen Nicole nur für einen kurzen Augenblick zum Innehalten reichen: Die Kerzen der Freunde und Verwandten, die Blumen am Kronenplatz vermitteln zwar ein Stück Hoffnung. Aber es bleibt die Frage: Warum? Und es bleibt vor allem die Frage: Wie kann und wie wird die Gesellschaft, trotz aller Fassungslosigkeit, mit der zunehmenden Brutalität und Gewaltverherrlichung künftig umgehen?

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