Karlsruhe Der Karlsruher "Cent-Macher"

Rolf Lederbogen vor "seinen"
Cent in der "Münze" (Foto: ka-news)
Am interessantesten sind meist die Geschichten hinter den Geschichten. So auch bei der Idee und Einführung des Euro. Karlsruhe ist mit beiden eng verbunden. Nicht nur aufgrund der "Staatlichen Münze", die unter dem Buchstaben "G" in der Stephanienstraße die "harte Marke" prägte und nun noch bis März 2003 einen Auftrag für die Herstellung des Cent und Euro auszuführen hat. Der Euro trägt auch die Handschrift und das Design eines Karlsruhers - genauer gesagt geht es um den Cent. Rolf Lederbogen, Professor an der Universität der Fächerstadt und freier Designer, hat "die nationale Rückseite" der neuen deutschen Kupfermünzen entworfen. Sie ziert ein Eichenblatt.

Für Lederbogen ist die Münz-Design-Arbeit im Grunde keine große Sache - ein Wettbewerbsauftrag wie viele andere auch. Dennoch erfüllt ihn, je näher die Einführung der neuen Währung rückte, die Aufnahme in die Runde der "Euro-" und "Cent-Macher" in Europa mit Freude und auch mit Stolz. Wer die Rückseite der Pfennigmünze mit dem des deutschen Cent vergleicht, kommt schnell auf die Idee, dass dem Eichenblatt, das auf diesen Geldstücken zu sehen ist, einfach ein moderneres Design verpasst wurde. Dieser einfache Gedanke allerdings ist falsch und damit sind wir bei der "Geschichte hinter der Geschichte". Den Beweis tritt der Badener selbst an - der Schöpfer der "nationalen Seite" der neuen Kupfermünzen.

Der erste "Euro-Kontakt" war 1996

Die "nationale Seite" des Cent (Foto: ka-news)
"Der Entwurf, das Eichenblatt mit der Frucht, wurde aus dem Zusammenhang genommen", beteuert der 73-Jährige. "Ich dachte weder an die Pfennigmünzen, noch an die deutsche Eiche." Eine Jury wählte das Motiv aus seiner eingereichten achtteiligen Serie aus. Ob sich die Juroren "der nationalen Identität" wegen für die neue Version der über 50 Jahre gültigen Münzen entschieden haben, kann der Karlsruher Designer nicht sagen.

"1996 hatte ich den ersten Kontakt in Sachen Euro", berichtet der Karlsruher Uni-Professor und freie Architekt. Das Bundesfinanzministerium kam im Rahmen ihres nicht öffentlichen Design-Wettbewerbs auf ihn zu. Dazu Lederbogen: "Ich wurde als einer von zehn Künstlern für die Reihe 'Architektur oder Architekturdetails in Europa' eingeladen." Als weitere parallel laufende Entwurfsideen standen "Europäische Persönlichkeiten" und "der Gedanke Europas - die Ziele und Ideale der Europäischen Union" als Aufgabenstellung für die weiteren 20 Wettstreiter an.

Während für die Münzvorderseite der Entwurfsrahmen durch die Juryvorgaben eng gesteckt war, hatten die Designer bei der Rückseite freie Hand. "Ich habe für jede der acht Münzen einen anderen Architekturstil als Frontmotiv vorgeschlagen", erklärt der Professor. "Für die Rückseite, also die nationale Seite, entschied ich mich für Laubbäume." So reichte er die Ein-Cent-Münze mit dem Eichenblatt und einem Megalithbau ein. Bei der Zwei-Cent-Münze entschied er sich für einen klassischen Tempel und das Blatt einer Stechpalme. Ein Ahornblatt und eine Kirche schmücken seine Fünf-Cent-Münze, die für die Zeit der Romanik steht. Die "nationale Reihe" seiner eingereichten Gipsentwürfe zieren weiter die Blätter der Birke, Eberesche, Buche, Ulmus (für den Euro) und der Linde. Lederbogen deckt mit der "Europäischen Seite" von dem Neolitikum über die Gotik und Barock bis zum 20. Jahrhundert acht Epochen ab.

16 Karlsruher Entwürfte wurden eingereicht

Insgesamt reichte der Badener wie seine Mitkonkurrenten 16 unterschiedliche Cent- und Euro-Entwürfe beim Bundesfinanzministerium ein. Der gleiche Prozess spielte sich in allen anderen Ländern, die sich für die Währungsunion entschieden haben, ab. Unter allen eingereichten Arbeiten wählten die Juroren am Ende ihre Favoriten aus. Bei der kleinsten Währung machte der Belgier Luc Luycx mit seiner Idee für die europaweite Frontseite und eben Rolf Lederbogen für die deutsche Rückseite das Rennen. Ihre Entwürfe wurden für die Kupfermünzen, also das Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Stück bestimmt.

Hier die Entwürfe auf Papier (Foto: ka-news)
Bei einem Rundgang mit Lederbogen durch die "Staatliche Münze" in Karlsruhe sprudeln die Erzählungen aus dem ansonsten eher stillen und zurückhaltenden Mann regelrecht heraus. Zwar räumt er ein, dass der Entwurf der neuen Münzen für ihn "ein ganz normaler Design-Alltag" gewesen sei, doch seine Faszination während der Produktion des Hartgeldes spricht eine andere Sprache. Sichtlich zufrieden und mit einer unübersehbaren Freude stoppt er mit unserem Begleiter, dem Hausmeister Fritz Mann, an der Prägestation, den Verpackungsmaschinen oder vor Europas größter Tresortür. "Ich habe einfach Glück gehabt, dass einer meiner Entwürfe unter den vielen ausgewählt wurde", so der Designer. "Aber es ist natürlich schön, hier zu sehen, wie die eigene Idee umgesetzt wird."

Sieben Mal schon war der Künstler mit seinen Briefmarkenentwürfen auf Einladung des Postministeriums erfolgreich. Auch Gedenkmünzen, unter anderem 1975 für die Karlsruher Universität, hat er bereits entworfen. Das Denken aus der Ebene heraus in die dritte Dimension begeistert Lederbogen. Das Prägen des Münzrandes ist für ihn eine wahre Herausforderung. Die technischen Auflagen spornen ihn an. Doch bei allem Stolz, der ihn angesichts "seines" Cent erfüllt, schwingt auch ein wenig Wehmut mit. Schließlich ist jede seiner Laubbaumblatt-Ideen ein Design-Schmuckstück. Darum meint er auch am Ende der Besichtigung der "Münze" und seiner Gipsentwürfe: "Ich freue mich schon über den Erfolg meines Eichenblatts. Aber wäre die Reihe der Laubbäume genommen worden, wären wir Deutschen um ein Vielfaches reicher geworden." So, hätten wir eben nur wieder mal "unser Eichenblatt".

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