Karlsruhe/Buta Demokratie ist Trumpf II

Auch im Kongo können Wahlbeobachter Hoyem und seine Crew entspannt für ein Foto posieren (Foto: pr)
Vom skandinavischen Politiker und Karlsruher Schuldirektor zum Wahlbeobachter im Kongo. Ein ungewöhnlicher Werdegang, doch nicht für Tom Høyem. Der Wahl-Badener sorgt für einen demokratischen Ablauf der ersten freien Wahlen in dem afrikanischen Land (ka-news berichtete). Er hält sich in dem Dorf Buta in der Provinz "Oriental" auf. Dort verliefen die Wahlen ruhiger als erwartet. Doch Hoyem rechnet vor allem bei der jetzt anstehenden Auszählung mit Problemen. In der kommenden Woche wird er sich mit seiner Kollegin, einer Badnerin aus Freiburg, in der Zentralwahlstelle der Provinz aufhalten.

Die beiden befinden sich im Dorf Buta im Ost-Kongo. "Sie müssen sich das vorstellen wie im Film: Strohhütten und eine lange Straße, alles mitten im Dschungel" sagte Høyem beim Telefoninterview mit ka-news. Das ist aber nicht das Problem für den Karlsruher Dänen und seine Kollegin. Angst haben beide nicht, denn sie genießen rund um die Uhr Geleitschutz von Soldaten. Eine wirkliche Gefahr bestand für die Wahlbeobachter aus Baden bisher nicht. "Teilweise haben sich die Leute beschwert, weil die Wahllokale pünklich um 17 Uhr Ortszeit geschlossen haben. Das ist verständlich, wenn man unglaubliche Strecken zu Fuß zurücklegt und dann nicht mal seine Stimme abgeben kann", zeigte Høyem Solidarität.

Der Wahl-Badner Hoyem fühlt sich auch im Kongo wohl (Foto: pr)

Besonders stolz ist Høyem, der mit seiner Kollegin insgesamt zwölf Wahllokale besuchte, dass sie als Beobachter noch mehr Menschen zu den Urnen gebracht haben: "Hier sitzen so viele im Gefängnis oder liegen im Krankenhaus. Die hätten nicht wählen können, und dagegen haben wir protestiert. So lange, bis die Polizei die Gefangenen und alle transportierbaren Kranken in die Wahllokale gebracht hat. Diese Wahl ist so wichtig für den Kongo und seine Zukunft, da muss einfach jeder abstimmen können", begründet Høyem den Einsatz.

"Ich befürchte, die Menschen erwarten zu viel"

Der Wahl-Badener ist glücklich, dass er im Kongo dabei sein kann. Es sei das Beste, was er habe machen können, ist er sich sicher. Es werde Zeit, dieses große Land in einer Demokratie zu einen. Dieser Standpunkt ist verständlich, bedenkt man die Geschichte des Kongo. Jahrzehntelang herrschte dort ein schier unbeschreiblicher Bürgerkrieg - vergleichbar nur mit dem Zweiten Weltkrieg, so Høyem. "Hier in Buta wohnen vergewaltigte Frauen Tür an Tür mit ihren ehemaligen Peinigern. Es ist schlimm. Doch der gemeinsame Wille zur Demokratie könnte hier einige Wunden heilen", hofft Høyem.

Während der Wahl hatte Høyem keine Angst, doch die stellt sich mit den Gedanken an die Zukunft dann doch ein. "Ich glaube nicht, dass die Provinz 'Oriental' in zwei Wochen eine gute Infrastruktur, ausreichend Wasser und Elektrizität hat. Das geht gar nicht. Doch ich befürchte, die Menschen erwarten zu viel und machen ihrem Unmut vielleicht Luft..." Eine Vermutung, mit der Høyem gar nicht so falsch liegen mag. Doch wie es im Kongo wirklich weiter geht, kann nur die Zukunft zeigen.

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