Karlsruhe/Buta Demokratie ist Trumpf I

Im Kongo hat Tom Hoyem immer einen Soldaten an seiner Seite (Foto: pr)
Ein Karlsruher im Kongo. Was sich zunächst ein bisschen nach Abenteuerfilm anhört, ist spannende Realität: Tom Hoyem, Direktor der Europäischen Schule Karlsruhe, ist derzeit in einem der unruhigsten Länder der Welt unterwegs. Dort ist er einer von rund 250 internationalen Beobachtern bei den ersten demokratischen Wahlen seit Jahrzehnten (ka-news berichtete). Diese sind nicht im Sinne jedes Kongolesen - und die Gefahr ist allgegenwärtig.

Die eigentliche Wahl ist bereits gelaufen, jetzt beginnt die wirkliche Arbeit Hoyems und seiner Kollegen. Denn der Betrug, sagt er, wird erst bei der Stimmauszählung in den Zentralwahlstellen versucht. Tom Hoyem ist multikulturell. Geboren in Dänemark, Ex-Minister für Grönland und bereits seit Jahren Direktor der Europäischen Schule Karlsruhe. Für den Job als Wahlbeobachter im Kongo ist Hoyem qualifiziert wie kaum ein anderer. Sein Zuständigkeitsbereich ist die Provinz "Oriental" nahe der Grenzen zu Uganda und Burundi. Hier haben es die Menschen besonders schwer, denn sie leben in der "vergessenen Provinz". So nennen die Einheimischen selbst ihre Heimat. Während des Wahlkampfs hat sich dort keiner der Präsidentschaftskandidaten blicken lassen.

Volksfeststimmung nach 80 Kilometern Fußmarsch

Während in den neun anderen Provinzen und dem Hauptstadtdistrikt des Kongo, der "Neutralen Stadt", Wahlkampf gemacht, eine bessere Infrastruktur, Wasser und Elektrizität versprochen wurden, bekamen die Menschen in der Provinz "Oriental" kaum etwas von der neuen, demokratischen Politik mit. Doch in Hoyems Bereich gab es während des Wahltags am vergangenen Sonntag kaum Unruhen. "Es war viel ruhiger als erwartet", sagt er im Telefoninterview mit ka-news. Eine Erklärung hat er auch parat: "Das Volk hier ist kriegsmüde, sie haben den Willen zur Demokratie." Doch vorher konnte das niemand wissen, und eine Sicherheitsgarantie gibt es auch jetzt nicht - deshalb ist immer ein Bodyguard in Hoyems Nähe und die kugelsichere Weste unerlässlicher Teil der Ausrüstung.

Hoyem und seine Kollegin aus Freiburg mit ihren Bodyguards und Wahlhelfern - Helm und kugelsichere Weste sind Pflicht (Foto: pr)

Doch die Gefahr, die überall gegenwärtig ist, hindert die Menschen nicht daran, an die Demokratie zu glauben. Als "Volksfest" bezeichnet Hoyem den Verlauf der Wahl und erklärt auch gleich, warum dies so ist: "Die Menschen mussten teilweise bis zu 80 Kilometer zu Fuß zum nächsten Wahllokal gehen. Wenn man so lange gelaufen ist, will man am Ende nicht nur seine Stimme abgeben, sondern auch feiern." Dass die Menschen diese Strapazen auf sich nahmen, zeigt deren Motivation, endlich geregelte Verhältnisse im Kongo zu schaffen. Auf den ersten Blick scheint das fast unmöglich, ist das Land doch insgesamt so groß wie Westeuropa.

Im zweiten Teil der ka-news-Serie "Demokratie ist Trumpf" am morgigen Mittwoch erfahren die ka-news-Leser mehr über Tom Hoyems Mission im Kongo, über seine Erlebnisse in und seine Eindrücke von dem von Bürgerkriegen gezeichneten Land.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.