Karlsruhe Demo: "Stuhlgang gegen Braun"

Keine Autos, dafür Demonstranten auf der Badener Straße (Foto: ka-news)

Die gewohnten Geräusche der vorbeifahrenden Autos verstummten vor dem Haus Nummer 34 in der Badener Straße in Durlach, stattdessen waren andere Töne zu hören. "Hier wird es nie eine NPD-Zentrale geben", hallte eine laute Rednerstimme über das Menschenmeer, das sich am gestrigen Freitag Abend auf der Straße versammelt hatte. Rund 600 Personen waren erschienen, um gegen das geplante "Nationale Zentrum" der umstrittenen Partei (ka-news berichtete) lauthals zu demonstrieren.

Eigentlich wollten die Rechtsradikalen in dem Gebäude einem Konzert des NPD-Mitglieds und Liedermachers Frank Rennicke lauschen, doch daraus wurde nichts - kein "Nationaldemokrat" ließ sich blicken. Die Show gehörte ganz den Demonstranten, die mit lauter Musik aus Lautsprechern und vielen Reden gegen die Rechten mobil machten. Sie waren dem Aufruf des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Karlsruhe gefolgt, das ab 18 Uhr eine Kundgebung mit Stühlen vor dem geplanten NPD-Zentrum angemeldet hatte. Bis 19.30 Uhr machten es sich die Demonstranten schließlich unter dem Motto "Stuhlgang gegen Braun" auf ihren mitgebrachten Sitzgelegenheiten in der Badener Straße bequem.

Menschenmeer auf der Badener Straße (Foto: ka-news)

Auch bekannte Persönlichkeiten stimmten in den Chor gegen die Nazis ein. Unter anderem erschienen Manfred Groh (CDU), Johannes Stober (SPD) und Anne Segor von den Grünen. "Heute ist es nötig auf die Straße zu gehen", erklärte der Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Jung gegenüber ka-news. "Durlach ist ein denkbar schlechtes Pflaster für Nazis." Dann zog er weiter, um vor der versammelten Menge eine Rede zu halten. Zu den Rednern gehörte auch Jürgen Ziegler, Bezirksgeschäftsführer von Verdi, der soziale Probleme für das Abdriften in die Rechtsradikalität verantwortlich machte. "Das soziale Umfeld muss stimmen, um den Nazis zu begegnen", rief er und brachte die bekannte Verdi-Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn ins Spiel.

Der Stein des Anstoßes: Dieses Gebäude soll offenbar ein NPD-Zentrum werden
(Foto: ka-news)

Laut Polizei verlief die Demonstration friedlich. Am Rande der Veranstaltung hätten jedoch 15 Personen der rechten Szene einen Platzverweis kassiert. Das Antifaschistische Aktionsbündnis wertete die Aktion als vollen Erfolg, es seien viel mehr Demonstranten als ursprünglich gedacht erschienen.

Die Polizei zeigt Präsenz (Foto: ka-news)

In dem Haus in der Badener Straße 34 war früher das illegale Bordell "La Belle" untergebracht, das nach heftigen Protesten aus der Nachbarschaft und jahrelangem Rechtsstreit geschlossen wurde (ka-news berichtete). Mittlerweile will sich die NPD dort offenbar mit einem Parteibüro sowie Kultur- und Schulungszentrum niederlassen. Um das so genannte "Nationale Zentrum" zu verhindern, änderte die Stadt flugs den Bebauungsplan und erklärte den fraglichen Straßenzug zum reinen Wohngebiet (ka-news berichtete). Alexander Neidlein, stellvertretender Landesvorsitzender der NPD, erklärte darauf hin, dass die Partei rechtliche Schritte gegen dieses "haltlose" Vorhaben einlegen wolle (ka-news berichtete).

Mit (Klapp-)Stühlen und behelfsmäßigen Sitzgelegenheiten gegen Nazis (Foto: ka-news)

Bereits am vergangenen Wochenende spitzte sich die Lage in der Badener Straße zu: In dem Anwesen war am Abend ein Treffen von Rechtsradikalen geplant, das jedoch von Vertretern des Bauordnungsamtes und des Zentralen Juristischen Dienstes sowie der Polizei verhindert werden konnte. Die Polizeibeamten unterbanden außerdem Zusammenstöße mit Angehörigen des linksextremen Spektrums, die gegen die Rechtsradikalen protestierten (ka-news berichtete).

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