Karlsruhe Debatte um Heroinabgabe

Stefan Mappus' Zielvorgabe: einen "Weg aus der Sackgasse" bei der kontrollierten Heroinabgabe zu finden
(Foto: ka-news)
Die jüngste Kurskorrektur der CDU-Landtagsfraktion in der Debatte um die Heroinabgabe an Schwerstabhängige (ka-news berichtete) ist auf Zustimmung gestoßen. Doch erntete CDU-Fraktionschef Stefan Mappus nicht nur Lob, sondern auch Kritik: Die SPD-Landtagsfraktion kritisierte dessen Vorschläge als "opportunistische Scheinlösung", und der Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Jung sprach von der "Schnecke Mappus".

Die Grünen im baden-württembergischen Landtag begrüßten es, dass bei der CDU-Fraktion nun "doch Bewegung in die festgefahrene Diskussion um die Heroinabgabe an Schwerstabhängige" komme. "Offensichtlich setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass man sich der Problematik nicht entziehen kann", meint die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Lösch. Ob die von Stefan Mappus ins Spiel gebrachten Zentren für Psychiatrie die richtigen Orte seien, so Lösch weiter, müsste allerdings geprüft werden. Es sei sicher problematisch, dass sich diese eher im ländlichen Raum befänden, während Heroinsucht doch eher ein Problem in den Großstädten darstelle.

Besser spät als nie? "Ein fast zu später Besuch in Karlsruhe" (Jung)

Auch der Städtetag Baden-Württemberg begrüßte das Signal des CDU-Fraktionschefs, die ablehnende Haltung der CDU zur kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige aufzugeben. Für den Aufbau der ambulanten Behandlung im Land sollten nach Ansicht des Städtetags die Erkenntnisse des Karlsruher Heroinprojekts genutzt werden. Eine erfolgreiche Therapie von Schwerstabhängigen bedürfe zwingend ambulanter Therapiebausteine. Eine ausschließlich stationäre Versorgungsstruktur werde dem Bedarf nach einer flächendeckenden und wohnortnahen Therapie nicht gerecht, zitiert die "Stuttgarter Zeitung" Städtetagssprecher Manfred Stehle.

"Stellen wir uns vor, Herr Mappus wäre bereits vor sechs oder neun Monaten in Karlsruhe vom Strahl der Erkenntnis getroffen worden", kommentiert der Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Jung Mappus' Kurskorrektur, "wie konstruktiv hätte die CDU Baden-Württemberg im Land und im Bund zwischenzeitlich handeln können?" Das Heroinmodellprojekt, so Jung, laufe seit 2002, Besuche von hochrangigen Landes- und Bundespolitikern in Karlsruhe gab es schon zuhauf, nur eben bisher nicht von der Führungsspitze der CDU im Land. Längst wäre die Arbeit an der Überführung der Modellversuche auf eine neue gesetzliche Grundlage von der SPD gemeinsam mit der Union gestartet und möglicherweise bereits abgeschlossen, meint Jung.

"Der Fortschritt ist eine Schnecke. Diesmal heißt die Schnecke Mappus", so Jung. Die Idee des CDU-Fraktionschefs, die Psychiatriezentren im Land einzubeziehen, müsse geprüft werden. Die SPD-Landtagsfraktion sieht in diesem "Ausweg aus der Sackgasse" (Mappus) jedoch nur eine "opportunistische Scheinlösung", mit der sich der CDU-Fraktionschef um ein klares Ja zur Herointherapie herumzumogeln versuche: "Wir brauchen klare gesetzliche Regelungen für die kontrollierte Heroinabgabe, nicht neue Modellprojekte." Ähnlich äußert sich Jung: "Nur die Überführung in eine gesetzlich reglementierte Regelversorgung wird dem Ernst der Lage und den überzeugenden Untersuchungsergebnissen gerecht."

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