Daniel Becht: Geschäftsführer Per Rad

Wer hat sie nicht schon gesehen: die Stadtbrief-Zusteller mit den markanten, orangefarbenen Taschen oder einen der Fahrradkuriere, die auf Zuruf innerhalb weniger Minuten wichtige Unterlagen von A nach B transportieren. Diese Briefträger und Kuriere sind Angestellte eines der größten inhabergeführten Postunternehmen in Deutschland. Der Geschäftsführer heißt Daniel Becht, und seine Unternehmensstrategie ist fast ganz auf das Fahrrad ausgerichtet.

Der gebürtige Pforzheimer lebte nach seiner Schulzeit zunächst einige Jahre in Berlin. Als er 1992 der Bundeshauptstadt den Rücken kehrte, brachte Daniel Becht von dort eine gänzlich neue Idee mit in die Fächerstadt und gründete den ersten und einzigen Karlsruher Fahrradkurierdienst. Als das Wachstum im Kurierbereich ausgereizt war, stampfte der Unternehmer 1999 den privaten Briefzustelldienst "Stadtbrief" aus dem Boden und produziert in diesem neuen Markt seither Wachstumszahlen im zweistelligen Bereich. Heute arbeiten über 200 Menschen in seiner Firma, mittlerweile sind nicht nur Räder im Einsatz, sondern auch einige Fahrzeuge – erdgasbetrieben versteht sich.

Die Tatsache, dass bei den Stadtbrieflern und Kurieren die allermeiste Arbeit auf dem Rad erledigt wird, kommt nicht von ungefähr. Auch privat sitzt Becht nämlich leidenschaftlich gern auf dem Rennrad. Fast alle seine Ferien verbringt er im Sattel. Dabei schrecken den Unternehmer auch Distanzen von 300 Kilometern pro Tag oder schwere Alpenpässe nicht ab. Eine weitere große Leidenschaft neben seinem Beruf ist für ihn die Musik. Seine Privatsammlung reicht von Bach über Jazz bis hin zu Punk und Rap. "Musik bedeutet für mich mit dem Ohr auf Reisen zu gehen", erzählt er und freut sich sichtlich auf seine Stereoanlage zu Hause.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Aufgeschlossen, aktiv und fröhlich.

Was ist Ihre größte Stärke?
Ich kann Menschen motivieren und stärken.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Wenig Geduld.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Möbelschreiner. Das bin ich auch geworden. Bin es ganz tief drinnen auch heute noch. Dass ich mal werde, was ich heute bin, hätte ich nicht gedacht.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ich möchte zusammen mit unseren Partnerunternehmen eine flächendeckende Alternative zur Deutschen Post AG in Süddeutschland aufbauen und dann zu gegebener Zeit mit der Deutschen Post AG auf Augenhöhe über die Übernahme von Teilen ihres Briefvolumens verhandeln.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Sprunghaftigkeit.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Das Ohr ist der Weg - meine HiFi-Anlage.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Unseren Wirtschaftsminister Herrn Clement. Ohne ihn geht’s besser. Und wenn der oben ist, dann den Stoiber. Weil es auch ohne den besser geht.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Oswald Metzger von den Grünen. Er hat die klarsten Vorstellungen für ein funktionierendes und zukunftsfähiges Gesellschaftsmodell.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musik: "Please Send Me Someone To Love" von Jimmy Scott aus dem Album "But Beautiful". Eine unglaublich schöne Stimme. Film: Schwarze Katze, weiser Kater von Emir Kusturica. Eine wunderschöne Liebesgeschichte.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Frank Schätzing: Der Schwarm.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Vogel.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Meine Frau. Das fände ich für alles weitere am spannendsten und aufschlussreichsten.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Das Umland.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Ich würde den Verkehr langsamer machen und den Lebensraum lebenswerter. Ich würde grundsätzlich die Belange der in der Stadt lebenden Menschen in den Vordergrund stellen. Fühlen die Bürger der Stadt sich in ihrem Lebensraum wohl, fühlen sich auch die Wirtschaft und die Besucher der Stadt wohl?

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Herr Drais. Wurde hier nicht verstanden und erfand das Laufrad – in Mannheim.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Dazu bewegen würde mich die Gewissheit, dass hier eine intensive Auseinadersetzung mit den verschiedensten Themen stattfindet, bevor etwas entschieden wird. Davon abhalten würde mich, dass nichts entschieden wird.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Professor Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker und das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie. Alle, die ohne Populismus etwas zum Weiterkommen und zum Fortbestand der Menschheit beitragen können. Ökologische Innovationspolitik ist die Zukunft. Weniger reden, mehr machen.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Im Schaukelstuhl.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Egal. Hat beides seine Reize.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.