Karlsruhe Conny Hermes: Eine Kämpferin aus der Region

Wegnerische Granulomatose, auch Morbus Wegener, ist eine Erkrankung, bei der sich die Blutgefäße im ganzen Körper entzünden. Die Folgen dieser entzündlichen Gefäßkrankheit sind eine Zerstörung und Durchdringung der Entzündungszellen durch das Blut. Anschließend kommt es zu einer Verengung oder einem Verschluss der Blutgefäße. Verständlicher gesagt, der ganze menschliche Körper kann befallen und somit auch völlig zerstört werden. Conny Hermes aus Stutensee-Spöck kämpft seit 14 Jahren gegen Morbus Wegener. Höllenqualen durchlebt sie und es erscheint einem unglaublich wie lebensfroh die hübsche Frau mit ungebremster Entschlossenheit immer weiter gegen diese zerstörerischen Krankheit kämpft.

Schmerzen im Mund und in den Ohren, dazu ein heftiger Schnupfen waren für  Conny vor 14 Jahren kein ernstzunehmender Grund zur Sorge. "Vielleicht eine sich ankündigende Grippe? Wird schon wieder", dachte die damals 29-Jährige. Als sie aber bemerkte, dass sich ihre Nase nach und nach aufzulösen begann wurde es Conny richtig mulmig zumute. Auch Schultern, Arme und Knie schmerzten plötzlich und wollten nicht mehr so wie sie. "Ich konnte mich kaum noch an- und ausziehen, geschweige denn allein aufstehen", schildert Conny den Beginn ihrer Krankheit. Ihr ältester Sohn Martin war zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt, der jüngste Sohn Nick war gerade ein Jahr.

"Für was Ernstes sind Sie zu jung"

Conny wurde von Arzt zu Arzt geschickt, keiner erkannte woran sie erkrankt ist. "Für was Ernstes sind Sie zu jung", wollte man Conny beruhigen. Man verabreichte ihr Morphium. Das sollte sie von den qualvollen Schmerzen befreien, doch ihre Schmerzen wurden immer schlimmer. Am 17. Januar 1997 war Conny im Krankenhaus. "13 Ärzte betraten mein Krankenzimmer und stellten mir die Diagnose: Granulomatose Morbus Wegener - dazu noch eine besonders aggressive Form. 'Ihr Immunsystem zerfrisst sie sozusagen von innen', wurde mir mittgeteilt", erklärt Conny. Neben ihrer kaum noch existenten Nase, hatten sich große Löcher in der Lunge gebildet. Auch ihre Leber war inzwischen stark angegriffen. Ein Schock - von dieser selbstzerstörerischen Krankheit hatte Conny bisher noch nie etwas gehört. Es musste gehandelt werden, denn ohne eine Therapie wird Morbus Wegener Erkrankten der Tod innerhalb sechs Monaten prognostiziert. Mit Chemotherapien, viel Cortison und Glück konnte Conny dennoch die weiteren sechseinhalb Jahre relativ gut leben. Doch dann versagten die Schmerzmittel.

"Als die Schmerzmittel nicht mehr wirkten bekam ich plötzlich eine kurzzeitige, halbseitige Gesichtslähmung, mein rechtes Ohr ist daher bis heute taub, ich wurde durch die Medikamente zur Diabetikerin und meine Bandscheiben waren auch schon besser in Schuss", schildert Conny. Als Rettung erschien Mitte 2006 eine japanische Studie. Durch sie wurde die Wegnerische Granulomatose zum Stillstand gebracht. Doch da die Medikamente in Deutschland nicht zugelassen wurden, musste sich Conny weiterhin Schmerzmitteln und Chemotherapien unterziehen.

Zufrieden, glücklich und unglaublich tapfer

Als zufrieden und glücklich beschreibt sich die 43 Jährige. "Außer den Nebenwirkungen der Chemotherapie, wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Übelkeit und den kontinuierlichen Nasenaufbau-OPs, geht es mir gut. Ich wollte unbedingt den 18. Geburtstag meines ältesten Sohnes erleben - und nun ist er schon zwanzig geworden", strahlt Conny.

Wie eine Achterbahnfahrt beschreibt Conny ihr Leben. Nach einer schweren Kindheit, der schrecklichen Diagnose Morbus Wegner und zwei schwachen Momenten in denen sie einfach nicht mehr weiter wusste, hielt sie dennoch immer der Glaube an ihre Söhne, ihre Familie, Glücksengel und sich selbst im Leben.

Biographie: "Glücksengel &Achterbahn"

Um ihre Gefühle zu verarbeiten schrieb Conny ihre Biographie nieder. Mit dem Buch "Glücksengel & Achterbahn" wollte sie nicht nur Morbus Wegener Erkrankten ermutigen zu kämpfen, sondern auch allen anderen Menschen eine andere Sicht des Lebens geben. "Viele Leser kamen auf mich zu und erklärten mir, dass sie ihr eigenes Leben nun viel mehr schätzen als zuvor", beschreibt Conny ihre Erfahrungen. Sehr viel verdient habe sie bisher leider noch nicht mit ihrem Buch, das es in so gut wie jeder Buchhandlung zu erwerben gibt. Aber wenn sie Menschen durch dieses Buch auch nur ein bisschen helfen konnte, "dann hat sich das ganze schon gelohnt", lächelt Conny.

"Medizin Helden 2011" - Conny ist nominiert

Als Carola Woelk, eine gute Freundin von Conny  den "Pulsus Gesundheitspreis" entdeckte - ein Preis von Bild am Sonntag und der Techniker Krankenkasse der seit sieben Jahren an Menschen verliehen wird, die nie den Mut verlieren und für ihr Leben kämpfen - meldete sie Conny, ohne deren Wissen, an. Aus ganz Deutschland wurden nur acht Menschen in der Kategorie "Kämpfer des Jahres" nominiert und Conny gehört dazu. Per Telefonvoting kann man ab Sonntag, 28. November, für Conny unter der Nummer die auf www.tk.de/gesundheitspreis-pulsus/020-pulsus-2011/kaempfer-2010/193500 vermerkt ist, anrufen. Bis Freitag, 31. Dezember, kann man für Conny voten; 2011 wird dann die Preisverleihung in Berlin stattfinden.

Conny fand die Idee ihrer Freundin "unmöglich goldig". Würde sie den Preis tatsächlich gewinnen, so wäre es für sie eine große Ehre. "Wo doch ach so viel tausende Menschen diesen Preis verdienen würden, wäre ich als Gewinnerin unglaublich gerührt und stolz. Vielleicht wäre es auch eine kleine Motivation für viele andere kranke Menschen, aber sicherlich auch für mich selbst, nicht aufzugeben, sondern weiter zu kämpfen".

Beschreiben Sie sich in drei Worten:

Gläubig, herzlich und selbstkritisch

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?

Stärke: Ich kann Menschen dazu bewegen ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und schaffen, dass sie sich dadurch besser fühlen.

Schwäche: Gibt es viele Probleme, so will ich sie manchmal durch Alkohol vergessen.

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?

Eher Nachtmensch

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?

Keine Schulden machen (lächelt)

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?

Etwas positives!

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?

Auf ein Auto, mit einem Auto ist man unabhängiger.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?

So manche Politiker, die immer nur an ihren Geldbeutel denken.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?

Mein Freund

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?

Mehr Gerechtigkeit für Kinder und Hungerleidende. Vergewaltiger und Mörder sollten lebenslang hinter Gitter. Eine gleiche Chance für alle - ein Staat der sich für sein Volk mehr einsetzt. Mehr Rechte für Tiere, ich verabscheue Tierquäler.

Sie werden als Tier geborgen. Als welches?

Als ein Delphin.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?

Die schönen Cafés, da kann man sich hinsetzen und die Leute beobachten.

Deutschland gilt auch als Land der Nörgler und Perfektionisten - Warum würde Sie dennoch einwandern?

Wegen der Redefreiheit, dem Gesundheitswesen, Harz4, dem Klima und der Umwelt.

Sekt oder Selters - welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?

Wasser.

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?

Schönes Wetter, meine Kinder und Famile, Arbeiten, Hunger und Durst

Meer oder Berge - Action oder Entspannung im Urlaub?

Meer und Entspannung.

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?

Italienisch.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?

In den Himmel.

 

(myh)

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